Unfallversicherung was ist das

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Private Unfallversicherung

Eine Unfallversicherung bietet nur eingeschränkten Schutz

  • Zuletzt aktualisiert: 31. August 2017
  • Von: Julia Rieder

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine private Unfallversicherung ist selten sinnvoll. Denn sie zahlt nur, wenn Sie durch den Unfall bleibende Schäden davontragen.
  • Das Risiko einer schweren Behinderung nach einem Unfall ist gering. Viel häufiger sind Behinderungen als Folge einer Krankheit.
  • Für leichte Verletzungen ist eine Unfallversicherung unnötig.
  • Besser geschützt sind Sie mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung (BU), denn die zahlt bei Krankheit und Unfall.
  • Es ist neunmal wahrscheinlicher, dass Sie wegen einer Krankheit Ihren Job nicht mehr ausüben können als durch einen Unfall.
  • Ausnahme: Wer keine Berufsunfähigkeitsversicherung bekommt, kann über eine Unfallversicherung nachdenken. Lassen Sie sich dazu aber ausführlich beraten.

So gehen Sie vor

  • Sie haben bereits eine Berufsunfähigkeitsversicherung? Dann sparen Sie das Geld für die Unfallversicherung lieber als Notgroschen an oder investieren es in eine sinnvolle Versicherung.
  • Sie bekommen keine BU? Dann kann die Unfallversicherung einen kleinen Teil des Risikos absichern. Das ist besser als gar kein Schutz.
  • Oft gibt es aber sinnvollere Alternativen.
  • Welche für Sie infrage kommt, besprechen Sie am besten mit einem spezialisierten Berater. Wir empfehlen die Makler Hoesch & Partner, Buforum24, Thomas Kliem, Ritzerfeld & Partner sowie Blank & Partner.
  • Prüfen Sie auch, ob Sie bereits teilweise unfallversichert sind, etwa über eine Gewerkschaft oder einen Sportverein.

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Rund um die private Unfallversicherung gibt es einige Missverständnisse. Wer sich beim Sturz vom Fahrrad das Handgelenk bricht oder beim Sport das Kreuzband reißt, ist mit einer Unfallversicherung gut geschützt – denken viele. Doch das stimmt nicht: Die private Unfallversicherung zahlt nur, falls ein Unfall einen bleibenden körperlichen Schaden verursacht. Ein Beinbruch nach dem Ausrutschen auf Glatteis ist in der Regel finanziell kein Drama. Dafür gibt es aus einer Unfallversicherung praktisch keine Leistungen, und dafür braucht man auch keine.

Wann die Unfallversicherung zahlt

Die Unfallversicherung zahlt nur, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Die wichtigste Bedingung ist, dass die körperliche Beeinträchtigung, die sogenannte Invalidität, von Dauer ist. Als dauerhaft gilt ein Gesundheitsschaden, sofern er voraussichtlich länger als drei Jahre bestehen wird und keine Besserung zu erwarten ist.

Das bedeutet: Selbst wenn Sie nach einem Motorrad-Unfall wochenlang im Krankenhaus liegen, kann es sein, dass die Unfallversicherung nicht zahlt – falls Sie wieder vollständig gesund werden. Können Sie allerdings auch nach der Reha Ihr Knie nicht mehr beugen, bekommen Sie einen Teil der versicherten Summe.

Außerdem zahlt die Versicherung nur, wenn die Behinderung auch wirklich durch einen Unfall entstanden ist. Als Unfall gilt in der Regel nur ein plötzlich von außen auf den Körper einwirkendes Ereignis. Stolpert jemand also einfach über seine eigenen Füße und fällt hin, zählt das für die Versicherung nicht als Unfall.

Brauche ich eine Unfallversicherung überhaupt?

Wir halten eine private Unfallversicherung nur selten für sinnvoll. Es gibt deutlich wichtigere Absicherungen, um die Sie sich zuerst kümmern sollten. Eine Unfallversicherung soll in erster Linie zusätzliche Kosten nach einem Unfall abfedern und zahlt dafür einmalig einen bestimmten Geldbetrag. Große Summen brauchen Sie in der Regel aber nur, wenn Sie sich so schwer verletzen, dass Sie Ihr Haus oder Auto behindertengerecht umbauen müssen, oder um zusätzliche Therapien zu finanzieren.

In solchen Fällen gibt es unter bestimmten Voraussetzungen aber auch staatlichen Hilfen, etwa von der gesetzlichen Rentenversicherung, den sogenannten Integrationsämtern oder der Pflegekasse. Notwendige Hilfsmittel wie Rollstühle, Prothesen oder Stützgriffe fürs Bad zahlt in einer Grundausstattung die Krankenkasse.

Bei weniger gravierenden Verletzungen sind meist keine Umbauten nötig. Es ist aber wichtig, dass Sie sich für den Fall absichern, dass Sie nach einem Unfall für längere Zeit nicht mehr arbeiten können. Dafür eignet sich am besten eine Berufsunfähigkeitsversicherung.

Im Allgemeinen überschätzen Verbraucher das Risiko oft, einen schweren Unfall mit daraus folgender Behinderung zu haben. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts sind nur 2 Prozent aller Schwerbehinderungen Folge eines Unfalls, die allermeisten (85 Prozent) entstehen durch Krankheiten. Und genau in diesen Fällen hilft die Unfallversicherung nicht. Deshalb bietet eine Unfall-Police nur eine Scheinsicherheit. Nicht umsonst sind Unfall-Verträge für die Versicherer besonders profitabel.

