Rente kirchensteuer

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Letztes Mittel: Austritt Wie kann man Kirchensteuer sparen?

Letztlich ist es oft die Kirchensteuer, die Karteileichen zum Austritt bewegt.

Rund 11 Milliarden Euro Steuern haben die beiden großen Kirchen in Deutschland im letzten Jahr eingenommen. Und das, obwohl die Mitgliedszahlen stetig sinken. Wie hoch ist eigentlich die Kirchensteuer? Und wie kann man sie drücken?

Evangelisch, katholisch oder muslimisch? Die meisten Menschen suchen sich ihre Religion nicht aus, sondern werden getauft oder hineingeboren – oder eben nicht. In den ostdeutschen Bundesländern stellen die Konfessionslosen die absolute Mehrheit, bundesweit gehören aber immer noch rund 60 Prozent der Bevölkerung einer christlichen Kirche an, das sind gut 48 Millionen Menschen. Egal ob sie regelmäßig zum Gottesdienst gehen oder sich längst vom Glauben abgewandt haben: Wenn sie genug Geld verdienen, müssen sie Kirchensteuer zahlen. Aber wieviel? Kann man die Steuer umgehen oder wenigstens drücken? Und stimmt es, dass auch Nicht-Mitglieder zur Kasse gebeten werden können? Die wichtigsten Fragen im Überblick:

Wer muss zahlen?

Grundsätzlich dürfen alle Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaften in Deutschland Kirchensteuer erheben, wenn sie als Körperschaften des öffentlichen Rechts anerkannt sind. Das heißt aber nicht, dass sie es auch tun. Die evangelischen Freikirchen verzichten beispielsweise ebenso auf die Steuer wie die orthodoxen Kirchen, die Alevitische Gemeinde oder die Zeugen Jehovas. Sie setzen stattdessen auf freiwillige Mitgliedsbeiträge. Die großen Kirchen sowie die Jüdischen Gemeinden in Deutschland greifen dagegen auf das "Einzugsangebot" vom Staat zurück.

Zahlen muss jedes Mitglied, das überhaupt Einkommen zu versteuern hat. Bei Einkünften unter dem Grundfreibetrag von 8652 Euro bleibt man also in der Regel unbehelligt. Ansonsten wird die Kirchensteuer bei Arbeitnehmern direkt vom Gehalt abgezogen. Bei Kapitalerträgen führen die Banken sie ans Finanzamt ab, wenn man nicht ausdrücklich widerspricht. Selbständige werden normalerweise über die Einkommensteuervorauszahlungen zur Kasse gebeten.

Zahlen auch Nicht-Mitglieder?

Es gibt in der Tat Fälle, in denen auch Konfessionslose im Auftrag der Kirchen zur Kasse gebeten werden. Bei Minijobs zum Beispiel. Hier führt der Arbeitgeber pauschal zwei Prozent Steuern auf das Gehalt ab, das er brutto für netto auszahlt. Und mit diesen zwei Prozent sind nicht nur Einkommensteuer und Solidaritätszuschlag abgegolten, sondern auch die Kirchensteuer. Auch, wenn der Mitarbeiter gar nicht in der Kirche ist.

Eine weitere Möglichkeit ist das sogenannte besondere Kirchgeld für glaubensverschiedene Ehen. Es fällt an, wenn ein Paar das Ehegattensplitting nutzt und der besserverdienende Partner konfessionslos ist. Verdient der andere wenig oder nichts, wird das Einkommen des Nicht-Mitglieds zur Kirchensteuerberechnung herangezogen. Das besondere Kirchgeld wird aber nicht überall von allen Kirchen erhoben.

Wie hoch ist die Kirchensteuer?

Bemessungsgrundlage für die Kirchensteuer ist nicht das Einkommen, sondern die Einkommensteuer. In den meisten Bundesländern gehen neun Prozent der Einkommensteuer an die Kirche, in Bayern und Baden-Württemberg sind es acht Prozent, hier überweisen die Mitglieder aber noch ein einkommensabhängiges Ortskirchgeld an ihre Gemeinden. Ein Single mit 30.000 Euro Jahresbruttoeinkommen zahlt zwischen 300 und 340 Euro Kirchensteuer im Jahr. Bei 70.000 Euro Jahresbrutto macht die Kirchensteuer je nach Bundesland rund 1350 bis 1500 Euro aus.

Jedes Jahr treten etwa 450.000 Menschen aus der Kirche aus.

Kann man die Kirchensteuer kürzen?

Da die Kirchensteuer an die Einkommensteuer gekoppelt ist, richtet sie sich automatisch nach der finanziellen Leistungsfähigkeit. Ermäßigungen für Härtefälle sind deshalb nicht vorgesehen. Arbeitslose sind von der Kirchensteuer aber grundsätzlich befreit. Rentner zahlen – wie alle anderen – nur, wenn ihre Einkünfte hoch genug sind.

