Versicherungsmakler kündigen

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Maklervertrag Versicherung kündigen

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Maklervertrag Versicherung kündigen

Wie ist die Kündigungsfrist wenn ich meinen Maklervertrag kündigen will?

Was passiert mit den Versicherungsverträgen die über den Makler laufen?

Vielen Dank für eure Hilfe.

Schauen Sie in den Vertrag, wie dort die Kündigungsfrist geregelt ist. Branchenüblich sind drei Monate zum Ende eines Vertragsjahres oder zum Ende eine Kalenderjahres. Häufig ist es aber auch so, dass Maklerverträge aufgrund des besonderen Vertrauensverhältnisses JEDERZEIT mit SOFORTIGER WIRKUNG kündbar sind.

Rechtsfolge für die Versicherungsgesellschaften ist in einem solchen Fall nur, dass der Makler keine Vollmacht mehr hat, in Ihrem Namen Willenserklärungen abzugeben. Ausserdem verliert der Makler seinen Anspruch auf die so genannte "Bestandspflegeprovision", wenn der Maklervertrag gekündigt ist.

Streitfall des Tages: Wann Versicherte vorzeitig kündigen können

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Wann Versicherte vorzeitig kündigen können

Von der Versicherung, die die Kündigung nicht akzeptierte, heißt es, dass sie für Neuverträge die neuen gesetzlich vorgegeben Kündigungsfristen anwende, für Altverträge jedoch eine Übergangsfrist gelte.

„Die Provinzial Rheinland hat niemals bei dieser Frage die alten Kündigungsfristen angewandt beziehungsweise die alten Laufzeiten nach dem 01.01.2008 für maßgeblich gehalten“, betont Pressesprecher Christoph Hartmann. So habe auch für Kunden der Provinzial ab dem 01.01.2008 die Dreijahresfrist des neuen VVG gegolten, wobei der Versicherer davon ausgegangen sei, dass diese Frist aufgrund einer Übergangsvorschrift erst ab dem 01.01.2008 zu berechnen sei. „Dies führte dazu, dass eine vorzeitige Kündigung zum 01.01.2011 akzeptiert wurde, es sei denn, dass zuvor bereits die fünfjährige Laufzeit ablief“, erklärt Hartmann.

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Die Kündigungsfristen sind in Paragraf 11 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) geregelt, das am 1. Januar 2008 in Kraft trat. In Absatz 4 heißt es dort: „Ein Versicherungsvertrag, der für die Dauer von mehr als drei Jahren geschlossen worden ist, kann vom Versicherungsnehmer zum Schluss des dritten oder jedes darauf folgenden Jahres unter Einhaltung einer Frist von drei Monaten gekündigt werden.“

Der Paragraph 11 Abs. 4 gilt für alle Versicherungsverträge mit Ausnahme der Kranken-, Lebens- und Berufsunfähigkeitsversicherung. Für diese Versicherungen kommen die Vorschriften §§ 168, 176, 205 VVG zur Anwendung.

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Von einer Übergangsfrist für länger laufende Altverträge steht in dem Gesetz nichts. Nach der alten Regelung konnten Versicherungsnehmer solche Verträge frühestens nach fünf Jahren kündigen. Von wenigen Versicherungsgesellschaften wie der Provinzial Rheinland wurde bis heute bestritten, dass die Regelung auch für Altverträge gilt.

Sie vertraten die Auffassung, dass die Vertragslaufzeit von drei Jahren auch für Altverträge zum Zeitpunkt des Inkrafttreten des neuen VVG zum 01.01.2008 beginnt. Danach konnten diese Altverträge spätestens bis zum 01.01.2011 gekündigt werden.

Der Ombudsmann für Versicherungen, Professor Dr. Günther Hirsch, ehemals Richter am Bundesgerichtshof, vertrat die Auffassung, dass ein Sonderkündigungsrecht für mehrjährige Versicherungsverträge schon nach drei Jahren ab Vertragsbeginn der Altverträge gelte. Zu beachten sei für Verbraucher nur eine gesetzlich vorgeschriebene Kündigungsfrist von drei Monaten.

Sie nennen sich Berater, Makler, Vermittler oder Vertreter – und alle haben sie mit Versicherungen zu tun. Was steckt hinter den Begriffen?

