Versicherung beitragsfrei

0
142

Lebensversicherung

Versicherung beitragsfrei stellen – und welche Alternativen es gibt

  • Zuletzt aktualisiert: 26. Mai 2017
  • Von: Annika Krempel

Das Wichtigste in Kürze

  • Wer seine Beiträge zur Lebens- oder Rentenversicherung nicht mehr zahlen kann oder möchte, hat mehrere Möglichkeiten.
  • Wollen Sie nur vorübergehend aussetzen, empfiehlt es sich, die Beiträge stunden zu lassen oder sie aus Überschüssen zu bezahlen.
  • Wer die Police überhaupt nicht weiter bezahlen möchte, sollte sie beitragsfrei stellen oder verkaufen, nur in Ausnahmen lohnt sich die Kündigung.
  • Die Beitragsfreistellung kann auch sinnvoll sein, wenn Sie noch nicht wissen, für wie lange Sie die Beiträge aussetzen müssen oder wollen.
  • Sollen die Beiträge sinken, können Sie die Versicherungssumme senken.
  • Es lohnt sich in vielen Fällen nicht, die Sparbeiträge einfach nur auszusetzen.

So gehen Sie vor

  • Wer nur vorübergehend keine Beiträge bezahlen möchte, sollte überlegen, wie lang dies voraussichtlich der Fall sein wird.
  • Prüfen Sie, welche der Möglichkeiten für Sie am besten passt: eine Stundung, das Bezahlen der Beiträge aus Überschüssen oder ein Aussetzen der Beiträge.
  • Prüfen Sie auch, ob sich die Prämien verringern lassen.
  • Kontaktieren Sie Ihren Versicherer und klären Sie, zu welchen Bedingungen Sie die Beiträge aussetzen können.
  • Stellen Sie sicher, dass sich Ihr Vertrag nicht steuerschädlich erneuert, wenn Sie die Beiträge zeitweise nicht mehr zahlen.
  • Falls Sie nicht mehr in die Police einzahlen wollen, sollten Sie abwägen, ob es günstiger ist, den Vertrag zu verkaufen oder beitragsfrei zu stellen.

Unser Tipp: Bleiben Sie zum Thema Lebensversicherung beleihen immer auf dem Laufenden – mit unserem kostenlosen Newsletter!

Der verstaubte Ordner mit der Police steht schon lange unangetastet hinten im Schrank. Die Beiträge zur Lebens- oder Rentenversicherung gehen seit Jahren regelmäßig, aber nahezu unbemerkt vom Konto ab. Der Ordner wird erst wieder hervorgeholt, wenn das Geld knapp ist oder arge Zweifel aufkommen, ob sich die Versicherung überhaupt lohnt.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Police stillzulegen – entweder endgültig oder nur zeitweise. Diese Möglichkeit nutzen viele Versicherte. Ende 2015 war nach Angaben des Branchendienstes Map-Report mehr als jede vierte Lebensversicherung beitragsfrei gestellt. Auch die Höhe der Beiträge lässt sich senken, um finanziell wieder etwas flüssiger zu sein. So viel aber vorab: Keine der Möglichkeiten können wir uneingeschränkt empfehlen. Welche die beste für Sie ist, hängt ganz von Ihren persönlichen Voraussetzungen ab.

Beitragszahlungen vorübergehend aussetzen

Haben Sie aktuell einen Geld-Engpass, dessen Ende aber sicher absehbar ist? Dann ist das Aussetzen der Lebensversicherungsbeiträge eine einfache Möglichkeit, die monatlichen Ausgaben zu senken. Es gibt verschiedene Optionen. Bei allen sollten Sie vorab mit der Versicherung klären, zu welchen Konditionen diese möglich sind.

Der Vorteil ist, dass während dieser Zeit die Versicherung aktiv bleibt. Der Unfallschutz im Todesfall oder der Schutz anderer Zusatzversicherungen wie einer Berufsunfähigkeitsversicherung bleibt also bestehen. Außerdem verzinst sich das bis dahin eingezahlte Geld weiter, und die Versicherungssumme fällt dadurch später bei der Auszahlung nicht geringer aus.

