Versicherung gegen hochwasser

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Versicherung gegen hochwasser

Wasserschaden durch Überschwemmung

Hochwasser: Diese Versicherungen zahlen für Gebäude und Hausrat

24.07.2017, 14:01 Uhr | dpa-tmn, t-online.de

Starkregen und Hochwasser sind in einigen deutschen Regionen eine Dauergefahr. Steigen die Pegel, können Anwohner oft nicht schnell genug ihr Hab und Gut vor den Fluten schützen. Wenn dann der Keller vollläuft und wertvoller Hausrat zu Schaden kommt, bleibt eine gute Versicherung die einzige Hoffnung. Doch worauf müssen Sie achten?

Der Fallstrick bei den meisten Versicherungen: Schäden durch Hochwasser sind weder durch die klassische Hausrat- noch die Wohngebäudeversicherung gedeckt. Wir erklären, welche Versicherung den Schaden trotzdem bezahlt, und wie sich Bürger in gefährdeten Gebieten vor bösen Überraschungen schützen können.

Elementarschutz in der Gebäudeversicherung

Wer in Hochwassergebieten wohnt, lebt stets mit der Gefahr von Überschwemmungen , die mitunter innerhalb weniger Stunden Hab und Gut Tausender vernichten können. Hier gilt es, sich richtig abzusichern. Da herkömmliche Hausrat- oder Wohngebäudeversicherungen Schäden durch Unwetter oder Hochwasser nicht ersetzen, rät Christian Lübke vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) allen Betroffenen, eine Elementarschadenversicherung abzuschließen. Allerdings hat in Deutschland nicht einmal ein Drittel der Haus- und Wohnungsbesitzer diesen Schutz. Doch der wird immer wichtiger. Deshalb sollten Bürger ihren Versicherungsschutz überprüfen.

Risiko besteht nicht nur in Flussnähe

Das gelte auch für Gebäude, die nicht in Flussnähe liegen, denn Wasserschäden durch Starkregen nehmen zu. Der könne im Prinzip jeden treffen, sagt Lübkes Kollegin Kathrin Jarosch vom GDV. „Niedersachsen ist zum Beispiel ein klassisches Starkregen-Ereignis“, erklärte Jarosch.

Siegfried Karle, Präsident des Vereins Geld und Verbraucher (GVI) in Heilbronn, empfiehlt einen Elementarschutz im Bereich der Gebäudeversicherung. Nur diese Zusatzversicherung sichere Schäden ab, die durch Hochwasser, starken Regen oder Überschwemmung verursacht werden. Dabei ist es egal, ob die Fluten eines Flusses ins Wasser laufen oder eine übervolle Kanalisation ins Haus drückt.

Elementarschutz für Hausrat oft unnötige Versicherung

Die Elementarschadenversicherung im Bereich Hausrat sei dagegen oft nicht notwendig. „In der Regel sind die Keller betroffen, und da werden kaum Wertgegenstände gelagert“, sagt Karle. Verbraucher müssten überlegen und durchrechnen, ob eine Zusatzversicherung in ihrem Fall sinnvoll ist.

Starke Regenfälle nehmen zu

Auch bei zunehmenden Starkregenfällen lassen sich nach GDV-Angaben 99 Prozent aller Häuser unproblematisch gegen Überschwemmungen versichern. Bei dem verbleibenden einem Prozent sei es schwieriger, da diese Gebäude in Gefahrengebieten wie dem Oderbruch mit den starken Flussläufen liegen. In solchen Risikogebieten sind die Elementarversicherungen sehr teuer oder werden gar nicht erst angeboten. Oft müssten Versicherte hier individuelle Verträge aushandeln. „Hier gibt es Regelungen über einen Selbstbehalt“, sagt Lübke Das sind frei ausgehandelte Beträge – beispielsweise werden im Schadensfall die ersten 150 Euro selbst getragen.