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist sinnvoller

Sinnvoller als eine private Unfallversicherung ist die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU). Denn sie zahlt, falls Sie Ihren letzten Job voraussichtlich für mindestens sechs Monate nicht mehr ausüben können. Die Ursache dafür ist unerheblich: Sowohl nach Unfällen als auch bei körperlichen und psychischen Krankheiten gibt es Geld.

Damit bietet die Berufsunfähigkeitsversicherung einen deutlich umfangreicheren Schutz als eine Unfallversicherung. Denn laut einer Statistik des Analysehauses Morgen & Morgen ist es neunmal wahrscheinlicher, dass Sie aufgrund einer Krankheit Ihren Job nicht mehr ausüben können als durch einen Unfall. Worauf Sie beim Abschluss einer Police achten müssen, lesen Sie in unserem Ratgeber Berufsunfähigkeitsversicherung.

Kinder und Extremsportler

Kinder können in jungen Jahren noch nicht gegen Berufsunfähigkeit versichert werden. Für sie ist eine Kinderinvaliditätsversicherung, die auch bei Krankheit zahlt, sinnvoller als ein reiner Unfall-Schutz. Denn in der Regel erholen sich Kinder schnell von Stürzen und tragen nur selten bleibende Schäden davon. Unfälle sind bei Kindern laut Statistischem Bundesamt noch seltener Ursache einer schweren Behinderung als bei Erwachsenen. Eltern haben bei einer Behinderung ihres Kindes in den meisten Fällen Anspruch auf verschiedene Unterstützungsleistungen.

Für Extremsportler kann die Unfallversicherung in einigen Fällen eine kluge Wahl sein. Manchmal verlangt die Berufsunfähigkeitsversicherung für gefährliche Hobbys wie Kitesurfen, Tauchen oder Fallschirmspringen einen hohen Risikozuschlag, der den Vertrag sehr teuer macht. In solchen Fällen kann es eine Überlegung wert sein, den Sport bei der BU-Versicherung auszuklammern und zusätzlich eine Unfallversicherung abzuschließen, damit Sportunfälle trotzdem abgedeckt sind. Ob das preislich deutlich günstiger ist, sollten Sie allerdings genau durchrechnen.

Achtung: Für Unfälle im Zusammenhang mit Flug- oder Rennsport zahlt die Unfallversicherung nicht. Dazu zählen zum Beispiel Segel- und Gleitschirmfliegen genauso wie Auto- und Motorradrennen. Einige Anbieter schließen auch weitere besonders gefährliche Freizeitaktivitäten vom Schutz aus. Deshalb sollten Kunden vor Abschluss einer Unfallpolice klären, inwieweit ihr risikoreiches Hobby mitversichert ist.

Lassen Sie sich gut beraten, welcher Schutz infrage kommt

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung bietet den umfassendsten Schutz für den Fall, dass Sie – entweder durch Krankheit oder einen Unfall – nicht mehr arbeiten können. Allerdings bekommen gerade die Menschen, die die Absicherung am dringendsten bräuchten, häufig keinen Vertrag: Wer Vorerkrankungen hat oder körperlich arbeitet, hofft oft vergeblich auf ein bezahlbares Angebot.

Manchmal lässt sich durch eine Risikovoranfrage bei verschiedenen Versicherern doch ein geeigneter BU-Schutz finden. Falls das nicht klappt, sollten Sie über eine alternative Absicherung nachdenken. Infrage kommen beispielsweise eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung, eine Multi-Risk-Police oder eine Grundfähigkeitsversicherung. Ein gleichwertiger Ersatz sind solche Angebote nicht. Sie alle bieten nur einen – in unterschiedlichem Maße – abgespeckten Schutz. Auch die Unfallversicherung kann ein Bestandteil der Absicherung sein.

Der Vorteil einer Unfallversicherung: Sie ist auch für Menschen mit einem Risikoberuf verhältnismäßig günstig. Und viele Anbieter stellen nicht sonderlich umfangreiche Gesundheitsfragen.

Der große Nachteil: Die Unfallversicherung schützt nur sehr begrenzt. Geld bekommen Versicherte nicht, wenn sie nach einem Unfall zeitweilig nicht mehr arbeiten können, sondern nur falls sie einen körperlichen Schaden davontragen, der voraussichtlich mehr als drei Jahre andauert. Bis die Versicherung dann zahlt, können Monate vergehen, die Betroffene finanziell anderweitig überbrücken müssen.

Wenden Sie sich an einen Versicherungsberater oder Makler

Zwar ist die Unfallversicherung besser als gar kein Schutz, es kann aber sinnvollere Möglichkeiten der Absicherung geben. Welche davon in Ihrem Fall infrage kommen, das besprechen Sie am besten mit einem spezialisierten Versicherungsberater oder Makler. Dieser kann Sie individuell dazu beraten, wie Sie sich am besten für den Fall absichern, dass Sie nicht mehr arbeiten können. Vielleicht eignet sich eine Kombination verschiedener Versicherungen, vielleicht können Sie durch konsequentes Sparen Rücklagen für den Notfall bilden.