Rabatt kann es aber doch geben, und zwar bei besonders hohen Einkommen. Stichwort: "Kappungsgrenze". Um zu verhindern, dass Menschen mit besonders hohem Einkommen aus der Kirche austreten, können diese die Steuer fast überall auf einen bestimmten Prozentsatz des Einkommens beschränken. Je nach Bundesland und Kirche liegt die Grenze zwischen 2,75 und 4 Prozent des Einkommens. Lieber nehmen die Kirchen eben etwas weniger Steuern ein, als überhaupt keine. Nur in Bayern gibt es keine Obergrenze, zumindest nicht offiziell. Es steht den Gemeinden aber frei, ihren Mitgliedern einen Teil der Steuer zu erlassen. In Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz , Hessen und dem Saarland muss man die Kappung erst beantragen, in den anderen Ländern wird sie automatisch berücksichtigt.

Auch bei Abfindungen lassen die Kirchen oft mit sich reden. Die Kirchensteuerämter sind verpflichtet, Anträge auf Steuerbefreiung sorgfältig zu prüfen. Meistens wird bei Abfindungen die Hälfte der Steuer erlassen.

Kann man sich die Steuer zurückholen?

Gezahlte Steuern von der Steuer absetzen? Das geht. Die Kirchensteuer zählt zu den Sonderausgaben. Wie Spenden an wohltätige Organisationen mindert auch die Abgabe an die Kirche in voller Höhe das zu versteuernde Einkommen. Kirchensteuer, die auf Kapitalerträge anfällt, wird hier aber nicht berücksichtigt.

Und wenn man partout keine Kirchensteuer zahlen will?

Wenn man genug verdient, um Steuern zu zahlen, gibt es nur einen Weg, die Kirchensteuer zu umgehen: Aus der Kirche austreten. Hat man ohnehin keinen Bezug zum Glauben, ist das naheliegend. Viele Menschen bleiben der Kirche treu, obwohl sie mit ihr eigentlich nichts mehr zu tun haben. Das hat sicher nicht nur folkloristische Gründe, sondern auch organisatorische, der Austritt funktioniert nämlich nicht bequem per Mausklick. Man muss zum Standesamt oder zum zuständigen Amtsgericht gehen und bekommt dort ein Austrittsformular. Begründen muss man den Austritt nicht, aber bezahlen. Je nach Bundesland werden zwischen zehn und über 30 Euro fällig.

Der Austritt wird entweder schon im Folgemonat wirksam oder einen Monat später. Das ist dann auch der Zeitpunkt, ab dem die Kirchensteuer wegfällt. Der Arbeitgeber wird darüber vom Bundeszentralamt für Steuern informiert. Selbständige sollten ihren Austritt ans Finanzamt melden und um eine Neuberechnung der Steuervorauszahlungen bitten.

Ganz wichtig ist es, die Bestätigung über den Kirchenaustritt aufzubewahren. Denn manchmal speichert das Bundeszentralamt für Steuer falsche Angaben. Wer den Austritt im Zweifelsfall nicht nachweisen kann, muss womöglich rückwirkend Steuern zahlen.

Gutes tun auch ohne Kirche?

Auch wenn nur ein Bruchteil der Kirchensteuer in karitative Projekte fließt, haben viele Kirchenmitglieder das Gefühl, mit ihrer Steuer etwas "Gutes" zu unterstützten. Nach dem Austritt bietet es sich natürlich an, die gesparte Steuer oder einen Teil von ihr in andere wohltätige Projekte zu investieren. Angenehmer Nebeneffekt: Auch Spenden lassen sich von der Steuer absetzen. Damit es nicht bei dem hehren Vorhaben bleibt, muss man sich natürlich auch kümmern.

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Fragen und Antworten zur Kirchensteuer

Fragen zur Kirchensteuer? Hier gibt’s die Antworten!

Bild: (c) iStockPhoto / Ivan Stevanovic

Hier finden Sie Antworten auf die häufigsten Fragen zum Thema Kirchensteuer. Für weitere Auskünfte wenden Sie sich bitte an das für Sie zuständige Kirchensteueramt.

Kirchensteuern sollen, je nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit des Einzelnen, die Glaubensgemeinschaft aktiv fördern. Sie sind ein Beitrag der Mitglieder zur gemeinsamen Erfüllung der kirchlichen Aufgaben. Deswegen wird die Höhe der Kirchensteuer auf der Grundlage der Einkommen- beziehungsweise der Lohnsteuer der einzelnen Mitglieder berechnet.