Schaden schnell der Versicherung melden

Haben Starkregen, Hochwasser oder Überschwemmung Schäden an eigenem Hab und Gut angerichtet, sollten Betroffene den Schaden unverzüglich ihrer Versicherung melden. Der Bund der Versicherten rät, die Schadensmeldung per Einschreiben mit Rückschein zu senden. Zur Dokumentierung sollten Fotos gemacht werden. Zudem ist eine Aufstellung aller beschädigten Gegenstände erforderlich.

Nicht zu schnell aufräumen

Mit dem Aufräumen sollten sich Betroffene dagegen Zeit lassen: „Erst wenn der Gutachter den Schaden besichtigt hat, kann das Haus saniert werden“, sagte Lübke. Gefahrenstellen dürften aber schon vorher beseitigt werden. Auch sei es erlaubt, die Möbel und den Hausrat so beiseite zu räumen, dass die Zimmer begehbar sind. Lübkes Kollegin Jarosch ergänzt: „Alles, was dazu dient, den Schaden nicht zu vergrößern, ist erlaubt.“ Absprache mit dem Versicherer beugt späterem Streit vor, außerdem gibt es dort wertvolle Tipps zur Schadensbeseitigung.

Handeln, bevor der Schaden schlimmer wird

Daneben hat der Versicherungsnehmer aber immer eine Schadenminderungspflicht, wie Bianca Boss vom Bund der Versicherten sagt. „Ich darf auch nicht ganz ruhig zusehen, wie weiter Wasser in mein Haus fließt.“ Betroffene müssen etwa zerbrochene Fenster abdichten oder Hausrat im Keller in Sicherheit bringen, wenn das ohne Gefahr möglich ist.

Der Gutachter der Versicherung erstelle eine Übersicht über den Schaden. Dabei werde nicht nur festgehalten, welche Möbel beschädigt wurden, erklärte Lübke. Auch der Zustand des Gebäudes werde genau untersucht. So werde zum Beispiel festgestellt, ob und in welchem Ausmaß die Substanz des Hauses durch das Hochwasser gelitten hat.

Wer nicht versichert ist, kann den Schaden möglicherweise bei der nächsten Steuererklärung geltend machen und dort Kosten für Reparaturen und Wiederbeschaffung als außerordentliche Belastungen absetzen.

Auto durch die Teil- oder Vollkaskoversicherung geschützt

Im Gegensatz zu Immobilien und Wertsachen sind Hochwasserschäden am Auto durch die Teil- oder Vollkaskoversicherung abgedeckt. Allerdings gilt das nur dann, wenn für den Auto-Stellplatz keine Hochwasserwarnung vorlag. Die eigene Garage kann unter Umständen also auch ein ungeeigneter Ort sein. Um die Bergungs- und Abschleppkosten erstattet zu bekommen, ist außerdem ein spezieller Schutzbrief nötig.

Gibt es Anspruch auf Regulierung, wird bei einem Totalschaden der Wiederbeschaffungswert ersetzt. Für den sind unter anderem Alter, Laufleistung und Ausstattung eines Autos maßgeblich. Den Schadenfreiheitsrabatt berührt ein Hochwasserfall nicht, erläutert Katrin Rüter de Escobar vom Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Den Schadensfall geltend zu machen, zieht folglich keine Beitragserhöhung nach sich.

Ist eine Elementarschadenversicherung sinnvoll?

Nach Angaben des GDV stieg die Anzahl der Hausbesitzer, die sich gegen Elementargefahren versichert haben, mittlerweile auf 40 Prozent. Das bedeutet allerdings auch, dass knapp elf Millionen der rund 17,5 Millionen Wohngebäude noch nicht ausreichend versichert sind.