Prüfen Sie zusammen mit dem Makler oder Berater auch, inwieweit Sie möglicherweise schon Unfallschutz haben und ob dieser ausreicht. Verunglücken Sie auf der Arbeit, in der Universität, beim Ehrenamt oder auf dem Weg dorthin, springt beispielsweise die gesetzliche Unfallversicherung ein. Sie übernimmt Kosten für Reha und Einkommensausfall. Sie zahlt außerdem eine kleine Rente, falls Ihre Arbeitsfähigkeit langfristig beeinträchtigt ist.

Bei einigen Gewerkschaften wie Verdi und dem DGB ist im Mitgliedsbeitrag auch eine Freizeit-Unfallversicherung enthalten. Auch Mitglieder in einem Sportverein sind bei Vereinsaktivitäten in geringem Umfang abgesichert, über die Sportversicherung des jeweiligen Landessportbundes.

Folgende Makler können wir für eine solche Beratung zur Berufsunfähigkeitsversicherung und all ihren Alternativen empfehlen:

Beratung zu BU und Alternativen

  • Erfahrungen mit Arbeitskraftabsicherung seit 2004
  • viel Erfahrung mit Risikovoranfragen
  • 44 BU-Versicherer im Angebot, 3 beratende Makler

Hoesch & Partner

Beratung zu BU und Alternativen

  • Erfahrungen mit Arbeitskraftabsicherung seit 1983
  • 8 Standorte bundesweit
  • Möglichkeit zur anonymen Risikovoranfrage
  • bietet auch Honorarberatung und Nettotarife an
  • 41 BU-Versicherer im Angebot, 30 beratende Makler

Thomas Kliem

Beratung zu BU und Alternativen

  • Erfahrung mit Arbeitskraftabsicherung seit 2001
  • Möglichkeit zur anonymen Risikovoranfrage
  • bietet auch Honorarberatung und Nettotarife an
  • 50 BU-Versicherer im Angebot, ein beratender Makler

Ritzerfeld & Partner

Beratung zu BU und Alternativen

  • Erfahrung mit Arbeitskraftabsicherung seit 1995
  • Möglichkeit zur anonymen Risikovoranfrage
  • 30 BU-Versicherer im Angebot, ein beratender Makler

Blank & Partner

Beratung zu BU und Alternativen

  • Erfahrung mit Arbeitskraftabsicherung seit 2004
  • Experte für Lehrer- und Beamtenabsicherung
  • Möglichkeit zur anonymen Risikovoranfrage
  • 50 BU-Versicherer im Angebot, ein beratender Makler

Darauf müssen Sie bei der Unfallversicherung zuerst achten

Wenn Sie sich tatsächlich für eine Unfallversicherung entscheiden, dann heißt es wie bei den meisten Versicherungen: nicht kleckern, sondern klotzen! Sie sollten nicht am falschen Ende sparen und zu geringe Versicherungsleistungen vereinbaren.

Ausreichende Versicherungssumme

Die wichtigste Leistung der Unfallversicherung ist die Kapitalzahlung, wenn der Versicherte aufgrund eines Unfalls dauerhaft invalide ist. Damit die im Ernstfall ausreicht, ist es wichtig, eine angemessen hohe Versicherungssumme (auch Grundinvaliditätssumme genannt) zu wählen.

Nach einem Unfall wird je nach Schwere der gesundheitlichen Beeinträchtigung (Invalidität genannt) nur ein Teil der Versicherungssumme ausgezahlt. Geringe Beeinträchtigungen kommen häufiger vor als schwere. Deshalb sollte die Versicherung schon ab 1 Prozent Invalidität zahlen.

Welche Versicherungssumme Ihrer persönlichen Situation angemessen ist, klären Sie am besten im Rahmen der Beratung zur Unfallversicherung. Dabei gilt es drei Fragen zu beantworten:

  • Welche laufenden Kosten kämen auf mich zu, zum Beispiel durch unfallbedingten Lohnausfall oder eine Haushaltshilfe?
  • Welche einmaligen Kosten könnten entstehen, beispielsweise durch Umbauten am Haus (Treppenlift) oder durch Anschaffungen (elektrischer Rollstuhl)? Diese Kosten sehen je nach individuellem Umfeld unterschiedlich aus.
  • Welche Rücklagen und zusätzliche Absicherungen habe ich?

Wenn Sie keine Berufsunfähigkeitsversicherung haben, sollten Sie außerdem bedenken, dass das ausgezahlte Geld schlimmstenfalls bis an Ihr Lebensende reichen muss. Eine Versicherungssumme von mehreren Hunderttausend Euro ist dann durchaus sinnvoll. Ein weiterer Vorteil einer hohen Versicherungssumme: Sie bekommen bei einem geringen Invaliditätsgrad schon einen nennenswerten Geldbetrag.

Gute Leistungskurve

Wir empfehlen außerdem, eine sogenannte Progression zu vereinbaren. Die Progression sorgt dafür, dass Sie bei schweren Behinderungen ein Vielfaches der Versicherungssumme bekommen. Das ist sinnvoll, da in solchen Fällen der Kapitalbedarf oft immens ansteigt. Wir empfehlen eine Progression von 225 oder 350 Prozent.

Im Falle einer Vollinvalidität (also einem Invaliditätsgrad von 100 Prozent) würden Sie in einem Tarif mit 350 Prozent Progression das 3,5-fache der versicherten Grundsumme bekommen: Bei einer Versicherungssumme von 100.000 Euro wären das also 350.000 Euro.