Wer in Sachen Versicherungen unterwegs ist, will meistens verkaufen. In der Regel verdienen sie an der Provision, die der Kunden mit seinen ersten Beiträgen zahlt. Nur ganz wenige Personen beraten in Deutschland in Versicherungsfragen gegen ein Honorar.

Versicherungsvermittler und -berater benötigen in Deutschland in der Regel eine Erlaubnis. Dazu müssen sie vor der IHK ihre persönliche Zuverlässigkeit, geordnete Vermögensverhältnisse, eine Berufshaftpflichtversicherung und die entsprechende Sachkunde nachweisen.

Unter dem Oberbegriff „Versicherungsvermittler“ werden laut §59 VVG (Gesetz über den Versicherungsvertrag) drei Berufsgruppen zusammengefasst. Laut dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHT) sind in Deutschland 211.856 Versicherungsvertreter tätig – das sind in der Regel Personen, die nur für einen Versicherer arbeiten. 44.864 Personen gelten als Makler, die unabhängig von einem einzelnen Versicherer sind. Und nur 203 nennen sich Versicherungsberater, die für ihre Dienste ein Honorar verlangen.

Im Volksmund werden sie einfach Vertreter genannt. Doch auch diese Gattung der Versicherungsvermittler gibt es in verschiedenen Varianten, etwa als Mehrfachversicherungsvertreter, Generalagent oder Mehrfachagent. Sie sind formal betrachtet sind Handelsvertreter, die von einem oder mehreren Versicherungsunternehmen beauftragt sind, deren Versicherungen zu vermitteln. Und sie erhalten Provision, wenn der Kunde einen Vertrag abschließt.

Versicherungsmakler sind Kaufleute nach dem Handelsrecht und vertraglich nicht an ein Unternehmen gebunden. Insofern sind sie im Vergleich zu Vertretern unabhängiger und können zwischen Produkten mehrerer Anbieter wählen – doch auch sie bekommen bei Vertragsabschluss eine Courtage der jeweiligen Versicherung. Zudem kann der Versicherungsmakler die Versicherungsverträge eines Kunden dauerhaft betreuen, um sie immer dem aktuellen Bedarf anzupassen.

Versicherungsberater – im Vergleich eine verschwindend kleine Anzahl – sind verpflichtet, ihre Kunden individuell und in deren Interesse zu beraten. Um ihre Unabhängigkeit zu gewährleisten, beziehen sie keine Provisionen von Versicherungen, sondern beraten Kunden auf Honorarbasis. Sie rechnen entsprechend der Rechtsanwalts-Vergütungsverordnung (RVG) ab. Das Honorar wird vorab mit den Mandanten vereinbart. Üblich ist ein Stundenhonorar.

So nennen sich die Vermittler, die für den größten deutschen Finanzvertrieb DVAG unterwegs. Formal betrachtet handelt es sich oft um Handelsvertreter, die nur Produkte des Versicherungskonzerns Generali im Gepäck haben. Das Problem für Kunden: Der Begriff Berater wird von vielen Verkäufern in der Finanzbranche verwendet. Wichtig ist es daher, den jeweiligen Hintergrund genau zu erfragen.

Wenig trennscharf ist auch der Begriff des Versicherungskaufmanns. Dies kennzeichnet vor allem die Ausbildung eines Verkäufers oder Beraters. Versicherungskaufleute gibt es in den Versicherungskonzernen genauso wie bei Maklern oder auch in Banken oder in größeren Unternehmen mit einer Versicherungsabteilung. Sie können auch selbstständig sein und Versicherungen vermitteln oder auch einfach nur gegen ein Honorar beraten.

Auch andere Experten teilen die Rechtsauffassung der Provinzial Rheinland nicht. „Auffällig ist: In den Urteilsbegründungen pro Versicherer stützen sich die Gerichte auf eine Veröffentlichung von Jörg Funck und Hans-Joachim Pletsch in der Zeitschrift Versicherungsrecht (VersR)“, erläutert Erwin Hausen, Chefredakteur der Branchenpublikation „Der Versicherungstipp“. „Die Autoren sind Abteilungsleiter beziehungsweise stellvertretender Abteilungsleiter der Rechtsabteilung der Provinzial Rheinland Versicherungen.“ Dadurch hätten einige Gerichte teils eine „einhellige Literaturmeinung“ zu Gunsten des Versicherers postuliert, die objektiv nicht existiere.