Nach Angaben der Verbraucherzentrale Sachsen in Leipzig ist eine Elementarschadenversicherung für Eigentümer wichtig. Allerdings kann dieser Schutz im Einzelfall teuer werden. Denn die Versicherer haben bestimmte Risikogebiete definiert. Bei der Suche nach Elementarschadenversicherungen sollten Versicherte nicht nur auf den Preis achten. Auch die Formulierungen der Versicherungsbedingungen können wichtig sein. Muss etwa laut AGB der Grund und Boden überflutet sein, verneinen Gerichte mitunter die Regulierung, wenn Wassermassen auf Flachdächern oder Terrassen angestaut wurden.

KOMMENTARE (2)

Scharfes S

An der Mosel oder dem Rhein bekommt man so eine Versicherung ganz selten..

Nicht zu schnell aufräumen ! : Wenn man den Dreck länger liegen Lässt , stinkt dieser doch zum Himmel. Wie lange muss ich warten? Reichen den keine Fotoaufnahmen ?

Ich hatte mal einen Wasserschaden wegen defekten Heizungsüberlauf, habe es der Versicherung gemeldet.

Habe den nassen und verdreckten Teppichboden dann entsorg! Nach 3 Wochen wollte die Versicherung den alten Teppichboden sehen !

Dann ging das Gezackere los !

(Bei der Schades-Meldung hatte ich Zusage, dass der alte Boden weg kann . Habe leider den Namen des Sachbearbeiters vergessen .)

War auch kein Versicherungsbetrug, da Feuerwehr da war und den Schaden aufgenommen hatte!

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Hochwasser – Auch in der höchsten Risikozone ist Versicherungsschutz möglich

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) teilte mit, dass den Menschen in besonders gefährdeten Überschwemmungszonen kein Versicherungsschutz angeboten würde. Eine Umfrage der Verbraucherzentrale Sachsen unter 40 Versicherern habe gezeigt, dass kein Angebot gemacht worden oder Versicherungsschutz gegen Hochwasser ausgeklammert worden wäre.

„Problematisch ist, dass nicht alle Betroffenen eine Versicherung für Überschwemmungsschäden haben. Wie sich bei einer Anfrage der Verbraucherzentrale Sachsen an 40 Versicherer zeigte, boten die Anbieter keinen Schutz, wenn sich das Haus in einer hochgefährdeten Überschwemmungszone befand.“

Die vzbv nimmt Bezug auf eine Umfrage der Verbraucherzentrale Sachsen von 2010. Die Schlussfolgerung der Verbraucherschützer, es gäbe keine Angebote, ist aus den Umfrageergebnissen nicht ableitbar: Diese zeigen vielmehr, dass auch in hochgefährdeten Überschwemmungszonen (ZÜRS Zone 4) Versicherungsschutz angeboten wurde.

Auch in der höchsten Risikozone, der sogenannten Gefahrenklasse 4, sind Gebäude versichert.

Beispiel: In den stark vom aktuellen Hochwasser betroffenen Orten Grimma und Döbeln war 2011 fast jedes zweite Gebäude innerhalb der Hochrisikozone 4 gegen Hochwasser versichert (in Grimma 46 Prozent und in Döbeln 47 Prozent). Im Bundesvergleich sind das überdurchschnittlich viele versicherte Gebäude. Auch in Deggendorf sind 32 Prozent der Häuser innerhalb dieser Hochrisikozone versichert – mehr als im bayerischen Durchschnitt.

Insgesamt können Versicherer 99 Prozent der Gebäude unproblematisch versichern. Und auch für das verbleibende Prozent lässt sich mit Selbstbehalten oder baulichen Präventionsmaßnahmen überwiegend Versicherungsschutz anbieten. Einige Unternehmen haben für die Hochrisikozone eigene Expertenteams, die sich ausschließlich um Versicherungslösungen potentieller Kunden in exponierten Gebieten kümmern.

Eine Auswertung von Finanztest (Ausgabe 8/2011) zeigt, dass es ein breites Angebot an Versicherungsschutz gibt, auch für exponierte Lagen.