Eine hohe Progression garantiert aber nicht automatisch auch die höchste Leistung. Denn in welchen Schritten die Leistung für unterschiedliche Schweregrade der Behinderung ansteigt, unterscheidet sich je nach Anbieter. Achten Sie deshalb beim Vergleich mehrerer Tarife darauf, wie viel Geld Sie bei unterschiedlichen Invaliditätsgraden bekämen. Dafür eignet sich ein Blick auf die Leistungen beim Verlust von Gehör, Fuß und Arm.

Todesfallsumme vereinbaren

Für Menschen, die ihre Hinterbliebenen für den Fall des eigenen Todes absichern wollen, ist eine Risikolebensversicherung die beste Wahl. Trotzdem ist es auch in der Unfallversicherung sinnvoll, eine Todesfallsumme zu vereinbaren, denn sie hat auch eine Funktion, wenn der Versicherte nicht stirbt.

Die Versicherung kann nach einem Unfall einen Vorschuss zahlen, wenn sicher ist, dass Beeinträchtigungen zurückbleiben, aber noch nicht klar ist, wie schwerwiegend sie sein werden. Dieser Vorschuss ist auf den Betrag begrenzt, der als Todesfallsumme im Vertrag steht. Ist keine Leistung für den Todesfall vereinbart, gibt es in der Regel auch keinen Vorschuss. Um Mehrkosten zu bewältigen, bis das Ausmaß der Behinderung feststeht, empfehlen wir eine Todesfallsumme zwischen 10.000 und 20.000 Euro.

Mehr dazu im Ratgeber Risikolebensversicherung

Annika Krempel

Expertin für Versicherungen

Sichert Hinterbliebene im Todesfall ab

  • Empfehlenswert bei Allein- oder Hauptverdienern.
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  • Die Summe richtet sich nach der individuellen Situation.

Unsere Anbieter-Empfehlung aus dem Finanztip Ratgeber:

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Diese Leistungen machen einen guten Tarif aus

Die Versicherungen bieten eine Unzahl von Tarifen an, die sich in vielen Leistungsmerkmalen unterscheiden. Viele davon sind schlicht Marketing-Gags der Versicherungen, um sich aus der Masse hervorzuheben und den Vermittlern Verkaufsargumente zu liefern. Die folgenden Merkmale halten wir aber für wichtig:

Gute Gliedertaxe

Auf die Gliedertaxe sollten Sie bei der Wahl eines Tarifs besonders genau achten. Denn diese bestimmt, wie viel Geld Sie bei Funktionsverlust eines bestimmten Körperteils erhalten. Das funktioniert so: Für jedes Körperteil legt die Versicherung fest, welchen Grad der Beeinträchtigung sie annimmt, falls der Kunde den entsprechenden Körperteil verliert oder gar nicht mehr benutzen kann.

Sind mehrere Körperteile durch den Unfall betroffen, werden die einzelnen Invaliditätsgrade addiert. Die Werte gelten allerdings immer nur bei vollständiger Funktionsunfähigkeit. Bei einer teilweisen Beeinträchtigung wird die Gliedertaxe nur anteilig berücksichtigt. Damit ist die Gliedertaxe zusammen mit der Progressionskurve entscheidend dafür, wie viel Geld die Versicherung auszahlt.

Ein Beispiel: Ein Kunde hat eine Versicherungssumme von 100.000 Euro vereinbart. Die Gliedertaxe seines Tarifs legt für die Hand einen Wert von 55 Prozent fest. Muss ihm nach einem Unfall tatsächlich eine Hand amputiert werden, erhält er 55.000 Euro von der Versicherung. Ist eine Progression vereinbart, bekommt er eine höhere Summe.

Die Gliedertaxe kann sich je nach Tarif erheblich unterscheiden. Zwar gibt es Empfehlungen des Versicherungsverbands GDV für die Gliedertaxe, gute Tarife leisten aber deutlich mehr. Auch Schäden an inneren Organen sind in vielen Tarifen nicht klar bemessen, sollten aber unbedingt mitversichert sein. Deshalb lohnt sich ein Vergleich.

Eine gute Orientierung bietet eine Übersicht des Analysehauses Ascore. Das Unternehmen hat die Gliedertaxe von 80 Unfall-Tarifen untersucht und ausgewertet, welche Invaliditätsgrade die Versicherungen im Mittel festschreiben. Die Gliedertaxe eines leistungsstarken Tarifs sollte mindestens die genannten Mittelwerte erreichen und sie im besten Fall übertreffen.

Vergleich der Gliedertaxe verschiedener Tarife in Prozent

Quelle: Ascore Das Scoring, GDV-Musterbedingungen (Stand: 11. August 2017)

Mitwirkung von Erkrankungen

Falls der Versicherte eine Krankheit hat, die für die gesundheitlichen Folgen eines Unfalls mitverantwortlich ist, kann die Versicherung ihre Leistung kürzen. Das wäre etwa der Fall, wenn sich jemand eine Sehne reißt, die bereits vorgeschädigt war oder ein Diabetes den Heilungsprozess verschlechtert.

