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Gesetzlich und private Altersvorsorge :  Welche Optionen zur Altersvorsorge gibt es?

Betriebliche Altersvorsorge, Rürup, Riester oder doch private Altersvorsorge: Welche Optionen gibt es, auf was muss man achten?

75 Prozent der Deutschen ist klar: Im Alter wird es oft knapp mit dem Geld. Die gegenwärtige Altersvorsorge reicht womöglich nicht, um nach der Pensionierung ein sorgenfreies Leben zu führen. Überlegungen, mit 63 auf Rente zu gehen, scheinen bei den Aussichten auf Geldknappheit nicht realistisch. Wie kann man der winkenden Altersarmut entgehen? Fragestellzungen wie sparen als Altersvorsorge oder auch betriebliche Altersvorsorge per Riester oder Rürup Vorsorge stehen dabei im Raum und müssen beantwortet werden. Alle probaten Ideen zu den gesetzlichen und den privaten Vorsorge-Möglichkeiten finden Sie in diesem Artikel.

Die Aussichten zur gesetzlichen Altersvorsorge bis 2030

80 Prozent des letzten Nettogehalts, sagt eine Faustregel, brauchen Senioren in etwa, wenn sie ihren Lebensstandard nicht massiv einschränken wollen. Doch die gesetzliche Rente wird wohl ab 2030 auf 50 Prozent vom Nettogehalt schrumpfen. Wer morgen nicht verarmen will, wird also heute vorsorgen müssen. Zehn Prozent seines Einkommens, sagen Rentenexperten, sollten zusätzlich in die Altersvorsorge fließen. Doch welche Möglichkeiten gibt es? Hier der Altersabsicherung-Ratgeber für Ihre Renten-Absicherung zusammengefasst:

Gesetzliche Rente

Grundsätzlich steht die Altersvorsorge in Deutschland auf vier Beinen: Wichtigstes Standbein für alle abhängig Beschäftigten und für Beamte ist zunächst die gesetzliche Rente. Eine Auszahlung ist zwar sicher. Doch wie hoch sie ausfallen wird, ist erst gegen Ende des Berufslebens vollends klar, denn Dauer und Höhe der Einzahlung sind entscheidend. Brüche im Arbeitsleben wie Arbeitslosigkeit oder umgekehrt Karrieresprünge verändern das Resultat deutlich.

Betriebliche Altersvorsorge

Die zweite Säule: Seit 2002 haben Angestellte zusätzlich zur gesetzlichen Rente einen Rechtsanspruch auf eine betriebliche Altersvorsorge. Größere Unternehmen haben seit vielen Jahren Pensionskassen oder Versorgungswerke. Doch auch kleinere Unternehmen müssen ihren Angestellten Sparpakete fürs Alter anbieten. Das könnte eine Direktanlage über das Unternehmen oder eine externe Geldanlage durch Umwidmung eines Gehaltanteils sein. Sparen kann der Arbeitnehmer dabei bis zu vier Prozent seines Bruttogehalts bis zur Beitragsbemessungsgrenze, die derzeit bei 48.600 Euro liegt. Der Vorteil der Betriebsrente: Sie wird aus dem Brutto gezahlt, so dass sie Steuerlast und Sozialabgaben senkt. Der Arbeitnehmer muss damit netto auf weniger verzichten, als er in seine Alterssicherung steckt.

Wichtig bei der Entscheidung von Arbeitgeber und Arbeitnehmer für eine Sparform: Jedes Prozent laufende Rendite wirkt sich wegen des Zinseszinseffektes überproportional auf die Rente aus. Wer 30 Jahre lang monatlich 200 Euro vom Brutto abzweigt und dafür pro Jahr drei Prozent Zinsen erhält, hat nach 30 Jahren gut 116.000 Euro auf dem Sparkonto. Liegt die jährliche Rendite bei fünf Prozent, dann wären am Ende knapp 164.000 Euro im Depot, vor Kosten und Steuern. Wie jede Zusatzrente muss der Rentner seine betriebliche Altersvorsorge versteuern. Allerdings sind die Steuersätze im Alter meist deutlich geringer als zuvor. Unter dem Strich lohne sich eine Betriebsrente für etwa 90 Prozent der Beschäftigten, glauben die Rentenspezialisten beim Fondsanbieter Fidelity. Dennoch verzichten etwa 50 Prozent der Arbeitnehmer darauf.