Die Stundung der Beiträge ist sinnvoll, wenn die finanzielle Ebbe wirklich nur vorübergehend ist. Sie müssen sicherstellen, dass Sie am Ende der Frist alle Beiträge auf einen Schlag nachzahlen können. Erkundigen Sie sich vorher bei Ihrem Anbieter, für wie lange Sie die Beiträge stunden lassen können und ob Sie die gestundeten Beträge verzinsen müssen. Manche Anbieter verzichten darauf, diese zu verzinsen, insbesondere wenn Sie sie wegen Arbeitslosigkeit haben stunden lassen.

Klären Sie mit Ihrem Anbieter:

  • Wie lange können Sie stunden?
  • Müssen Sie die gestundeten Beträge verzinsen?
  • Wie hoch ist der Rückzahlungsbetrag zum Ende des Stundungszeitraums?

Beiträge aus Überschüssen bezahlen

Achtung: In diesem Fall kann die Auszahlung zum Vertragsende, die sogenannte Ablaufleistung, deutlich geringer als vorhergesagt ausfallen, da die Überschüsse bereits für Beitragszahlungen verwendet wurden.

Klären Sie mit Ihrer Versicherung:

  • Wie lange können die Beiträge aus den Überschüssen bezahlt werden?
  • Wie stark reduziert sich die Ablaufleistung voraussichtlich?

Falsche Ablaufsumme?

Falls Sie Ihre Versicherung zwischen Ende 1994 und Ende 2007 abgeschlossen haben, könnte Ihre beitragsfreie Summe zu niedrig ausgewiesen sein. Denn in solchen Versicherungsverträgen finden sich zum Teil intransparente und unwirksame Klauseln zur Berechnung der Summe. So ist ein Stornoabzug zum Beispiel nicht zulässig. Sofern sie bereits eine bestimmte Höhe erreicht hat – zum Beispiel 20.000 Euro –, kann es sinnvoll sein, den Vertrag von einem Fachanwalt prüfen zu lassen. Wer sich den Anwalt sparen möchte, kann auch den Musterbrief des Bundes der Versicherten verwenden. Sie finden ihn hier im Abschnitt 6.

Police beitragsfrei stellen

Durch das Stilllegen verringert sich auch das Kapital in der Lebensversicherung selbst. Fließt weniger Geld in den Vertrag, sinkt die Ablaufleistung, am Ende des Vertrags zahlt die Versicherung also weniger Geld aus. Auch die Auszahlung im Todesfall fällt niedriger aus, weil weniger dafür angespart wurde. Zusätzlich fallen in der Zeit weiterhin Verwaltungskosten an, die das Vermögen schmälern. Bei einer Fondspolice nagt das zum Beispiel am Fondsvermögen.

Wer seine Lebensversicherung nur kurzfristig stilllegen möchte, ist auf die Kulanz des Anbieters angewiesen. Die meisten Versicherer bieten an, den Vertrag ein oder zwei Jahre beitragsfrei zu stellen. Oft fordert der Anbieter eine gewisse Mindestversicherungssumme, die Sie für diese Option bereits angespart haben müssen.

Fragen Sie Ihre Versicherung:

  • Ist die Mindestversicherungssumme erreicht?
  • Für wie lange ist eine zeitweise Freistellung möglich?
  • Entfallen die Leistungen aus den Zusatzversicherungen? Wie können Sie diese trotzdem erhalten?
  • Wie stark reduzieren sich die Versicherungssumme und Ablaufleistung voraussichtlich?
  • Lässt sich der Vertrag ohne neue Risikoprüfung fortführen?

Vorsicht: Falls Sie den Vertrag ohne Rücksprache stilllegen, die Mindestversicherungssumme aber noch nicht erreicht ist, dann kann die Versicherung die Police aufkündigen.

Den monatlichen Beitrag senken

Wenn Sie Ihre Beiträge nur reduzieren möchten, statt sie komplett auszusetzen, haben Sie folgende Optionen:

Klären Sie mit Ihrem Anbieter:

  • Wie stark müssen Sie die Versicherungssumme senken, um die gewünschte Beitragsreduzierung zu erreichen?
  • Wie wirkt sich das auf die Ablaufleistung aus?