Ein guter Tarif mindert die Leistung erst, wenn eine Erkrankung die Beeinträchtigung zu mindestens 50 Prozent mitverursacht hat. Einige Tarife verzichten auch ganz auf den Mitwirkungsanteil. Das kann insbesondere für Menschen mit vielen Vorerkrankungen hilfreich sein.

Darüber, ob und wie stark bestehende Krankheiten oder Vorschäden am Unfallausgang mitgewirkt haben, gibt es oft Streit. Altersbedingte Einschränkungen darf die Versicherung übrigens nicht als Argument nutzen, um weniger Geld zu zahlen.

Eigenbewegung und erhöhte Kraftanstrengung

Eigentlich definieren Versicherungen einen Unfall als ein von außen auf den Körper einwirkendes Ereignis. Von Vorteil ist es, wenn der Versicherungsschutz auch bei Verletzungen durch eine eigene Bewegung oder erhöhte Kraftanstrengung greift. Dann ist der Versicherte auch geschützt, wenn er beim Fußballspielen umknickt und die Achillessehne reißt oder er sich durch schweres Heben einen Wirbel verrenkt.

Herzinfarkt, Schlaganfall und Alkohol

Gute Tarife zahlen auch, falls ein Unfall durch eine Bewusstseinsstörung ausgelöst wird. Dazu zählen neben Ohnmacht, Sekundenschlaf und epileptischen Anfällen auch Herzinfarkt und Schlaganfall. Die Versicherung sollte möglichst viele dieser Ursachen abdecken. Außerdem zahlen gute Tarife auch, wenn ein Unfall unter dem Einfluss von Alkohol oder Medikamenten passiert. Allerdings gelten in der Regel Promillegrenzen, ab denen es keinen Versicherungsschutz mehr gibt.

Infektionen und Zeckenbiss

Achten Sie darauf, dass auch Beeinträchtigungen nach Infektionen sowie nach Krankheiten durch einen Insektenstich als Unfall gelten. Dann ist etwa eine durch Zeckenbiss übertragene Borreliose versichert.

Bergungskosten und kosmetische Operationen

Viele Anbieter beteiligen sich an den Kosten für Rettungseinsätze, beispielsweise wenn der Versicherte nach einem Skiunfall mit einem Hubschrauber geborgen werden muss. Ist nach einem Unfall das Aussehen des Betroffenen dauerhaft beeinträchtigt, übernehmen viele Versicherer zudem die Kosten für kosmetische Eingriffe. Beide Optionen sollten jeweils mit mindestens 10.000 Euro dotiert sein. Bei guten Tarifen ist beides automatisch eingeschlossen.

Verlängerte Fristen

Normalerweise wird ein Gesundheitsschaden nur anerkannt, wenn er innerhalb von 15 Monaten nach dem Unfall auftritt, von einem Arzt festgestellt und der Versicherung mitgeteilt wird. Gute Tarife verlängern diese Fristen auf 18 Monate oder mehr.

Diese Zusatzleistungen brauchen Sie nicht

Im Wettbewerb um Kunden locken die Anbieter mit zahlreichen Extras, die in den Vertrag eingeschlossen werden können. Viele dieser Zusatzleistungen sind nicht wichtig und machen die Versicherung nur unnötig teuer.

Finger weg von Tarifen mit Beitragsrückgewähr

Tarife, bei denen Kunden am Ende der Laufzeit die eingezahlten Beiträge zurückbekommen, falls sie keinen Unfall haben, lohnen sich vor allem für die Versicherung. Was gut klingt, ist eine Mogelpackung: Die Beiträge sind um ein Vielfaches höher als die reiner Unfallversicherungen – und die Rendite am Ende oft unterirdisch.

Krankenhaus-Tagegeld ist überflüssig

Viele Versicherungen bieten weitere Zusatzoptionen wie ein Unfall-Krankenhaustagegeld an. Damit erhalten Versicherte eine vereinbarte Summe für jeden Tag, den sie aufgrund eines Unfalls im Krankenhaus verbringen. Genesungsgeld gibt es für die gleiche Anzahl an Tagen nach dem Krankenhausaufenthalt. Solche Extras sind unnötig. Falls Sie bei längerer Krankheit eine Versorgungslücke durch den Gehaltsausfall befürchten, sollten Sie das lieber separat durch eine Krankentagegeldversicherung absichern.

Unfallrente lieber durch Kapitalleistung selbst finanzieren

Ein häufiges Merkmal, das der Vermittler in den Vertrag packen will, ist die Unfallrente, gerade bei Kindern. Die Unfallrente wird meist erst ab einer 50-prozentigen Invalidität gezahlt, eine gute Unfallversicherung leistet hingegen schon ab 1 Prozent Invalidität. Besser und flexibler finanzieren Versicherte monatliche Auszahlungen, indem sie die von der Versicherung gezahlte Kapitalleistung nach dem Unfall zum Beispiel als Tages- oder Festgeld anlegen und sich regelmäßig selbst etwas auszahlen.

Besser keine Dynamik

Mit einer sogenannten Dynamik erhöht sich die versicherte Summe jedes Jahr um einen bestimmten Prozentsatz. Was für eine BU-Rente sinnvoll ist, gilt für die Unfallversicherung nicht: Denn Sie erhalten die Leistung auf einen Schlag, und mit dem Alter sinkt der Absicherungsbedarf in der Regel. Daher sollten Sie von Anfang an eine ausreichend hohe Versicherungssumme wählen. Fällt Ihr Bedarf mit der Zeit tatsächlich geringer aus, etwa weil Ihr Vermögen gewachsen ist, können Sie die Versicherungssumme und damit den Beitrag reduzieren.