Über die Versicherbarkeit von Gebäuden entscheidet maßgeblich die Lage und Bauausführung. Individuelle Prävention und staatlicher Hochwasserschutz wie Deiche und Dämme wirken sich positiv aus. Fakt ist aber auch, dass es auch unversicherbare Gebäude geben wird, weil keine wirtschaftlich sinnvolle Versicherungslösung angeboten werden kann.

Tel.: 030/ 2020 – 5111

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Elementarschadenversicherung

Gut versichert gegen Naturgefahren

  • Zuletzt aktualisiert: 30. August 2017
  • Von: Silke Kursawe

Sintflutartiger Regen und Sturm – extreme Unwetter kommen häufiger vor und können zu verheerenden Folgen führen: Keller laufen voll, Dächer sind abgedeckt. Gut zu wissen, dass es dafür Versicherungsschutz gibt, und zwar als Elementarschadenversicherung im Rahmen der Wohngebäude- oder Hausratversicherung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Es gibt keine Pflicht, eine Elementarschadenversicherung abzuschließen. Wir empfehlen sie aber in bestimmten Fällen.
  • Wohnen Sie in einem Gebiet, in dem es öfter zu Überschwemmungen, Erdbeben, Lawinen, Erdrutschen oder Erdsenkungen kommt, sollten Sie eine Police abschließen. So stehen Sie im Schadenfall nicht mit leeren Händen da.
  • Sie brauchen diesen Schutz nicht, wenn Ihrem Hausrat oder Ihrem Wohngebäude keine Gefahr von solchen Naturgewalten droht – egal, ob Sie Mieter oder Eigentümer sind.
  • Die Versicherung funktioniert als Zusatzbaustein zur Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung. Sie heißt künftig Naturgefahrenversicherung.

So gehen Sie vor

  • Brauchen Sie den Versicherungsschutz, dann gehen Sie zu Ihrem Versicherer für Hausrat oder Wohngebäude und erweitern den Vertrag.
  • Falls Sie dort keinen Schutz finden: Versuchen Sie es bei einem öffentlich-rechtlichen Versicherer. Hilft auch das nicht, fragen Sie bei ausländischen Versicherern nach. Diese Unternehmen wollen wachsen und schätzen Risiken oft anders ein.
  • Schon versichert? Dann überlegen Sie, ob das wirklich notwendig ist. Wenn ja, prüfen Sie, wie aktuell der Vertrag ist.
  • Sparen Sie nicht am falschen Ende: Die Versicherungssumme muss auch für einen Neubau passen und die Beträge, um Schäden zu beseitigen, sollten nicht zu knapp bemessen sein.

Unser Tipp: Bleiben Sie zum Thema Wohngebäudeversicherungen immer auf dem Laufenden – mit unserem kostenlosen Newsletter!

Wovor schützt mich eine Elementarschadenversicherung?

Die Versicherung an sich kann nicht verhindern, dass die Naturgewalten wie Überschwemmungen, Erdbeben, Lawinen, Erdrutsche oder Erdsenkungen Ihren Hausrat oder Ihr Haus zerstören oder beschädigen. Sie trägt aber sowohl die Kosten zur Feststellung des Schadens als auch die Kosten der Wiederherstellung. Damit gemeint sind die Ausgaben für das Aufräumen oder den Abbruch beziehungsweise die Reparatur- oder Renovierungskosten. Im schlimmsten Fall kommt die Versicherung auch für den Neubau oder die Neuanschaffung auf.

Die Versicherung gilt übrigens auch für Ihr Ferienhaus, wenn es überwiegend zu Wohnzwecken genutzt wird. Dazu müssen Sie es aber in der Wohngebäudeversicherung auch angeben und sicherstellen, dass Sie Ihre vertraglichen Pflichten erfüllen.