Achtung: Bevor Sie sich für diesen Weg entscheiden, sollten Sie prüfen, ob eine separate Risikolebensversicherung als Todesfallschutz preiswerter wäre. Einige Direktversicherer haben dafür preiswerte Angebote. In diesem Fall verkaufen Sie Ihre Police und schließen eine separate Risikolebensversicherung ab.

Wenn Sie also weniger Schutz für Ihre Hinterbliebenen akzeptieren können, ist die Senkung der Versicherungssumme die beste Lösung, um Ihre Beiträge zu reduzieren. Wenn das nicht infrage kommt, empfehlen wir, die Sparbeiträge auszusetzen oder Ihre Police durch eine Risikolebensversicherung zu ersetzen.

Fragen Sie die Versicherung:

  • Wie hoch ist der reine Risikobeitrag Ihrer Police?
  • Ist die Aussetzung der Sparbeiträge zeitlich begrenzt?
  • Wie stark verringert sich die Ablaufleistung abhängig davon, wie lange Sie aussetzen?

Unser Tipp: Bleiben Sie zum Thema Lebensversicherung beleihen immer auf dem Laufenden – mit unserem kostenlosen Newsletter!

Mehr dazu im Ratgeber Risikolebensversicherung

Annika Krempel

Expertin für Versicherungen

Sichert Hinterbliebene im Todesfall ab

  • Empfehlenswert bei Allein- oder Hauptverdienern.
  • Ein Muss bei Immobilienkrediten.
  • Die Summe richtet sich nach der individuellen Situation.

Unsere Anbieter-Empfehlung aus dem Finanztip Ratgeber:

  • Sind Sie gesund und im Beruf nicht körperlich tätig: Europa und Cosmosdirekt
  • Sind Sie gesund und im Beruf körperlich tätig: Hannoversche und Cosmosdirekt

Beitragsfrei bis Laufzeitende

Durch das Blättern im Aktenordner wird Versicherungskunden manchmal auch klar, dass sie in ihre Lebensversicherung oder Rentenversicherung gar nicht mehr einzahlen möchten. Dann gibt es drei Möglichkeiten: die Police verkaufen, kündigen oder sie beitragsfrei stellen.

Ist der Vertrag recht neu und schlecht verzinst, lohnt sich in manchen Fällen eine Küdigung. Je länger er schon läuft, desto mehr bietet sich der Verkauf an; es sei denn, der Vertrag steht kurz vor dem Ende der Laufzeit – dann sollten Sie meist noch durchhalten, um sich den Schlussüberschuss zu sichern. Bei älteren Verträgen, die gut verzinst werden, ist es meist sinnvoll, die Police zu behalten. Das angesparte Vermögen wird weiterhin verzinst. Prüfen Sie mit unserem Rechner, welche Variante sich bei Ihrer Police lohnt.

Jeder Versicherte hat ein Recht darauf, seinen Vertrag beitragsfrei zu stellen. Doch bei den meisten Anbietern ist ein bestimmter Rückkaufswert nötig, damit sie einer Beitragsfreistellung zustimmen. Die genaue Höhe steht im Vertrag. Ist die Summe noch zu niedrig, kann es passieren, dass die Versicherung die Police stattdessen auflöst.

In der Jahresmitteilung der Police steht, wie hoch die Versicherungssumme ausfällt, wenn Sie den Vertrag beitragsfrei bis zum Ablauf fortführen. Diese Summe und die Ablaufleistung sind durch die fehlenden Beiträge und einen Stornoabschlag niedriger als bei der voll bezahlten Lebensversicherung. Das Minus kann dabei etwas höher ausfallen als die Summe der fehlenden Beiträge und Zinsen. Denn manche Versicherer ziehen einen Teil der bisherigen Verwaltungskosten weiterhin von Ihrem Guthaben ab. Bei fondsgebundenen Lebensversicherungen kann sich dadurch das Fondsguthaben verringern.