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Wie Sie die Unfallversicherung kündigen

Bevor Sie eine bestehende Unfallversicherung kündigen, sollten Sie sicher sein, dass sie anderweitig abgesichert sind und den Vertrag nicht mehr brauchen. Lassen Sie sich dazu im Zweifel beraten. Kündigen können Sie in der Regel jährlich mit einer Frist von drei Monaten. Der Kündigungstermin ist dabei die sogenannte Hauptfälligkeit. Diese steht im Versicherungsschein und ist der Termin, an dem bei jährlicher Zahlweise der Beitrag abgebucht wird. Falls Ihr Tarif außerplanmäßig teurer wird, haben Sie ein Sonderkündigungsrecht.

Wenn Sie eine Unfallversicherung mit Beitragsrückgewähr kündigen, verlieren Sie aber unter Umständen einen Teil des angesparten Kapitals. Lassen Sie sich daher etwaige Abzüge vorher vom Versicherer schriftlich ausweisen. Anstatt einen solchen Vertrag zu kündigen, können Sie prüfen, ob sich der Vertrag beitragsfrei stellen lässt. Das bedeutet, Sie zahlen nichts mehr ein und der Vertrag wird quasi stillgelegt.

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Artikel verfasst von

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Julia Rieder ist Expertin für Versicherungen und derzeit kommisarisch für das Thema Reise verantwortlich. Während ihres Volontariats bei Finanztip sammelte sie Hörfunk-Erfahrung beim Inforadio. Vorher war sie in den Redaktionen von Frontal 21, der Berliner Zeitung und dem Online-Magazin politik-digital tätig. Ihr Studium der Politikwissenschaft hat Julia Rieder an der Freien Universität Berlin mit einem Master abgeschlossen.

Glossar: Unfallversicherung

Was ist eine Unfallversicherung, und wozu braucht man sie?

Beim Thema Unfallversicherung ist zu unterscheiden zwischen gesetzlicher und privater Unfallversicherung: Die gesetzliche Unfallversicherung ist ein Bestandteil der staatlichen Sozialversicherung. In der Regel ist die Unfallrente allerdings zu gering, um den Lebensunterhalt zu sichern. Verbraucher können die finanziellen Folgen eines Unfalls daher mit einer privaten Unfallversicherung absichern.

Die gesetzliche Unfallversicherung ist im Sozialgesetzbuch (SGB VII) geregelt. Sie springt ein bei beruflichen Unfällen, Berufskrankheiten sowie Unfällen auf dem Schulweg oder auf dem Weg zu und von der Arbeit. Dagegen erbringt die private Unfallversicherung bei einem Unfall die vertraglich vereinbarte Leistung.

Das leistet die gesetzliche Unfallversicherung

Die Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung umfassen im Wesentlichen Verletztengeld oder -rente, Heilbehandlung, Berufshilfe (berufsfördernde Maßnahmen) und Leistungen zur sozialen Rehabilitation. Weiterhin leistet die gesetzliche Unfallversicherung Pflegegeld, Sterbegeld, Waisenrente sowie Hinterbliebenenrente.

Was bietet eine private Unfallversicherung?

Führt ein Unfall zu bleibender Invalidität, zahlt die private Unfallversicherung einen einmaligen Festbetrag und/ oder eine Rente – je nach Vereinbarung. Ursache muss eine Einwirkung von außen sein. Die Versicherer akzeptieren meist auch eine erhöhte Kraftanstrengung als Ursache.

Für wen eignet sich eine private Unfallversicherung?

Sinnvoll ist eine private Absicherung

  • als Ergänzung einer gesetzlichen Unfallversicherung, da sie sowohl private als auch berufliche Unfälle weltweit und rund um die Uhr abdeckt;
  • für alle, die nicht gesetzlich unfallversichert sind (zum Beispiel Hausfrauen);
  • für Arbeitnehmer, die keine Berufsunfähigkeitsversicherung erhalten (zum Beispiel wegen eines Risikoberufs oder aufgrund von Vorerkrankungen);
  • für andere Gruppen, die keine BU-Versicherung erhalten (Kinder, Rentner, oft auch Hausfrauen) und
  • als Ergänzung zu einer bestehenden BU-Versicherung, um eine sichere Auszahlung bei Invalidität zu bekommen. Eine Unfallversicherung zahlt auch dann, wenn der Beruf noch ausgeübt werden kann.

Was ist eine Gliedertaxe?

Die Versicherer nutzen eine „Gliedertaxe“, um den Grad der Invalidität zu bestimmen. So ermitteln sie auch den Prozentsatz der Versicherungssumme, den sie nach einem Unfall auszahlen. Wenn mehrere Gliedmaßen betroffen sind, addiert der Versicherer die Invaliditätsgrade – aber nur maximal bis 100 Prozent.

Was bedeutet Progression?

Wer eine Progression vereinbart, erhält bei höheren Invaliditätsgraden überproportional hohe Leistungen. Beispiel: Ab 25 Prozent Invalidität steigt die Auszahlungssumme progressiv an, bis sie bei 100 Prozent Invalidität 225 Prozent erreicht.