Ausgeschlossen vom Versicherungsumfang sind Vorsatz, Sturmflut und Grundwasser, das unterirdisch ins Gebäude eindringt. Wenn sich allerdings das Grundwasser mit Oberflächenwasser vermischt und diese Wassermassen dann gemeinsam Ihren Keller fluten, ist der Schaden im Zweifelsfall versichert. Grundsätzlich gilt: Machen Sie es dem Wetter nicht zu einfach, zu Ihnen ins Haus zu kommen. Halten Sie Fenster und Türen ordnungsgemäß geschlossen.

Brauche ich eine Elementarschadenversicherung?

Es kommt darauf an, wo und wie Sie wohnen. Es gibt keine Versicherungspflicht, das heißt, jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er sich gegen Elementarschäden versichert.

Wenn Sie wissen möchten, ob Sie in einem gefährdeten Gebiet wohnen, nutzen Sie den Kompass Naturgefahren des Versicherungsverbandes GDV. Dort können Sie über Ihre vollständige Adresse ermitteln, wie groß die Gefahr für Ihr Haus oder Ihre Wohnung ist. Die Daten liegen nicht für alle Regionen vollständig vor. Sie erfahren dort aber auch, an wen Sie sich für weitere Auskünfte wenden können.

Für den ersten Eindruck reicht auch ein gutes Gedächtnis über das Wetter der vergangenen fünf bis zehn Jahre. Sollten Sie erst in die Gegend zugezogen sein, sprechen Sie dazu mit Ihren Nachbarn.

Sie brauchen ganz sicher eine Elementarschadenversicherung

Wohnen Sie inmitten einer gefährdeten Region, ist ein Schaden durch Unwetter und Co. sehr wahrscheinlich und die Versicherung ratsam. Die Elementarschadenversicherung umfasst folgende Naturgefahren: Starkregen oder Hochwasser führen oft zu Überschwemmungen. Dringen diese Wassermassen in die Ableitungsrohre am oder im Gebäude ein und fluten über die Toilette oder das Waschbecken Ihr Bad oder Ihre Küche, spricht man von Rückstau.

Weit weniger akut bedrohlich ist das Erdbeben, selbst die Vulkaneifel ist vergleichsweise unauffällig. Aber auch Vulkanausbrüche sind mitversichert. Erdsenkungen und Erdrutsche kommen oft dort vor, wo im Tage- oder Untertagebau gefördert wird oder wenn diese Gegenden danach wiederbelebt werden. Lawinen sind meist von Berghängen gelöste Schneemassen, die zum Tal gleiten oder stürzen. Unter Schneedruck brach 2006 die Eissporthalle in Bad Reichenhall zusammen.

Sie brauchen vielleicht eine Elementarschadenversicherung

Wohnen Sie in der Nähe solcher gefährdeten Gebiete, müssen Sie abwägen, ob Sie sich versichern wollen. Tun Sie es, wenn Sie sich damit besser fühlen. Es kann ja durchaus sein, dass Sie mal für einen längeren Zeitraum Ihren Biedermeierschrank im Keller zwischenlagern müssen oder Sie den Keller vorübergehend zum Wohnraum umfunktionieren.

Sie brauchen ganz sicher keine Elementarschadenversicherung

Sie müssen nicht unbedingt ganz unter dem Dach wohnen, auch Lagen im zweiten oder dritten Obergeschoss sind ungefährdet von Hochwasser. Wenn Sie darüber hinaus keinen Keller haben oder in diesem nichts lagern, auf das Sie nicht verzichten können, trifft Sie ein vollgelaufener Keller womöglich gar nicht.

Prüfen Sie aber genau die Lage und Bauweise von Terrasse oder Balkon und wieviel Wasser sich dort ansammeln könnte. Die Formel Breite mal Höhe mal Tiefe in Metern ergibt die Kubikmeterzahl, also das Volumen. Ein Kubikmeter fasst 1.000 Liter. Nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Karlsruhe sind 70 Liter Regenwasser, die sich in einem Lichtschacht angesammelt haben, nicht genug, um von einer Überschwemmung sprechen zu können (Urteil vom 20. September 2011, Az 12 U 92/11).