Altersabsicherung-Ratgeber: Riester-Rente

Für manche Menschen kann die dritte Säule der Altersvorsorge sinnvoller sein: staatlich geförderte Sparformen wie die Riester- und die Rürup-Rente. Knapp 16 Millionen Riester-Verträge liegen derzeit in den Schubladen der Deutschen. Bei der Riester-Rente zahlt der Staat eine Grundzulage von 154 Euro pro Jahr, plus 185 Euro für jedes Kind zusätzlich (für Kinder, die nach dem 1.1.2008 geboren sind, sogar 300 Euro). Bedingung ist, dass der Riester-Sparer vier Prozent seines rentenversicherungspflichtigen Einkommens selbst beisteuert, mindestens jedoch 60 Euro im Jahr. Ein Recht auf Riester-Förderung haben alle rentenversicherungspflichtig Beschäftigten, also unter anderem Angestellte, pflichtversicherte Landwirte, Mitglieder der Künstlersozialkasse, Kindererziehende, Bezieher von Arbeitslosengeld bzw. deren Partner. Gespart wird mit Rentenversicherungen, mit Fonds, mit Bau- und Banksparverträgen oder auch mit Immobilien. Grundsätzlich gilt: je niedriger das Einkommen und je mehr Kinder, desto größer ist der Nutzen. Kritisch sehen Verbraucherschützer vor allem die Kosten: Verschiedene Analysen zeigten, so der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV), dass vor allem in den Versicherungsvarianten die Kosten am Ende teilweise die staatlichen Zulagen aufzehren. Auch sei nicht jedes geförderte Produkt auch ein gutes Produkt, kritisiert der VZBV. Hinzu kommt: Banksparplänen und Rentenversicherungen machen die niedrigen Zinsen zu schaffen. Ab 2015 sinkt bei Versicherungen der Garantiezins weiter von 1,75 auf 1,25 Prozent. Bei allen Riester-Verträgen ist aber garantiert, dass am Ende zumindest Erspartes und Zulagen im Depot liegen müssen.

Altersabsicherung-Ratgeber: Rürup-Rente

Wer keine Riester-Rente abschließen darf, also vor allem Selbstständige und Freiberufler, dem bleibt die Rürup-Rente. Auch sie fördert der Staat: Sparer können gut drei Viertel ihrer Beiträge von der Steuer absetzen, allerdings nur bis zu 20.000 Euro pro Jahr bzw. 40.000 bei Verheirateten. Dafür werden die Renten, wie auch bei Riester, in der Auszahlungsphase besteuert. Ob und wann sich das Rürup-Modell lohnt, sollte ein Interessent von seinem Steuerberater durchrechnen lassen. Nach Meinung des Bundes der Versicherten rechnen sich Rürup-Renten mit ihrem strikten Regelwerk nur, wenn der Kunde sehr alt wird. Sie sind auch nicht (bzw. nur mit kostenpflichtigen Sonderregelungen) vererbbar und nicht beleihbar. Mit privaten Rentenversicherungen ohne Förderung oder Aktiensparplänen sind Selbstständige manchmal besser bedient.

Private Altersvorsorge: Immobilien

Eine vierte Säule der Altersvorsorge kann das ungeförderte Sparen in Eigenregie sein. Die Möglichkeiten sind sehr vielfältig: Wer seine Geldbörse im Alter entlasten möchte, denkt vor allem an eine Immobilie. Damit die eigene Wohnung oder das eigene Haus tatsächlich eine Erleichterung sind, sollten sie nicht nur ab Renteneintritt schuldenfrei sein, sondern auch altersgerecht gelegen, in gutem Zustand und barrierefrei nutzbar. Alternativ eignen sich Immobilien als Sachwerte auch zur Geldanlage in Form von Offenen Immobilienfonds. Der Alterssparer kann Sparpläne abschließen und damit regelmäßig Geld zurücklegen, muss aber bei höheren Summen gewisse Kündigungsfristen einhalten. 4,6 Prozent pro Jahr hätte (im Schnitt) erwirtschaftet, wer in den vergangenen 35 Jahren jeden Monat in Offene Immobilienfonds eingezahlt hätte. Geschlossene Immobilienfonds sind dagegen völlig ungeeignet für die Altersvorsorge, da der Käufer zum Mitunternehmer wird und damit das Risiko eines Totalverlusts trägt.