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Versicherungen Private Unfallversicherung – Was ist wichtig?

Wer sich durch die gesetzliche Unfallversicherung gut und ausreichend geschützt wähnt, sollte berücksichtigen, dass sie einer erheblichen Einschränkung unterliegt. Sie springt nämlich nur dann ein, wenn sich der Unfall im Zusammenhang mit der Arbeit ereignet.

Wer sich durch die gesetzliche Unfallversicherung gut und ausreichend geschützt wähnt, sollte berücksichtigen, dass sie einer erheblichen Einschränkung unterliegt. Sie springt nämlich nur dann ein, wenn sich der Unfall im Zusammenhang mit der Arbeit ereignet. Und selbst in diesem Zusammenhang bestehen einige Ausnahmeregelungen. Nun ist das aber meistens nicht Fall, es ist allgemein bekannt, dass die meisten Unfälle in der Freizeit passieren. Um sich gegen die Folgen von Unfällen abzusichern, ist also der Abschluss einer privaten Unfallversicherung ratsam.

Die Frage danach, für wen eine Unfallversicherung zu empfehlen ist, kann mit einem schlichten "Für alle" beantwortet werden, denn vor den Gefahren eines Unfalls ist niemand gefeit. Besonders gefährdet sind jedoch Kinder, Rentner, Hausfrauen und Selbständige. Sie unterliegen zwar in aller Regel keinen größeren Gefahren als andere Personengruppen. Allerdings fallen sie aus dem Rahmen der Menschen, die über die gesetzliche Unfallversicherung versorgt sind, hinaus, da sie nicht berufstätig sind (im Falle der Hausfrau darf man das durchaus anders sehen, an der gesetzlichen Vorgabe ändert dies jedoch nichts). So gesehen gibt es faktisch nahezu niemanden, der auf eine Unfallversicherung verzichten sollte.

Die Leistungen der privaten Unfallversicherung

Nicht jeder Baustein, den Sie bei einer Unfallversicherung in den Vertrag integrieren können, ist zwingend notwendig. Die Entscheidung darüber treffen Sie selbst. Trotzdem hilft es, wenn Sie wissen, was versichert werden kann.

Wenn Sie durch einen Unfall invalide werden, kommt es zur Auszahlung eines Betrages an Sie. Die Höhe richtet sich nach der sogenannten "Gliedertaxe". Diese ordnet jedem Körperteil eine bestimmte Prozentzahl zu. So wird naturgemäß der Verlust eines Armes höher bewertet als der eines Fingers, eine weitere Einteilung folgt der Tatsache, ob es sich um einen kompletten Verlust oder einem Teilverlust bzw. um Einschränkungen bei der Funktionalität handelt.

Um das Prinzip der Gliedertaxe zu verdeutlichen, hilft ein Beispiel:

Angenommen, Sie sind nach einem Unfall durch extreme Einwirkungen auf Ihr Gehör taub. Der Invaliditätsgrad beträgt gemäß Gliedertaxe in diesem Fall 30 Prozent, allerdings nur, wenn Sie gar nichts mehr hören können. Sind andere Körperteile ebenfalls von Einschränkungen oder Verlust betroffen, werden diese durch den behandelnden Arzt addiert. Die Summe darf verständlicherweise jedoch niemals größer als 100 Prozent sein.

Sinn der Versicherungsleistungen bei Invalidität ist die Anpassung an die neue Lebenssituation, die im Zweifel gravierenden Veränderungen unterworfen ist. Das hat auch finanzielle Folgen, denn Behandlungen, Reha-Maßnahmen oder Umbauarbeiten im Haus oder der Wohnung sind teuer. Die Unfallversicherung deckt diese Kosten ab. Dabei sollten Sie bedenken, dass Sie die Versicherungssumme nicht zu niedrig ansetzen. Das Zweifache oder besser Dreifache Ihres jährlichen Bruttogehalts sollten Sie am besten als Versicherungssumme wählen.

Zusätzlich versicherbare Leistungen

Neben der Invalidität können Sie weitere Risiken versichern. Diese beinhalten folgende Merkmale:

Todesfallleistung: Wenn Sie auch das Schlimmste, was durch einen Unfall geschehen kann, mit in Ihre Überlegungen einbeziehen wollen, bauen Sie einen Todesfallschutz in die Unfallversicherung mit ein. Im Falle des Todes durch einen Unfall sind so Ihre Hinterbliebenen zumindest finanziell versorgt.

Unfallrente: Gern wird von Versicherern für den Fall eines Invaliditätsgrades von mehr als 50 Prozent eine zusätzliche Unfallrente angeboten. Das klingt besonders für Berufstätige zunächst einmal interessant und sinnvoll. Allerdings wird diese Rente nur gezahlt, wenn der Grund für die verloren gegangene Arbeitskraft ein Unfall ist. Im Falle von Krankheit zahlt die Unfallversicherung keine Rente. Daher ist es unter Umständen besser, sich gegen dieses Risiko durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzusichern.