Andreas Gernt, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Niedersachsen, teilt die Ansicht, dass vor der Reform des Versicherungsvertragsgesetz abgeschlossene Altverträge nach den Kündigungsregeln des neuen Gesetzes gekündigt werden können. „Wir hatten einen solchen Fall aber bislang nicht, auch ist die Zahl von Versicherungsverträgen mit langen Vertragslaufzeiten in den vergangenen Jahren aufgrund der Rechtsprechung und Gesetzesänderungen merklich zurückgegangen“, schränkt er ein.

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In der Sachversicherung wie in den Sparten Privathaftpflicht-, Hausrat-, Wohngebäudeversicherung und bei der Unfallversicherung würden mehrjährige Verträge aber immer noch vorkommen. „Früher waren fünf- und zehn-Jahresverträge durchaus üblich, die Anbieter boten und bieten für länger laufende Verträge einen Beitragsnachlass an.“

Ob sich das aber für die Versicherten letztlich rechne, sei keinesfalls sicher, da viele Kunden leider vor Abschluss oft keine genaue Risikoanalyse und trotz Beitragsunterschieden von meist über hundert Prozent keinen Preis- und Leistungsvergleich durchführen. „Zudem kommen immer wieder neue und vielleicht auch preisgünstigere oder leistungsstärkere Angebote auf den Markt, so dass Versicherungsnehmer mit kurzen Vertragslaufzeiten am schnellsten reagieren können.

Im Übrigen gilt aber seit dem 1. Januar 2009 nur noch das neue Versicherungsrecht und jeder mit einer Dauer von mehr als drei Jahren laufende Versicherungsvertrag – egal ob Alt- oder Neuvertrag – kann nunmehr zum Ende des dritten oder jedes darauf folgenden Jahres unter Einhaltung einer Frist von drei Monaten gekündigt werden. Dieses ordentliche Kündigungsrecht besteht auch dann, wenn in der Police eine längere Laufzeit stehen sollte und die umstrittene Übergangszeit für Altverträge hat sich jetzt schon allein durch Zeitablauf erledigt.

Kunden mit Kapital oder fondsgebundene Lebenspolicen können ihren Vertrag oft durch eine günstigere Risiko-Lebenspolice ersetzen, empfiehlt der Bund der Versicherten.

Sprechen Sie mit Ihrer Gesellschaft über eine kürzere Laufzeit. Aus steuerlichen Gründen sollte die Police mindestens zwölf Jahre laufen. Bis dahin können Sie die Police beitragsfrei stellen, die Prämie reduzieren oder verlangen, dass für den Beitrag die angesammelten Überschussanteile verwendet werden.

Wer eine Versicherung beitragsfrei stellen lässt, muss wissen, dass danach nichts mehr verändert werden darf.

Wer beispielsweise noch in 2007 einen Sachversicherungsvertrag mit einer Laufzeit von fünf Jahren abgeschlossen hat, muss jetzt nur noch darauf achten, dass sein Kündigungsschreiben spätestens drei Monate vor dem im Versicherungsschein dokumentierten Ablauftermin beim Versicherer eingeht. Neben dem ordentlichen Kündigungsrecht besteht weiter unter bestimmten Voraussetzungen auch das Recht zu einer vorzeitigen Kündigung nach einer Beitragserhöhung (Prämienerhöhung) oder nach einem Schadensfall (Versicherungsfall).

Da es im Übrigen noch zahlreiche Sonderregelungen gibt, gilt es stets, die Versicherungsbedingungen genau zu lesen und sich möglichst vor einer Vertragskündigung umfassend zu informieren und sich auch beraten zu lassen.“

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Kommentare zu “ Streitfall des Tages: Wann Kunden ihre Versicherung kündigen dürfen“

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  • Berater 14.12.2011, 12:50 Uhr

Na ja, dass hat ja für den Versicherer prima geklappt. Über mehrere Jahre wurden Kündigungen seitens der Versicherten nach dem neuen VVG abgelehnt. Somit mussten die Kunden weiterhin die überhöhten Prämien der Provinzial zahlen. Eine Verpflichtung des Versicherers rückwirkend alle unter diesen Kriterien gekündigten Verträge aufzuheben wäre sicher von heilsamer Wirkung für die Zukunft. Zumal sich alle anderen Gesellschaften an die neuen Grundlagen des VVG gehalten haben. Anscheinend ist die Provinzial auf derartige Geschäftspraktiken angewiesen damit die Kunden nicht abwandern.