Private Altersvorsorge: Aktienfonds

Noch höhere Renditen erzielen Aktienfonds. Nach Statistiken des Deutschen Fondsverbands BVI warfen Fonds mit deutschen Aktien in den vergangenen 35 Jahren im Schnitt, über alle Crashs und Krisen hinweg, jedes Jahr 7,7 Prozent ab. Wer seit 1979 jeden Monat 100 Euro auf die hohe Kante gelegt hätte, könnte sich über gut 202.000 Euro freuen, nach Kosten, aber vor Steuern. Hier gilt aber auch die Formel: Je höher die Rendite, desto höher das Risiko. Eine Garantie, dass in Zukunft so hohe Renditen winken, gibt es nicht. Und: Wer in Eigenregie spart, braucht Selbstdisziplin und darf nicht dem Infarkt nahe sein, wenn sein Angespartes in den ersten Jahren zeitweise ins Minus rutscht. Geeignet fürs langfristige Aktiensparen sind eher weltweit anlegende Produkte sowie Fonds mit geringen Kosten. Vor allem jüngere Menschen, raten Verbraucherschützer, können fürs Alter zu einem großen Prozentsatz auf Aktien setzen, denn die lange Sparzeit glättet Verlustphasen und senkt damit das Risiko. Fondssparpläne bieten Banken bereits ab kleinen Summen von 25 Euro im Monat an.

Private Altersabsicherung: Rentenversicherungen

Wer auf Nummer sicher gehen will, dafür aber auch weniger Rendite in Kauf nimmt, setzt vielleicht auch außerhalb des Riester-Dachs lieber auf Rentenversicherungen. Sie garantieren dem Sparer eine bestimmte Ablaufleistung, so dass er grundsätzlich schon heute weiß, womit er in 30 oder 40 Jahren rechnen kann. Der Nachteil: Rentenversicherungen leiden unter den sehr dürren Zinsen und haben meist hohe Abschlusskosten. Dass sie von den Beiträgen in den ersten fünf Jahren abgezogen werden, mindert den Hauptvorteil langjährigen Sparens, den Zinseszinseffekt. Gerne werben manche Versicherer auch mit Rentenversprechen, in die Gewinnbeteiligungen eingeflochten sind. Anders als die Mindestverzinsung und die jährlich neu garantierte Überschussbeteiligung sind diese Leistungen jedoch nicht garantiert und könnten notfalls auch ersatzlos wegfallen. Rentenversicherungen sind auch wenig flexibel: Sie können zwar zeitweise beitragsfrei gestellt werden. Bei einer Kündigung ist, vor allem in den ersten Jahren, ein Gutteil des Geldes weg.

Private Altersvorsorge: Gold

Ein Lieblingskind vieler Menschen ist Gold. 8200 Tonnen horten die Deutschen in Schatullen, Kellern und Safes, teilweise in Form von Schmuck, teilweise als Barren oder Münzen. Als Basis für eine Alterssicherung ist das Edelmetall jedoch ungeeignet. Denn Gold wirft keine regelmäßige Rendite ab, keine Dividende und keinen Zins. Niemand weiß, wie sich der Goldkurs in den kommenden 30 oder 40 Jahren entwickeln wird. Ob er tendenziell steigt oder, wie zuletzt, gewaltig fällt, ist Glaubenssache. Geeignet ist Gold also eher als Teil einer komplexen Altersvorsorge und für Menschen mit Wunsch nach zusätzlicher Sicherheit.

Welche Form der Altersvorsorge für wen am besten geeignet ist, ist am Ende individuell zu beantworten und hängt von vielen Faktoren ab: dem Alter, dem Einkommen und damit den finanziellen Möglichkeiten, der familiären Situation, der Risikobereitschaft, den Zukunftsplänen. Oft sind Kombinationen mehrerer Modelle sinnvoll. Wer selbst nicht weiterweiß, findet unabhängige Hilfe bei den Verbraucherzentralen oder bei Honorarberatern, die gegen Stundenhonorar ein Konzept zusammenstellen. Versicherungsvertreter oder Banken beraten hingegen nicht kunden-, sondern produktorientiert und verkaufen am liebsten jene Produkte, bei denen sie die höchsten Provisionen erzielen.