Zahlen Sie die Beiträge nicht mehr, fallen auch Zusatzversicherungen weg, die Sie mit dem Vertrag abgeschlossen haben. Oft sind dies Berufsunfähigkeitsversicherungen. Ein neuer Vertrag wäre aber gerade bei diesen Versicherungen besonders teuer. Daher sollten Sie Ihren Anbieter fragen, ob er bereit ist, diese Zusatzversicherung in einen eigenen Vertrag zu überführen.

Klären Sie mit Ihrem Anbieter folgende Fragen und überlegen Sie dann, ob möglicherweise ein Verkauf der Police sinnvoll ist:

  • Ist die Mindestversicherungssumme erreicht?
  • Entfallen die Leistungen aus den Zusatzversicherungen? Wie können Sie diese weiterführen?
  • Wie stark reduzieren sich die Versicherungssumme und Ablaufleistung voraussichtlich?

Falls Sie eine Lebensversicherung abgeschlossen haben

Annika Krempel

Expertin für Versicherungen

Alternativen zur Kündigung einer LV

  • mit unserem Excel-Rechner Rendite bestimmen
  • bei langfristigem Geldbedarf Versicherung verkaufen
  • bei kurzfristigem Geldbedarf Police beleihen

Unsere Anbieter-Empfehlung aus dem Finanztip Ratgeber:

  • für Verkauf Cashlife, Policen Direkt, Partner in Life und Cumerius
  • für Beleihung LV-Kredit, SWK Bank

Novation und Steuervorteile

Sie müssen mit Ihrem Versicherer außerdem klären, ob das Aussetzen oder Reduzieren der Beiträge zu einer sogenannten Novation des Vertrags führt. Das bedeutet, dass Ihr bisheriger Versicherungsvertrag durch eine neue Police ersetzt wird. In diesem Fall könnten Sie die Steuervorteile aus der bisherigen Lebensversicherung verlieren. Falls eine Novation unvermeidbar ist, sollten Sie mit Ihrem Steuerberater oder dem Finanzamt klären, ob Sie später Steuern auf die Auszahlsumme zahlen müssten.

Bei Lebensversicherungen, die vor 2005 abgeschlossen wurden, geht der Steuervorteil in der Regel nach einer Frist von zwei Jahren verloren. Versicherungen, die später abgeschlossen wurden, haben eine Frist von drei Jahren. Allerdings ist bei diesen Policen grundsätzlich nur die Hälfte der Erträge steuerfrei. Lassen Sie sich diese als Rente auszahlen, ändert sich nichts an der Besteuerung, auch wenn Sie die Beiträge eine Zeit lang mal nicht bezahlt haben.

Sollen wir Sie

Einmal pro Woche die wichtigsten Verbraucher-Tipps – kostenlos und werbefrei direkt in Ihr Postfach.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung

Bitte bestätigen Sie Ihre E-Mail-Adresse

  1. Schauen Sie gleich in Ihrem Postfach nach.
  2. Öffnen Sie die Mail von Finanztip Newsletter.
  3. Klicken Sie auf den Bestätigungslink.

Schauen Sie bitte auch im Spam-Ordner nach.

Das könnte Sie auch interessieren

Noch mehr sparen mit Finanztip

Weitere Themen

Finanztip Newsletter

  • Jede Woche die besten Tipps
  • Absolut kostenlos
  • 100% werbefrei

Kostenlos anmelden

Artikel verfasst von

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Annika Krempel ist Redakteurin im Team Versicherung und Vorsorge. Nach ihrem Diplom in Politikwissenschaften absolvierte sie ein Volontariat für Wirtschafts- und Verbraucherjournalisten. Sie sammelte unter anderem Erfahrungen in den Redaktionen von ZDF WISO, RBB Inforadio sowie der Stiftung Warentest. Die verbraucherpolitische Arbeit lernte sie beim Verbraucherzentrale Bundesverband kennen.

ehemaliger Finanztip-Redakteur (bis September 2015)

Saidi Sulilatu leitete bei Finanztip den Bereich Versicherungen. Zuvor war er viele Jahre als Honorarberater und Versicherungsmakler tätig. Sulilatu hat am 4. September 2015 Finanztip verlassen.