Streitfall des Tages: Wann Kunden ihre Versicherung kündigen dürfen

  • Ulrich Lohrer
  • 13.12.2011 16:36 Uhr

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In der Rubrik „Der Streitfall des Tages“ analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.

Im Juli 2006 hatte ein Kunde der Provinzial Rheinland Versicherung AG eine Unfallversicherung mit einer vereinbarten Vertragslaufzeit von fünf Jahren abgeschlossen. Schnell bereute er den Abschluss des langfristigen Vertrages und wollte die Gunst der Stunde nutzen. Denn das neue Versicherungsvertragsgesetz (VVG) trat zum 1. Januar 2008 in Kraft – und legte die Vertragslaufzeit auf maximal drei Jahren fest.

Serie "Streitfall des Tages"

Daraufhin kündigte der Versicherte seinen Altvertrag mit dem Hinweis auf das neue Gesetz. Doch die Gesellschaft lehnte die Kündigung ab: Für Altverträge seien Übergangsfristen einzuhalten. Dagegen klagte der Versicherungsnehmer vor dem Amtsgericht Düsseldorf, das in einem am 20. Januar 2010 verkündeten Urteil der Klage des Versicherten stattgab (Az. 45 C 10776/09).

Die Richter: Ein mehrjähriger Versicherungsvertrag endet nach 11 Abs. 4 des neuen VVG vorzeitig.

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Der Streit um die Kündigung von Altverträgen ist kein Einzelfall. Es gab und gibt mehrere Gerichtsverfahren, in denen die Provinzial Rheinland die Rechtsauffassung vertritt, dass für Altverträge eine Übergangsfrist gelte. Auch im Geschäftsbericht 2010 des Versicherungsombudsmann wird ein solcher Fall geschildert. Die Urteile der Gerichte fielen dazu uneinheitlich aus. Offenbar besteht auch unter den Richtern keine übereinstimmende Auffassung, wie die Kündigungsfristen von Altverträgen zu behandeln sind.

Veröffentlichte aktuelle Statistiken über die Vertragslaufzeiten in Deutschland gibt es nicht. Langfristige Versicherungsverträge sind aber vor allem bei Lebensversicherungen anzutreffen, die oft als Ansparprodukt (Kapitallebensversicherungen oder aufgeschobene Rentenversicherungen wie unter anderem Riester-Renten) für die Altersvorsorge abgeschlossen werden. Die vorzeitige Kündigung dieser oft über 20 und 30 Jahre laufenden Lebensversicherungsverträge ist zwar möglich, aber aufgrund hoher Kosten oft mit dem Verlust eingezahlter Beitragsbestandteile verbunden.

Versicherte sollten sich gut überlegen, wie lange sie sich an eine Gesellschaft binden. Wer trotzdem vorher aus dem Vertrag raus möchte, muss sich an das Versicherungsvertragsgesetz halten. Dort gibt es klare gesetzliche Regelungen, die aber je nach Versicherungssparte unterschiedlich ausfallen.

Sind keine Vertragslaufzeiten vereinbart, können Policen grundsätzlich von beiden Vertragsparteien – Versicherer und Versicherungsnehmer – nur für den Schluss der laufenden Versicherungsperiode (in der Regel das Kalenderjahr) gekündigt werden. Werden Policen nicht rechtzeitig in der Versicherungsperiode gekündigt, beträgt die folgende Vertragsperiode maximal ein Jahr. Ein Versicherungsvertrag, der für die Dauer von mehr als drei Jahren geschlossen worden ist, kann vom Versicherungsnehmer zum Schluss des dritten oder jedes darauf folgenden Jahres unter Einhaltung einer Frist von drei Monaten gekündigt werden.