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Wer wird zur Kirchensteuer herangezogen?

Die Höhe der Kirchensteuer wird auf der Grundlage der Einkommen- beziehungsweise der Lohnsteuer der einzelnen Mitglieder berechnet. Wer keine Lohn- oder Einkommensteuer abführen muss – zum Beispiel Nicht-Erwerbstätige, Rentner und Arbeitslose – zahlt in der Regel auch keine Kirchenlohn- respektive Kircheneinkommensteuer. Selbstverständlich können auch diese Kirchenmitglieder dennoch die Leistungen der Kirche in vollem Umfang in Anspruch nehmen.

Ab wann werde ich kirchensteuerpflichtig, wann endet diese Pflicht?

Mit der Taufe, dem Kircheneintritt oder dem Zuzug ist ein Kirchenmitglied zu Beginn des folgenden Monats kirchensteuerpflichtig. Beim Kirchenaustritt endet die Kirchensteuerpflicht mit dem Anfang des nächsten Kalendermonats nach dem Monat, in dem der Austritt beim Standesamt der Wohnsitzgemeinde erklärt wurde.

Wer zahlt Kirchensteuer bei konfessionsgleicher Ehe?

In einer konfessionsgleichen Ehe gehören beide Ehegatten derselben steuererhebenden Kirche in einem Bundesland an. Das bedeutet, dass beispielsweise beide evangelisch und in Bayern gemeldet sind. Die Berechnung der Kirchensteuer ist davon abhängig, ob die Eheleute zusammen oder getrennt veranlagt werden. Bei einer Zusammenveranlagung wird die Kirchensteuer auf Basis der gemeinsamen Einkommen- beziehungsweise Lohnsteuer beider Partner ermittelt. Bei getrennter Veranlagung wird die jeweilige Kirchensteuer aus der Einkommensteuerschuld eines jeden Ehegatten errechnet. Sonderausgaben wirken bei demjenigen steuerlich begünstigend, der sie geleistet hat.

Wer zahlt Kirchensteuer bei konfessionsverschiedener Ehe?

Eine konfessionsverschiedene Ehe ist gegeben, wenn die Ehegatten im selben Bundesland gemeldet sind, aber verschiedenen steuerberechtigten und steuererhebenden Religionsgemeinschaften angehören. Beispielsweise ist ein Partner evangelisch, der andere römisch-katholisch.

Für zusammen veranlagte Ehepaare gilt in Bayern seit 1995 im Gegensatz zu anderen Landeskirchen ebenfalls der Grundsatz der Individualbesteuerung.

Bei dieser berechnet sich die Kirchensteuer für jede der beteiligten Kirchen nur noch aus dem Teil der gemeinsamen, gegebenenfalls um den Kinderfreibetrag gekürzten Einkommensteuer, die auf den einzelnen Ehegatten entfällt. Dazu wird die gemeinsame Einkommensteuerschuld im Verhältnis der Einkünfte der Ehegatten aufgeteilt. Von der Individualsteuer profitieren alle, die Kinder erziehen, sowie Paare mit geringem oder mittlerem Einkommen.

Wer zahlt Kirchensteuer bei glaubensverschiedener Ehe?

Um eine glaubensverschiedene Ehe handelt es sich, wenn nur ein Ehepartner Mitglied einer steuererhebenden Kirche oder Religionsgemeinschaft ist. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn ein Ehepartner Mitglied der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und der andere konfessionslos, freikirchlich-evangelisch oder Moslem ist. Die Bezeichnung ‚glaubensverschiedene’ Ehe ist von der Rechtsprechung geprägt und ausschließlich im steuerrechtlichen Zusammenhang zu verstehen.

In einer glaubensverschiedenen Ehe, in der der kirchenangehörige Ehepartner ein zu versteuerndes Einkommen hat, gilt – wie bei der konfessionsverschiedenen Ehe – das Prinzip der Individualbesteuerung. Es wird das besondere Kirchgeld erhoben. Weitere Informationen zum Besonderen Kirchgeld als PDF.

Ich bin arbeitslos. Muss ich dennoch Kirchensteuer zahlen?

Wenn Sie aufgrund anderer Einkünfte (wie etwa Vermietung, Kapitalerträge) Einkommensteuer bezahlen müssen, dann besteht auch Kirchensteuerpflicht.

Unter welchen Voraussetzungen kann mir Kirchensteuer erlassen werden?

Die Kirchensteuerverwaltung muss sich an staatliche und kirchliche Gesetze halten. Nach §227 Abgabenordnung besteht ein enger Spielraum für den Erlass der Kirchensteuer, wenn deren Einziehung nach Lage des einzelnen Falls unbillig wäre.

Müssen Rentner Kirchensteuer zahlen?