Falls in Ihren Überlegungen jetzt nur noch Ihr Fahrrad den Naturgefahren schutzlos ausgeliefert ist, etwa, weil es in einem Keller steht, der überflutet werden könnte, überlegen Sie, ob dann nicht eine Fahrradversicherung für Sie sinnvoll ist.

Worauf muss ich beim Abschluss achten?

Gegen die Folgen von Naturgefahren können Sie sich nur über einen Zusatz zu Ihrer Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung schützen. Die Elementarschadenversicherung erhalten Sie nicht einzeln; es ist auch nicht möglich, sich nur gegen einzelne Naturgefahren zu versichern.

Die Versicherer haben konkrete Vorstellungen, unter welchen Bedingungen sie Ihnen Versicherungsschutz gewähren. Dazu gehören beispielsweise Rückstauklappen in Ihrem Gebäude. Diese müssen regelmäßig gewartet werden, helfen aber nicht bei Wassereinbruch über Fenster, Türen und Lichtschächte.

Beantworten Sie die Fragen des Versicherers zur Einschätzung des Risikos gewissenhaft und wahrheitsgemäß. Nehmen Sie sich dafür Zeit und antworten Sie lieber zu ausführlich als zu lückenhaft.

Außerdem spielen Selbstbeteiligungen, Wartezeiten und Höchstentschädigungsgrenzen beim Vertragsabschluss eine Rolle. Überlegen Sie vorher, was Ihnen wichtiger ist: eine geringere Prämie über die Vertragslaufzeit oder mehr Leistung im Schadenfall.

Mit sogenannten Obliegenheiten fordert der Versicherer Sie im Vertrag zu einem bestimmten Verhalten auf. Er schreibt vor, was Sie zu tun oder zu unterlassen haben, um den Versicherungsschutz nicht zu verlieren. Verstoßen Sie schuldhaft gegen diese Vorgaben und ist das entscheidend für den Versicherungsfall, haben Sie keinen Anspruch auf Entschädigung. Und das gilt auch, wenn es nicht so ausdrücklich in den Bedingungen zu finden ist. Es steht dafür im Versicherungsvertragsgesetz (VVG) in Paragraf 28 Absatz 3.

Wo bekomme ich die Elementarschadenversicherung?

Erste Anlaufstelle ist der Versicherer, bei dem Sie bislang Ihre Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung haben. Meistens ist eine solche Erweiterung kein Problem, schon gar nicht, wenn Sie bislang keinen Schaden gemeldet haben.

Lehnt Ihr Versicherer den Zusatz ab, müssen Sie sich einen neuen Versicherer suchen. Der alte Versicherer muss Sie gegebenenfalls vorzeitig aus dem Vertrag lassen, weil Sie ja den Zusatzbaustein nicht einzeln woanders abschließen können. Sie dürfen nicht der Leidtragende sein, der entweder zwei Verträge bezahlt oder keinen Versicherungsschutz hat.

Fragen Sie zunächst bei einem öffentlich-rechtlichen Versicherer an. Die Mitglieder im Verband der öffentlichen Versicherer sind stärker dem Gemeinwohl als den Interessen der Anteilseigner verpflichtet. Die für Ihre Region zuständige Gesellschaft finden Sie auf der Website des Verbandes.

Auch bieten ausländische Versicherer sehr oft Versicherungsschutz für etwas höhere Risiken an. Diese Unternehmen wollen wachsen und schätzen Risiken oft anders ein. Ausländische Anbieter haben oft eigene Niederlassungen oder Tochterfirmen in Deutschland.

Wenn Sie Ihre Hausratversicherung um Naturgefahren ergänzen

Prüfen Sie, ob die Versicherungssumme auch für Dinge auf dem Dachboden und im Keller reicht. Denken Sie auch an die Garage in Wohnortnähe, falls dort Hausrat lagert.