Krankenhaustagegeld: Bei schwereren Unfällen besteht immer die Gefahr, dass Sie eine Weile ins Krankenhaus müssen. Eine Unfallversicherung mit einem Krankenhaustagegeld zahlt Ihnen für jeden Tag, den Sie dort verbringen, einen vorher vereinbarten Betrag aus. Eine Variation ist das Rooming-In, wenn Sie Familie haben. Sollte Ihr Kind ins Krankenhaus müssen, zahlt die Unfallversicherung Ihre Übernachtung beim Nachwuchs. Die dritte Variante ist das Genesungsgeld. Es wird gezahlt, wenn Sie das Krankenhaus wieder verlassen haben. Das Genesungsgeld wird so lange gezahlt wie auch Ihr Aufenthalt im Krankenhaus dauerte, ab Tag 10 jedoch nur noch anteilig.

Kosmetische Operationen: Ein Unfall kann auch ästhetische Folgen haben, die von der gesetzlichen Krankenversicherung nicht übernommen werden. Ist beispielsweise Ihr Gesicht nach einem Unfall entstellt, liegt aus Sicht der gesetzlichen Krankenversicherung keine medizinische Notwendigkeit vor, um operativ einzugreifen. Wenn Sie dagegen in die Unfallversicherung kosmetische Operationen eingeschlossen haben, wird die OP von dieser übernommen.

Besonders, wenn Sie oft unterwegs sind oder gar Hobbys nachgehen, die gefährlich sind, kann der Einschluss von Bergungskosten ratsam sein. Er greift, wenn nach Ihnen gesucht werden muss, Rettungen oder Bergungen notwendig werden.

Gesundheitsfragen und Nachteile der Unfallversicherung

Nachteile hat der Abschluss einer Unfallversicherung im Grunde nicht. Allerdings kann der Wille, eine Versicherung abzuschließen, sich nachteilig auswirken, zum Beispiel, wenn Sie ein Freund von Risikosportarten sind. Zwar werden nur selten Gesundheitsfragen gestellt (und wenn, beschränken sie sich in der Regel auf schwere Vorerkrankungen). Ihre Freizeitaktivitäten sind jedoch schon eher von Interesse für die Versicherungsgesellschaften. So kommt es zu unterschiedlichen Beitragskalkulationen, bei denen ein Versicherungsnehmer gegenüber einem anderen deutlich höhere Beiträge entrichten muss. Schon deswegen ist ein Vergleich der Angebote ratsam.

Als Nachteil kann auch in Teilen die Bewertung eines Unfalls anhand der geschilderten Gliedertaxe gesehen werden. Denn psychische Unfallschäden werden durch sie nicht erfasst, im Zweifel wird es der Versicherungsnehmer schwer haben, nachzuweisen, dass seine psychischen Belastungen tatsächlich durch den Unfall hervorgerufen wurden.

Beitragsentwicklung in der Zukunft

Wie sich die Beiträge in Zukunft entwickeln, kann nur schwer beurteilt werden. Durch das Urteil des Europäischen Gerichtshofes ( EuGH ) sind seit dem 21.12.2012 für alle Versicherungen Unisex-Tarife vorgeschrieben. Männer und Frauen dürfen also nicht mehr unterschiedlich kalkuliert werden. Da Frauen eine höhere Lebenserwartung haben, waren sie bei der Unfallversicherung bisher im Nachteil. Kfz-Versicherungen dagegen waren für sie günstiger, da sie als umsichtige und vorsichtige Fahrerinnen gelten. Fakt ist jedoch, dass bestehende Verträge nicht von dem Urteil des EuGH betroffen sind.

Kündigung der Versicherung

Jede Unfallversicherung kann gekündigt werden. Wie und wann die Kündigung möglich ist, hängt von der Vertragsgestaltung ab. Zudem wird zwischen ordentlicher und außerordentlicher Kündigung unterschieden. Über die ordentliche Kündigung sollten Sie wissen:

Falls Sie sich für einen Jahresvertrag entscheiden, verlängert sich dieser automatisch, wenn Sie nicht rechtzeitig kündigen. Eine fristgerechte Kündigung muss drei Monate vor dem Ende der Versicherungsperiode beim Versicherer eingehen. Am besten mit Einschreiben und Rückschein, so sind Sie auf der sicheren Seite.

Übrigens, für den Fall, dass Sie nicht kündigen: Eine automatische Verlängerung von mehr als einem Jahr ist seit 2009 nicht mehr zulässig.

Bei längerfristig angelegten Verträgen ist die Kündigung frühestens nach dem Ende des dritten Jahres mit einer dreimonatigen Frist möglich. Im Versicherungsfall oder bei einer Beitragsanpassung ist die außerordentliche Kündigung möglich. Auch hier gelten jedoch Kündigungsfristen, die Sie in den Vertragsbedingungen genau studieren sollten.

Der Abschluss einer Unfallversicherung ist in jedem Fall sinnvoll, da die gesetzliche Unfallversicherung nur sehr eingeschränkt leistet. Ob Sie zusätzliche Leistungen einbauen, hängt von Ihren persönlichen Sicherheitsvorstellungen ab. Bei der Suche nach dem richtigen Angebot ist ein Vergleich der zahlreichen Tarife und Versicherungsgesellschaften ratsam, die Preisunterschiede und die Beurteilung des versicherungstechnischen Risikos ist bei jeder Gesellschaft anders.

Online-Vergleich von Unfallversicherungen

Источники: http://www.finanztip.de/unfallversicherung/, http://www.vorsorge-und-finanzen.de/glossar/unfallversicherung.html, http://m.wn.de/Service/Verbrauchertipps/Versicherungen-Private-Unfallversicherung-Was-ist-wichtig

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