20.09.2017 Immer mehr Policen beitragsfrei

Kunden legen fast jede dritte Lebensversicherung auf Eis

Von Lutz Reiche

In mehr als jede vierte Lebensversicherung in Deutschland fließt kein Geld mehr. Die Kunden haben sie beitragsfrei gestellt. Ein Vertrauensbeweis in das einst beliebteste Altersvorsorgeprodukt ist das nicht. Selbst namhafte Anbieter bleiben von dem grassierenden Zahlungsstopp nicht verschont.

Immer mehr Menschen in Deutschland stoppen die Überweisung an ihren Lebensversicherer und stellen ihre Police beitragsfrei. Im vergangenen Jahr stieg der Anteil dieser Verträge auf 27,2 Prozent des Gesamtbestands. Mehr als jede vierte Lebensversicherung wird damit nicht mehr bespart.

Seit 2004 steigt der Anteil der beitragsfrei gestellten Policen kontinuierlich, wie die jüngste Analyse des Branchendienstes Map-Report weiter zeigt. Auch wenn die Kunden die Anbieter über die Gründe des Zahlungsstopps in der Regel nicht informieren, ein zentrales Motiv für den massenhaften Rückzug aus dem einst beliebtesten Vorsorgeprodukt liegt auf der Hand: In der anhaltenden Niedrigzinsphase haben die Unternehmen die Verzinsung fortwährend gesenkt. Das Produkt Lebensversicherung wurde damit immer unattraktiver.

Die Branche steuert dagegen, versucht in der Niedrigzinsphase die Lebensversicherung dadurch attraktiver zu machen, in dem sie sich von festen Garantiezusagen verabschiedet und kapitalmarktnahe Produkte wie Fondspolicen propagiert. Damit erhöhen die Kunden ihre Chance auf mehr Rendite, gehen aber auch größere Risiken ein. Der Versicherer selbst muss für Verträge ohne Garantiezusagen weniger Reserven bilden und entlastet damit seine Bilanz.

Auch Qualitätsanbieter wie die Allianz bleiben nicht verschont

Die geringere Akzeptanz des Produkts Lebensversicherung spiegelt sich auch in insgesamt sinkenden Beitragseinnahmen und einem schwächeren Neugeschäft wider. So sanken die Bruttobeiträge laut Map-Report 2016 um weitere 1,4 Prozent auf 86,3 Milliarden Euro. Das Neugeschäft rutschte im Vergleich zum Vorjahr um 0,6 Prozent oder 32.000 weniger verkaufte Policen ab – womit die Branche allerdings die katastrophale Entwicklung von 2015 (minus 7,2 Prozent) nahezu stoppen konnte.

Dabei bleiben nach Prämienaufkommen führende Anbieter keineswegs von der Beitragsfreistellung verschont: Bei der Ergo, Nummer 9 nach Beitragsaufkommen, haben fast 4 von 10 Kunden ihre Lebensversicherung beitragsfrei gestellt (37,34 Prozent der Verträge). Bei der Konzerngröße Generali sind es 32,3 Prozent und bei dem Marktführer und Qualitätsanbieter Allianz immerhin noch rund 30 Prozent der bestehenden Lebensversicherungen, wo die Kunden die Zahlungen eingestellt und die Police beitragsfrei gestellt haben.

Lebensversicherung: Halber Ausstieg

Wolfgang Thöne aus Anröchte zahlte nach sechs Monaten Pause wieder in ­seine alte Lebensversicherung ein.

Versicherte können ihre Lebensversicherung beitragsfrei ­stellen. Dann zahlen sie nicht weiter ein und sparen das Geld oder legen es anders an. Der Zusatzschutz entfällt aber.

Im Oktober 2004 wollte Wolfgang ­Thöne aus Anröchte in Nordrhein-Westfalen seine Finanzen neu ordnen. Dabei stellte er die Zahlung für seine Lebensversicherung bei der Hannoverschen Leben ein. Früher war der Vertrag über seinen Arbeitgeber gelaufen. Das ging nicht mehr, denn ­Thöne war inzwischen als selbst­ständiger Finanzberater tätig. Seither hatte er die Beiträge privat weitergezahlt.