Spätestens jetzt sollten Sie eine Unterversicherung im Vertrag beseitigen, damit Sie im Schadenfall wirklich alle Schäden in voller Höhe ersetzt bekommen. Das ist problemlos, wenn Sie die Versicherungssumme über einen Pauschalbetrag je Quadratmeter Wohnfläche festgelegen. Runden Sie den Betrag am besten noch großzügig auf.

Die Hausratversicherung beinhaltet schon jede Menge Kostenpositionen, die auch für den Schadenfall durch Naturgefahren gelten. Achten Sie bei der Fülle der angebotenen Kosten auf Sinn und vor allem angemessene Beträge; behalten Sie im Vertrag nur, was Sie wirklich brauchen.

Ist für die Elementarschadenversicherung eine Selbstbeteiligung vorgesehen, probieren Sie bei den Angeboten ein paar Varianten mit verschiedenen Höhen durch und entscheiden Sie anhand der Prämie, was Ihnen am besten passt. Um den Betrag der Selbstbeteiligung kürzt der Versicherer die Auszahlung an Sie im Schadenfall.

Mehr dazu im Ratgeber Hausratversicherung

Annika Krempel

Expertin für Versicherungen

Schützen Sie Ihr Hab und Gut

  • Nutzen Sie Vergleichsportale im Internet.
  • Die Versicherung deckt Schäden u.a. durch Feuer, Leitungswasser oder Einbruch ab.
  • Versichern Sie sich auch gegen grobe Fahrlässigkeit und Rauch- und Rußschäden.

Von uns empfohlene Portale:

  • Mr-Money
  • finanzen.de
  • Finanzprofit
  • ohne Elementarschäden: Comfortplan

Wenn Sie Ihre Wohngebäudeversicherung um Naturgefahren ergänzen

Prüfen Sie auch in diesem Fall, ob die Versicherungssumme des Vertrages noch passt. Vielleicht haben Sie Ihr Haus umgebaut und dadurch den Wert der Immobilie verändert, was Sie noch berücksichtigen wollen. An der Versicherungssumme bemisst sich die Prämie der Wohngebäudeversicherung.

Im Schadenfall stellt der Versicherer dieser Versicherungssumme den Versicherungswert gegenüber. Liegt der tatsächliche Wert Ihres Gebäudes über der Versicherungssumme, sind Sie unterversichert, und der Versicherer kürzt in diesem Verhältnis die Zahlungen. Dem können Sie vorbeugen, indem Sie die Versicherungssumme ausreichend hoch ansetzen. Um die Summe zu ermitteln, können Sie den Wert im Jahr 1914 oder das sogenannte Wohnflächenmodell verwenden oder ein Sachverständigen-Gutachten anfertigen lassen.

Stellen Sie außerdem sicher, dass Sie den „gleitenden Neuwert“ als Versicherungswert im Vertrag festgelegt haben. Im Gegensatz zum normalen Neuwert bleibt dieser Wert nicht hinter der Entwicklung der Baukosten zurück, die sich in den vergangenen Jahren stetig erhöht haben.

Auch bei der Erweiterung der Wohngebäudeversicherung um die Elementarschadenversicherung ist in der Regel eine Selbstbeteiligung vorgesehen. Diese müssen Sie im Schadenfall selbst bezahlen können und wollen. Probieren Sie bei den Angeboten ein paar Varianten durch und entscheiden Sie anhand Prämie und Selbstbeteiligung, was Ihnen am besten passt.

Worauf muss ich achten, wenn ich einen Schaden habe?