Private Altersvorsorge: Die Lebensversicherung

Ein anderes probates Mittel für die Aufstockung der eigenen Rente im Alter ist die rechtzeitige Anschaffung einer Lebensversicherung als finanzielles Polster. Absolut flexible Zahlungsoptionen ermöglichen diese private Vorsorgevariante zusätzlich zur gesetzlichen Rente und so auch für den kleinen Geldbeutel möglich. Die Kondiotionen einer solchen Lebensverischerung können dabei unterschiedlich ausfallen. Bedenken sollte man generell die lange Laufzeit, die stetige Beitragszahlungen bedeuten. Löst man die Lebensversicherung bevor dem vertraglich vereinbarten Termin auf, winken hier erhebliche Einbuße. Auch die Versteuerung des ausgezahlten Geldes der Lebensversicherung ist ein Thema, welches man bei der Anschaffung einer Lebensversicherung mitdenken sollte. Bei einer Laufzeit bis zum 62. Lebensjahr muss hier beispielsweise bis zur Hälfte der Erträge versteuert werden.

Welche Vorsorge-Optionen gibt es? Hier mehr dazu.

Private Rente – hilft auch dem Staat

Wer vorsorgt, ist der Dumme – das legt ein Medienbericht über die Riester-Rente nahe. Sie wird bei geringem Verdienst auf die staatliche Grundsicherung angerechnet. Das allerdings gilt für jede private Altersvorsorge. Nicht zu sparen kann sich also lohnen.

ist Redakteurin beim SPIEGEL im Wirtschaftsressort.

Bild: Manfred Witt

Hamburg – Es ist der Horror für jeden Kleinsparer: Über Jahre und Jahrzehnte spart er sich kleine Beträge für eine private Altersvorsorge vom Munde ab – und erfährt am Ende, dass es ihm nichts bringt. Genau das drohe rund zehn Millionen Riester-Rentnern, berichtet das ARD-Magazin „Monitor“. Gerade Geringverdienern nütze das jahrelange Sparen nichts, weil die Sozialkassen die private Altersvorsorge auf staatliche Leistungen anrechne. Gewinn mache dann also der Staat, nicht der Riester-Rentner, hatte das Magazin gestern berichtet.

Grund für die pessimistische Rechnung ist ein Passus im sogenannten Altersvermögensgesetz, das die nach dem ehemaligen Arbeitsminister Walter Riester (SPD) benannte private Vorsorge regelt. Demnach werden alle Einkünfte, auch die aus privaten Alterssicherungssystemen, Erwerbstätigkeit und Zinsen oder Vermietung, auf die steuerfinanzierte Grundsicherung angerechnet. Das heißt konkret: Wer nach seiner Berufstätigkeit eine staatliche Rente bezieht, die unterhalb der Grundsicherung von rund 660 Euro liegt und deshalb zusätzliche Unterstützung aus den Sozialkassen erhält, muss sich seine Riester-Rente anrechnen lassen. Für den Rentner bedeutet das, dass er womöglich trotz Riesterente nicht mehr Geld in der Tasche hat, als der Nachbar, der ohne Riesterrente die Differenz zur Grundsicherung vom Staat erhält.

Die Bundesregierung hält jedoch wenig von der „Monitor“-Kritik – und warnt stattdessen vor „Panikmache“. Die staatlich geförderte Riester-Rente sei auch für Menschen mit geringen Einkommen attraktiv, eine anderslautende Darstellung sei verzerrend und unseriös, lies das Arbeitsministerium verlauten. Derzeit bezögen gerade mal zwei Prozent aller Menschen die Grundsicherung vom Sozialamt.

Problem schon länger bekannt

Tatsächlich ist der Vorwurf nicht neu, das Problem schon länger bekannt. So weiß auch der Finanz- und Rentenexperte Bert Rürup, der als „Vater der Riester-Rente“ gilt, um die Schwierigkeiten. „Ein Problem bei der Riester-Rente besteht darin, dass die Auszahlungen auf die Grundsicherung angerechnet werden“, sagt er in dem Beitrag von „Monitor“ – allerdings bezieht sich das nicht nur auf diese spezielle Altersvorsorge. Schon Anfang des Jahres hatte der Wirtschaftsweise für eine steuerfinanzierte Sockelrente plädiert – gerade um Geringverdienern private Altersvorsorge schmackhaft zu machen. Bei der von Rürup propagierten Sockelrente würden Erträge aus privater Altersvorsorge im Gegensatz zum heutigen Modell zur staatlichen Rente addiert.