Doch wenig später überlegte sich Thöne die Sache anders. „Ich wollte mir doch lieber steuerfreie Erträge sichern.“ Thöne schrieb der Hannoverschen, er werde ab März 2005 wieder Beiträge zahlen. „Erst antwortete mir mein Versicherer, die ­steuerlichen Folgen seien noch unklar“, schildert der Finanzberater seine Erfahrung.

Der Westfale ließ aber nicht locker. Thöne: „Ich wusste, dass es geht.“ Ein anderer Sachbearbeiter sah das genauso. So machte die Hannoversche mit. Thöne spart jetzt wieder per Lebensversicherung. Die spätere Auszahlung einer Geldsumme ist steuerfrei, weil sein Vertrag vor 2005 begann.

Andrea K. hingegen hat Pech. Im Februar 2004 hatte die Industriekauffrau aus dem bayerischen Deggendorf ihre 1993 begonnene Lebensversicherung bei der Allianz beitragsfrei gestellt, als sie eine Immobilie kaufte. Wegen der Hauskredite wollte sie andere Ausgaben wie die monatlichen 50 Euro für die Versicherung sparen.

Inzwischen hat Andrea K. finanziell wieder mehr Luft. „Da wollte ich wieder in meine Lebensversicherung einzahlen.“

Die Allianz winkte jedoch ab. Das lohne sich für sie nicht. Die Unterbrechung sei so lange gewesen, dass der Wiedereinstieg als Neuabschluss gelte. Andrea K.: „Die Erträge auf neue Beiträge wären damit steuerpflichtig. Da spare ich lieber anders.“

Recht auf Zahlungsstopp

Lebensversicherungskunden haben einen Anspruch darauf, ihren Vertrag jederzeit auch ohne Beiträge fortzuführen. Meis­tens entscheiden sie sich dafür wegen ­Zahlungsschwierigkeiten zum Beispiel bei ­Arbeitslosigkeit.

Mit einer Beitragsfreistellung verändert sich ein Vertrag stark. Die spätere Auszahlung fällt geringer aus, weil weniger eingezahlt wurde als ursprünglich geplant und weil meist Stornoabzüge anfallen. Zusatzversicherungen für Berufsunfähigkeit oder bei Unfalltod fallen weg oder die Leistungen sinken. Bei Tod des Versicherten wäre die neuerrechnete, geringere beitragsfreie Versicherungssumme plus des Überschussguthabens fällig.

Soll ein Vertrag beitragsfrei gestellt werden, muss meist ein Mindestguthaben erreicht sein. Sonst beendet der Versicherer den Vertrag stattdessen von sich aus endgültig und zahlt dem Kunden den Rückkaufswert aus.

Rückkehr auf Kulanz

Wer keine Beiträge mehr zahlt, kann nicht verlangen, dass er irgendwann doch wieder einzahlen kann. Will er später zur Zahlung zurückkehren, muss er auf die Kulanz ­seines Versicherers hoffen.

Die meisten Versicherer erlauben eine Rückkehr zur Zahlung innerhalb eines Jahres. Nichtgezahlte Beiträge können nachentrichtet werden. Ansonsten sinkt die spätere Leistung entsprechend.

Plant ein Kunde, nach einer gewissen Zeit wieder in seinen Vertrag einzuzahlen, muss er rechtzeitig handeln, damit er mögliche Steuervorteile behält. Bei vor 2005 begonnenen Lebensversicherungen darf die Beitragspause höchstens zwei Jahre ­betragen. Dann kann der Versicherte die Erträge auch auf die weiteren Einzahlungen steuerfrei kassieren.

Wurde der Vertrag nach 2005 begonnen, kann er innerhalb von drei Jahren ­unverändert fortgeführt werden. Bei diesen Policen ist die Hälfte der Erträge steuerfrei. Das gilt aber nur, wenn der Kunde bei Ablauf der Lebensversicherung 60 Jahre oder älter ist und der Vertrag mindestens zwölf Jahre bestand.