„Sind laufende Prämien zu zahlen, kann der Versicherungsnehmer das Versicherungsverhältnis jederzeit für den Schluss der laufenden Versicherungsperiode kündigen.“ (§ 168 VVG). Zu den Lebensversicherungen zählen Kapitallebensversicherungen, Rentenversicherungen und Risikolebensversicherungen, die nur im Todesfall des Versicherten zahlen.

Im Falle der Kündigung durch den Versicherungsnehmer, ist ihm vom Lebensversicherer – dies trifft in der Regel für Kapitallebensversicherungen und die meisten Rentenversicherungen zu – dann ein Rückkaufswert zu zahlen. Die Regelung dazu ist im § 169 VVG festgelegt.

Es gibt nach der Einführung der aktuellen Gesundheitsreform, dem GKV WSG nur noch zwei Kündigungsrechte der Mitgliedschaft in der GKV. Einmal wegen des Wechsels von einer GKV zu einer anderen GKV zum anderen wegen des Wechsels von der GKV zur privaten Krankenversicherung (PKV). Die Kündigung ohne den Nachweiß einer neuen Krankenversicherung ist nicht mehr möglich.

Kündigung wegen eines Wechsels zu einer anderen Gesetzlichen Krankenkasse: Es besteht die reguläre Kündigungsfrist von zwei Monaten zum Monatsende, weitere Voraussetzung für eine Kündigung der GKV ist, dass die bisherige Mitgliedschaft bereits 18 Monate bei der bisherigen GKV bestanden hat. Wer also zum 01.04. seine Kasse wechseln möchte, muss spätestens im Januar zum 31.01. kündigen. Die alte GKV ist verpflichtet, diese Kündigung innerhalb von 14 Tagen zu bestätigen. Nach dem Wechsel der GKV, ist der Versicherte nach SGB V § 175 (4) 18 Monate an diese neue Kasse gebunden.

Wechseln dürfen nur Angestellte mit einem Verdienst oberhalb der Versicherungspflichtgrenze, Beamte, Freiberufler und Selbständige sowie Studenten. Für Angestellte hat sich seit 2011 die Wechselmöglichkeit in die PKV erleichtern. Zum einen können Angestellte bereits bei einmaligem Überschreiten der Pflichtgrenze (bisher drei Jahre in Folge) in die private Krankenversicherung wechseln.

Für die anderen Personengruppen existiert keine Einkommensgrenze. Damit können auch Berufsanfänger mit einem Gehalt oberhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze (kurz: JAEG. Für 2011: 49.500 Euro, für 2012 wird nun ein Anstieg auf 50.850 Euro erwartet) sofort in die PKV wechseln. Zudem können Selbständige, die in ein Angestelltenverhätlnis wechseln, mit einem Gehalt oberhalb der JAEG ihren PKV-Vertrag aufrecht erhalten.

Der Versicherungsnehmer kann den Vertrag, den er für die Dauer von mehr als einem Jahr eingegangen ist, zum Ende des ersten Jahres oder jedes darauf folgenden Jahres unter Einhaltung einer Frist von drei Monaten kündigen. Die Kündigung kann auf einzelne Tarife beschränkt werden.

Wird eine versicherte Person kraft Gesetzes kranken- oder pflegeversicherungspflichtig in der Gesetzlichen Krankenversicherung, kann der Versicherungsnehmer binnen drei Monaten nach Eintritt der Versicherungspflicht eine Krankheitskosten-, eine Krankentagegeld- oder eine Pflegekrankenversicherung sowie eine für diese Versicherungen bestehende Anwartschaftsversicherung rückwirkend zum Eintritt der Versicherungspflicht kündigen (näheres im § 205 VVG).

Der Versicherungsnehmer kann bei fast allen Sachversicherungen grundsätzlich nach jedem Versicherungsschaden sofort kündigen. Hier empfiehlt es sich aber, die Kündigung zwar sofort aber erst mit Wirkung zum Jahresende auszusprechen, um zuviel gezahlte Beiträge zurückerstattet zu bekommen.

Ebenfalls außerordentlich gekündigt werden kann beim Verkauf des versicherten Objektes. So muss kein Versicherungsnehmer beim Verkauf seines Autos erst bis zum Jahresende warten, ehe er seine Kfz-Versicherung kündigen kann. Hier gilt ein außerordentliches Kündigungsrecht zum Datum des Verkaufes.