Monatliche Rentenzahlung

Quelle: Deutsche Rentenversicherung

Ein Durchschnittsverdiener brauche heute 25 Jahre, um einen monatlichen Rentenanspruch von 660 Euro zu erwerben, bis 2030 steige diese Zahl auf 30 Jahre, rechnete Rürup damals vor. Das erhöhe nicht nur für Geringverdiener und Teilzeitbeschäftigte den Anreiz, „sich der Mitgliedschaft in der gesetzlichen Rentenversicherung zu entziehen“, weil sie im Alter sowieso Anspruch auf die 2003 eingeführte Grundsicherung hätten. Gleichzeitig schrecken viele Geringverdiener davor zurück, rechtzeitig zu sparen, kritisierte Rürup weiter, weil eigenes Einkommen – und damit auch etwaige Bezüge aus privater Altersvorsorge – bei der Grundsicherung voll angerechnet würden. „Wenn jemand damit rechnet, im Alter auf die Grundsicherung angewiesen zu sein, ist es individuell durchaus rational, nicht privat vorzusorgen.“

Riestern ab fünf Euro monatlich

Bislang aber haben sich die wenigsten von den düsteren Aussichten abschrecken lassen: 9,7 Millionen Bundesbürger haben seit der Einführung 2002 einen Riestervertrag abgeschlossen, der es ihnen ermöglicht, monatlich ab fünf Euro in eine private Rentenversicherung, einen Bankensparplan oder einen Fonds einzubezahlen. Gerade für Geringverdiener ist das Modell attraktiv, liegt die Förderquote doch bei bis zu 90 Prozent.

Momentan erhalten in den alten Bundesländern 23,9 Prozent aller Männer und 66,4 Prozent aller Frauen eine staatliche Rente, die unter 600 Euro liegt. Im Osten sind das 6,3 Prozent der Männer und 35,7 Prozent der Frauen. In Zukunft wird sich die Rate allerdings drastisch erhöhen, wie eine Studie aus dem Arbeitsministerium und der Deutschen Rentenversicherung belegt, die im November bekannt wurde. Danach werden die rot-grünen Rentenreformen das gesetzliche Altersniveau in den nächsten zwei Jahrzehnten empfindlich drücken.

Außerdem führe die Massenarbeitslosigkeit der vergangenen Jahre dazu, dass die nächste Rentner-Generation im Schnitt weniger Beitragsjahre aufzuweisen hat, als die heutige – und das vor allem in Ostdeutschland, wo die Renten bislang noch relativ hoch ausfallen. Bei alleinstehenden Frauen etwa ermittelten die Forscher Kürzungen von bis zu 14 Prozent im Westen und 23 Prozent im Osten. Hunderttausende künftige Seniorinnen würden auf Sozialhilfe abrutschen.

Eine Altersvorsorge außerhalb des staatlichen Rentensystems wird also wichtiger denn je, egal ob Riester oder ein anderes Modell. „Wer privat vorsorgen will, für den ist Riester immer noch erste Wahl“, sagt Hermann-Josef Tenhagen, Finanzexperte bei der Stiftung Warentest. Die Aufregung um die Anrechnung auf die Grundsicherung versteht er nicht ganz: „Das Problem ist seit Jahren bekannt.“ Er werde ja nicht nur die Riester-Rente in die Grundsicherung eingerechnet, sondern auch Einnahmen aus Arbeit, Mieteinnahmen oder das „Häuschen der Oma“. „Ob sich eine Riester-Rente individuell lohnt, muss deshalb immer individuell berechnet werden.“

Geradezu entsetzt über die Vorwürfe ist allerdings der Mann, nach dem die Riester-Rente benannt worden ist: „Schlicht eine Katastrophe“ sei der Eindruck, den „Monitor“ mit seinem Beitrag erwecke, sagt Walter Riester. „Damit redet man den Leuten ein, es lohne sich, auf eine private Altersvorsorge zu verzichten.“