Wird das angesparte Kapital einmal als Rente ausgezahlt, ändert ein zwischenzeitlicher Zahlungsstopp steuerlich nichts. Hier ist ohnehin nur der vergleichsweise geringe Ertragsanteil der Rente steuerpflichtig. Wie hoch dieser ist, hängt vom Alter des Kunden bei Rentenbeginn ab. Fließt die erste Rente, wenn der Kunde 65 Jahre alt ist, beläuft sich der Ertragsanteil auf 18 Prozent. Von 1 000 Euro Rente ­wären dann 180 Euro steuerpflichtig.

Individuell entscheiden

„Wann es sinnvoll ist, einen Vertrag beitragsfrei zu stellen, kann man nicht pauschal beantworten“, sagt Rüdiger Falken, Versicherungsberater in Hamburg. Eine Entscheidungshilfe bietet unser kostenloser Renditerechner für kapitalbildende Lebensversicherungen ( www.finanztest.de/kapitalleben). Hiermit können Kunden die Rendite für die Restlaufzeit ihres Vertrags selbst berechnen. Für fondsgebundene Versicherungen oder für Verträge, die Teilauszahlungen vorsehen, eignet sich der Rechner nicht.

Auch Berater Falken verwendet ein ­Rechenprogramm, mit dem seine Kunden gegen Honorar herausfinden können, wie viel Zins eine andere Geldanlage bringen muss, damit es sich lohnen könnte, auf weitere Zahlungen zu verzichten. Manchmal, so Falken, sei sogar ein Ausstieg, also eine Vertragskündigung, zu überlegen, bei dem der ausgezahlte Rückkaufswert und die zukünftigen Beitragszahlungen anderweitig angelegt werden.

Nicht selten ist die erreichte Rendite auf das angesparte Kapital bei Beitragsfreistellung höher, als wenn weitergezahlt würde. Dafür sind vor allem wegfallende Kosten für Zusatzschutz bei Berufsunfähigkeit oder im Todesfall verantwortlich.

Doch dieser Schutz fehlt dann natürlich. Berater Falken: „Ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung Bestandteil, ist die Antwort keine rechnerische mehr.“

Wichtigen Schutz sichern

Bevor sie einen Vertrag beitragsfrei stellen, sollten Versicherte alle Leistungen genau prüfen. Vorhandenen Berufsunfähigkeitsschutz, der eine Rente sichert, wenn der Kunde aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten kann, sollte niemand leichtfertig aufgeben. Häufig lässt sich später anderswo kaum Gleichwertiges finden, weil der Kunde inzwischen älter ist oder Krankheitsrisiken gestiegen sind.

Allerdings könnte integrierter Schutz für den Fall einer Berufsunfähigkeit bei einer Beitragsfreistellung auch in eine eigene Versicherung überführt werden. Es lohnt sich, beim Versicherer nachzufragen.

„Bei uns kann der Kunde dann zum Beispiel eine selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherung behalten“, sagt Detlef Schwarzer, Sprecher der Allianz.

Auch die Debeka kommt Kunden in Zahlungsschwierigkeiten entgegen. Wird der kapitalbildende Teil beitragsfrei gestellt, kann eine enthaltene Berufsunfähigkeitsversicherung ein selbstständiger Vertrag werden. Oder der Schutz wird mit einer Risikolebensversicherung kombiniert, aus der beim Tod des Versicherten eine vereinbarte Geldsumme an Angehörige fließt.

„Innerhalb von zwei Jahren kann der Kunde auch zum alten Vertrag zurückkehren“, erklärt ein Debeka-Sprecher. Setzt ­jemand noch länger mit der Zahlung aus, verlangt der Versicherer eine erneute ­Gesundheitsprüfung.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1485 Nutzer finden das hilfreich.

Источники: http://www.finanztip.de/lebensversicherung-beleihen/lv-beitragsfreistellung/, http://m.manager-magazin.de/finanzen/artikel/lebensversicherung-kuendigen-oder-beitragsfrei-stellen-a-1168937.html, http://www.test.de/Lebensversicherung-Halber-Ausstieg-1398054-2398054/

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here