Retten Sie, was zu retten ist, wenn ein Schaden eingetreten ist. Bringen Sie sich aber dabei selbst nicht in Gefahr. Melden Sie den Schaden so schnell wie möglich der Versicherung. Fragen Sie, was Sie bereits machen können, um den Schaden zu beseitigen und was Sie wie aufheben sollen, um den Schaden zu dokumentieren. Bei Überschwemmung räumen Sie den Keller und trocknen Sie Inhalt und Räume, so gut es Ihnen möglich ist. Die Feuerwehr rückt nicht in jedem Fall an. Es ist aber wichtig, die Feuchtigkeit aus den Wänden zu ziehen, sonst werden die Schäden am Mauerwerk noch größer.

Fragen Sie die Versicherung, welche weiteren Maßnahmen nun anstehen und wie Sie dabei behilflich sein können. Im Baumarkt gibt es Nasssauger oder Entfeuchter fürs Erste. Erkundigen Sie sich nach Abschlagzahlungen und was Sie dafür machen müssen. Planen Sie Zeit ein, dass ein Sachverständiger oder Schadenregulierer zu Ihnen kommen kann.

Die Versicherung zahlt die Kosten, um den Schaden in seinem Ausmaß überhaupt feststellen zu können. Sie ist außerdem verpflichtet, Ihnen die Kosten zu erstatten, die Sie aufgewendet haben, um den Schaden nicht größer zu machen. Vielleicht haben Sie, um den Wasserlauf zu unterbinden, nicht nur Handtücher, sondern auch eine edle Wolldecke gegriffen. Oder Ihre rahmengenähten Schuhe sind hin, weil Sie in den Keller stürzten, um dort gelagerte Technik zu retten.

Wie bei jeder Versicherung müssen Sie als Versicherungsnehmer den Schadenfall beweisen. Das ist im Falle von Unwetter nahezu problemlos möglich; die Wetteraufzeichnungen sind verlässlich. Sie müssen die Kosten der Anfrage beim Wetterdienst tragen, falls die Anfrage überhaupt nötig ist.

Heben Sie alles auf, woraus sich die Versicherung ein Bild über den Schaden und seinen Hergang machen kann. Rufen Sie lieber einmal zu viel bei der Versicherung an als einmal zu wenig. Sie sind zu Anzeige und Aufklärung des Schadens verpflichtet und riskieren Ihren Versicherungsschutz, wenn Sie dem nicht nachkommen.

Als Schadenversicherung zahlen sowohl Wohngebäude- als auch Hausratversicherung nur den konkret entstandenen Schaden, besser gesagt, die Kosten zur Wiederherstellung oder Wiederbeschaffung. Auch jetzt kommt es wieder darauf an, welchen Versicherungswert Sie im Vertrag gewählt haben. Haben Sie nur den Zeitwert versichert, erhalten Sie nur die Kosten, den Zustand unmittelbar vor Schadeneintritt wiederherzustellen.

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Artikel verfasst von

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Silke Kursawe ist bei Finanztip Expertin für Versicherungen. Sie ist Versicherungsbetriebswirtin und hat einen Master im Versicherungsrecht. Silke verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Branche und im Bereich der Sach- und Haftpflichtversicherungen. Außerdem absolvierte sie erfolgreich ein Studium der Wirtschaftspädagogik in Göttingen.

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Annika Krempel ist Redakteurin im Team Versicherung und Vorsorge. Nach ihrem Diplom in Politikwissenschaften absolvierte sie ein Volontariat für Wirtschafts- und Verbraucherjournalisten. Sie sammelte unter anderem Erfahrungen in den Redaktionen von ZDF WISO, RBB Inforadio sowie der Stiftung Warentest. Die verbraucherpolitische Arbeit lernte sie beim Verbraucherzentrale Bundesverband kennen.

Источники: http://www.t-online.de/heim-garten/bauen/id_42490464/hochwasser-diese-versicherungen-zahlen-fuer-gebaeude-und-hausrat.html, http://www.gdv.de/2013/06/hochwasser-auch-in-der-hoechsten-risikozone-ist-versicherungsschutz-moeglich/, http://www.finanztip.de/wohngebaeudeversicherungen/elementarschaedenversicherung/

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