Zwar bestreitet auch Riester nicht, dass künftig die Zahl der Geringverdiener steigen und die staatlichen Renteneinnahmen dadurch geringer werden könnten. „Aber darauf zu setzen, dass man dass man ein Sozialfall wird, halte ich für fatal.“

Dabei gibt es noch ein ganz anderes Szenario, das Rentenexperten derzeit Sorgen bereitet: Die Angst vor der Methode „Florida-Rolf“. Das, so erklärt ein Experte SPIEGEL ONLINE, bedeute, erst mal eine Riester-Rente abzuschließen. Wenn man dann aber kurz vor dem Renteneintritt merke, dass diese nichts bringe, weil man sowieso die staatliche Grundsicherung beziehe, könne man den Vertrag wieder auflösen. „Man muss zwar die staatlichen Zuschüsse zurückzahlen, hat dann immer noch ein gut verzinstes Guthaben. Das wird – im Unterschied zu Tagesgeld – im Sozialfall nicht angerechnet.“

Private Vorsorge: Schlecht versorgt mit Riester-Rente

Private Vorsorge : Schlecht versorgt mit Riester-Rente

Die Geldanlage fürs Alter ist derzeit eine besondere Herausforderung: Turbulenzen an den Börsen, wankende Banken und verschuldete Staaten bedrohen das Ersparte. Die Riester-Rente erscheint da auf den ersten Blick attraktiv. Aber Vorsicht: Trotz Förderung werden die meisten Riester-Sparer nur auf geringe Renditen kommen.

Wer im Alter Einkommenseinbußen verhindern will, muss privat vorsorgen. Aber lohnt die staatlich geförderte Riester-Rente?

Geringe Beiträge, staatliche Zulagen und Steuervorteile über Jahrzehnte, am Ende eine lebenslange Rente – eigentlich sind die Zutaten für die vor zehn Jahren von Ex-Arbeitsminister Walter Riester erfundene private Altersvorsorge nahezu perfekt. Das denken wohl die 14,8 Millionen Deutschen, die seit 2001 einen Riester-Vertrag abgeschlossen haben.

Doch inzwischen wachsen in der Bevölkerung die Zweifel, ob die Riester-Rente hält, was sie verspricht: Nach starken Zuwächsen in den ersten Jahren stagniert die Zahl der Vertragsabschlüsse. Im ersten Halbjahr erhöhte sich die Zahl der Riester-Sparer nur um 409 000. Im gesamten Jahr 2010 kamen noch dreimal so viele neue Verträge hinzu. Nach einer Studie des Sparkassen- und Giroverbands haben aktuell 45 Prozent aller Riester-Berechtigten, vor allem alle Pflichtversicherten in der Rentenversicherung, tatsächlich einen solchen Vertrag abgeschlossen – genauso viele wie im Vorjahr. Die wachsende Skepsis gegenüber dem Riester-Modell, die aus diesen Zahlen spricht, ist berechtigt. Denn die staatliche geförderte Altersvorsorge entpuppt sich bei genauem Hinsehen nicht als der viel gepriesene wertvolle Zusatzbaustein, um die magere gesetzliche Rente aufzubessern.

Vielmehr hängt es von den Lebensumständen und – wie bei anderen Rentenversicherungen auch – letztlich von der Lebensdauer ab, ob sich Riestern jemals rechnet. Denn trotz Förderung müssen Sparer oft erst ein fast schon biblisches Alter von über 90 Jahren erreichen, um auf eine auskömmliche Rendite nach Steuern zu kommen und wenigstens die Inflation, aktuell etwa 2,6 Prozent pro Jahr, zu schlagen. „Gerade die komplizierten Regeln der Riester-Rente haben den Anbietern geholfen, das zu verschleiern“, sagt Stefanie Kühn, Honorarberaterin aus Grafing.