Zudem besteht ein Sonderkündigungsrecht bei jeder Form von Erhöhungen der Versicherungsprämie (sofern die Erhöhung nicht über eine Progression vereinbart wurde).

„Bei Verletzung einer vertraglichen Obliegenheit, die vom Versicherungsnehmer vor Eintritt des Versicherungsfalles gegenüber dem Versicherer zu erfüllen ist, kann der Versicherer den Vertrag innerhalb eines Monats, nachdem er von der Verletzung Kenntnis erlangt hat, ohne Einhaltung einer Frist kündigen, es sei denn, die Verletzung beruht nicht auf Vorsatz oder auf grober Fahrlässigkeit.“ (§ 28 VVG).

Sonst können auch die Versicherer unter Einhaltung der Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen die Verträge grundsätzlich kündigen. Eine Ausnahme stellt die Krankenvollversicherung dar. Kündigungen vom Versicherer sind im Wesentlichen nur für Versicherungen möglich, die über dem Umfang des gesetzlich definierten Pflichtversicherungsschutz (Krankenvollversicherung, Pflegeversicherung) hinausgehen. „Eine Krankentagegeldversicherung, für die kein gesetzlicher Anspruch auf einen Beitragszuschuss des Arbeitgebers besteht, kann der Versicherer . in den ersten drei Jahren unter Einhaltung einer Frist von drei Monaten zum Ende eines jeden Versicherungsjahres kündigen.“ (§ 206 VVG)

Eine private Krankenversicherung (PKV darf aber trotz der allgemeinen Versicherungspflicht in Sonderfällen einem Versicherten kündigen. Dies gilt bei arglistiger Täuschung, Betrug sowie anderen strafrechtlich relevanten Handlungen, so der Bundesgerichtshof (BGH). Der BGH gab damit der Klage der Continentale und der Hallesche Krankenversicherung Recht (Az.: IV ZR 50/11 und IV ZR 105/11).

„In der Praxis erreichen 50 bis 80 Prozent aller Langfristverträge ihr Ablaufdatum nicht, stellen jedoch die wichtigsten Produkte für die Finanzvermittler und Produktgeber dar“, heißt es in der im Auftrag des Verbraucherministeriums BMELV erstellten Studie „Anforderungen an Finanzvermittler“ aus dem Jahre 2008.

Bei den Sachversicherungen wie Hausrat-, Rechtsschutz- oder Unfall-Policen wurden vor der Änderung des Versicherungsvertragsgesetz häufig mehrjährige Verträge über die Dauer von fünf und zum Teil auch zehn Jahren abgeschlossen. Versicherer bieten längerfristige Verträge in der Regel mit einem Beitragsabschlag an. Der Versicherungsnehmer bindet sich jedoch dadurch an einen Vertrag, der nur in Ausnahmefällen der am Markt günstigste und oft nicht bedarfsgerecht ist.

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  • Berater 14.12.2011, 12:50 Uhr

Na ja, dass hat ja für den Versicherer prima geklappt. Über mehrere Jahre wurden Kündigungen seitens der Versicherten nach dem neuen VVG abgelehnt. Somit mussten die Kunden weiterhin die überhöhten Prämien der Provinzial zahlen. Eine Verpflichtung des Versicherers rückwirkend alle unter diesen Kriterien gekündigten Verträge aufzuheben wäre sicher von heilsamer Wirkung für die Zukunft. Zumal sich alle anderen Gesellschaften an die neuen Grundlagen des VVG gehalten haben. Anscheinend ist die Provinzial auf derartige Geschäftspraktiken angewiesen damit die Kunden nicht abwandern.

Источники: http://www.finanztip.de/community/thema/1856-maklervertrag-versicherung-k-c3-b-cndigen, http://www.handelsblatt.com/finanzen/steuern-recht/recht/streitfall-des-tages-wann-versicherte-vorzeitig-kuendigen-koennen/5949228-2.html, http://www.handelsblatt.com/finanzen/steuern-recht/recht/streitfall-des-tages-wann-kunden-ihre-versicherung-kuendigen-duerfen/5949228.html

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