Einzelfall entscheidet

Klarheit gibt nun eine Studie, die das unabhängige Institut für Vorsorge und Finanzplanung exklusiv im Auftrag der WirtschaftsWoche erstellt hat. Die Experten haben analysiert, wie hoch die Renditen der Riester-Sparer in sechs verschiedenen Musterfällen am Ende tatsächlich ausfallen. Außerdem hat das Institut einige Sonderfälle ausgewertet, etwa die Auszahlung des Guthabens auf einen Schlag zu Rentenbeginn, und ist dabei zu überraschenden Ergebnissen gekommen. Zudem liefert ein Vergleich von 42 aktuellen Riester-Rentenversicherungen Sparern wertvolle Hinweise zu Versicherern mit akzeptablen Renditen. Das Fazit: Erst der Blick auf den Einzelfall – Mann oder Frau, alt oder jung, gut verdienend oder nicht – und die Betrachtung von Anspar- und Rentenphase zeigen, wie viel Rendite die Riester-Rente bringen kann und ob der Abschluss lohnt.

Lange Zeit war die Riester-Rente der Liebling der Finanzberater in Deutschland. Ihr leichtes Opfer waren Berufseinsteiger, aber auch langjährige Angestellte, die endlich etwas für ihre Altersvorsorge tun wollten. Und die von einer neuen Form der Geldanlage gehört hatten: Riester.

„Das Zusammenspiel aus staatlicher Zulage und steuerlichem Vorteil hat es Beratern besonders leicht gemacht, Kunden zum Riestern zu bewegen“, sagt Beraterin Kühn. „Bei vielen Menschen setzte sich der Eindruck fest, dass man blöd wäre, das nicht mitzunehmen.“ Die komplizierten Regeln der Riester-Rente aber durchschaute kaum jemand: Erst im April forderte der Staat von Riester-Sparern 500 Millionen Euro wegen zu Unrecht kassierter Förderung zurück. Diese hatten zu wenig in ihre Verträge eingezahlt, oft ohne es zu ahnen. Im Mai kündigte die Regierung dann flugs eine Regeländerung an. Sie will den betroffenen Sparern nun die Nachzahlung von Beiträgen zum Jahresanfang 2012 ermöglichen. So soll die staatliche Förderung noch gerettet werden.

Zulage vom Staat

Grafik: Kaum noch neue Riester-Sparer.

Über den langfristigen Erfolg der Riester-Rente wird aber nicht ihr Regelwerk entscheiden, sondern die Rendite. Nur wenn Riester-Sparer besser als mit anderen Geldanlagen fürs Alter vorsorgen und mit ihrer staatlich geförderten Zweitrente auf höhere Renditen kommen, werden sich wieder mehr Deutsche bei den Beratern der Banken und Versicherer einfinden.

Bevor es mit dem Riestern losgeht, müssen Sparer sich entscheiden. Die Förderung gibt es für Rentenversicherungen, für Bank- oder Fondssparpläne, Bausparverträge oder einen Kredit für die selbst genutzte Immobilie (Wohn-Riester). Alle Riester-Anbieter, die Kredit-Variante ausgenommen, müssen garantieren, dass zu Rentenbeginn zumindest die Summe aus eingezahlten Eigenbeiträgen und staatlichen Zulagen auf dem Sparkonto vor‧handen ist. Aus diesem Riester-Guthaben fließt dann in der Regel eine lebenslange Rente.

Sparer erhalten vom Staat jedes Jahr eine Zulage, außerdem können sie ihre Beiträge von der Steuer absetzen. Aber Vorsicht: Der Fiskus zieht vom rechnerischen Steuervorteil (persönlicher Steuersatz multipliziert mit dem Riester-Sparbeitrag) die ausgezahlten Zulagen ab. Jeder Riester-Kunde bekommt maximal 154 Euro Grundzulage pro Jahr. Um die ungekürzte Grundzulage zu erhalten, muss der Sparer aber inklusive staatlicher Zuschüsse vier Prozent seines Vorjahres-Bruttoeinkommens einzahlen – mindestens 60 Euro, maximal 2100 Euro. Neben der Grundzulage steuert der Staat jedes Jahr pro Kind noch 185 Euro bei – für seit Anfang 2008 geborene Kinder sogar 300 Euro. Diese Extrazulage fließt, solange Anspruch auf Kindergeld besteht.

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    Источники: http://m.tagesspiegel.de/gesetzlich-und-private-altersvorsorge-welche-optionen-zur-altersvorsorge-gibt-es/10988446.html, http://m.spiegel.de/wirtschaft/riester-rente-in-der-kritik-private-rente-hilft-auch-dem-staat-a-528128.html, http://www.wiwo.de/finanzen/vorsorge/private-vorsorge-schlecht-versorgt-mit-riester-rente/5758918.html

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