Wer als Rentnerin oder Rentner im Ruhestand ist, muss in der Regel keine Kirchensteuern entrichten. Ausgenommen sind diejenigen, die Einkommensteuer zahlen, weil sie über weitere Einkünfte verfügen. Die Einkünfte können beispielsweise aus Zinserträgen oder Vermietungen stammen. Dann fällt wie üblich Kirchensteuer, angelehnt an die Einkommensteuer, an.

Ich bin umgezogen. Worauf muss ich achten?

Wohnsitzwechsel innerhalb Bayerns: Bei Umzug innerhalb Bayerns ändert sich spürbar nichts, auch wenn unter Umständen ein anderes Kirchensteueramt zuständig sein wird. Die entsprechenden Daten werden automatisch weiter gegeben.

Wohnsitzwechsel innerhalb Deutschlands: Bei Umzug in ein anderes Bundesland kommt es zu einem Wechsel der steuerberechtigten Landeskirche. Die jeweiligen Kirchen nehmen die Besteuerung im Jahr des Umzugs je nach der Aufenthaltsdauer anteilig vor.

In der bayerischen, der badischen und derВ württembergischen LandeskircheВ beträgt die Kirchensteuer acht Prozent, in den übrigen Landeskirchen neun Prozent von der Einkommen- beziehungsweise Lohnsteuer. Einschließlich des Zuzugsmonats nach Bayern wird die Kirchensteuer nach dem am bisherigen Wohnort geltenden Hebesatz berechnet.

Eine evangelische Ärztin, die am 12. Mai von Frankfurt nach München umzieht, zahlt einschließlich des Zuzugsmonats Mai neun Prozent Kirchensteuer an die Evangelische Kirche in Hessen-Nassau und ab dem Kalendermonat Juni acht Prozent Kirchensteuer an die bayerische Landeskirche.

Für jeden Umzug gilt: Bei Neuanmeldungen muss darauf geachtet werden, dass die Religionszugehörigkeit korrekt vermerkt ist. Es könnte sonst der Fall eintreten, dass die Mitgliedschaft zur Kirche erst später festgestellt wird und Kirchensteuern rückwirkend bis zum Zuzugsdatum nachgezahlt werden müssen.

Ich gehe beruflich ins Ausland. Bin ich weiterhin kirchensteuerpflichtig?

Wird der Wohnsitz im Gebiet einer steuerberechtigten Religionsgemeinschaft aufgegeben, endet die Steuerpflicht am Ende des Kalendermonats. Steuerpflichtige Kirchenmitglieder, die nur vorübergehend ins Ausland ziehen, behalten ihre Mitgliedschaft bei. Für die Zeit des Auslandsaufenthalts zahlen sie keine Kirchensteuer. Erst bei ihrer Rückkehr werden ihre Rechte und Pflichten als Kirchenmitglieder wieder aktiviert.

Deutsche Auslandsbeamte sind unbeschränkt einkommensteuerpflichtig, aber nicht kirchensteuerpflichtig, wenn sie ihren Wohnsitz im Ausland haben. Angehörige der Bundeswehr gehören zur Landeskirche ihres Wohnsitzes. Sie sind damit kirchensteuerpflichtig.

Zuzug aus dem Ausland: Wer in Deutschland seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt (zeitlich zusammenhängender Aufenthalt von mehr als sechs Monaten an einem Ort) hat und einer steuerberechtigten Religionsgemeinschaft angehört, ist kirchensteuerpflichtig. Die Staatsangehörigkeit spielt keine Rolle. Die Steuerpflicht hängt davon ab, ob das Bekenntnis der Kirche im Ausland mit einer der am neuen Wohnsitz steuerberechtigten Religionsgemeinschaften identisch oder verwandt ist. Ob gegenüber der früheren Kirche eine Kirchensteuerpflicht bestand, hat keine Auswirkungen. Jede Kirche regelt unabhängig voneinander ihr Beitragssystem.

Diese Fragen und Antworten sollen Ihnen einen allgemeinen Rahmen aufzeigen. Jede Kirchenmitgliedschaft ist individuell, und so ist auch Ihr Mitgliedsbeitrag individuell bemessen. Ob diese Angaben auf Ihren Fall und Ihre Kirchensteuerberechnung zutreffen, das können Ihnen die Mitarbeitenden der Kirchensteuerämter sagen. Bitte wenden Sie sich an das für Sie zuständige Kirchensteueramt.

11.02.2016 / Andrea Seidel

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Letzte Aktualisierung: Freitag, 1. Dezember 2017 17:45

© 2017 Evangelisch Lutherische Kirche in Bayern

Wann muss ich als Rentner Steuern zahlen? Und wie viel?

Sobald Sie als Rentner mit Ihrem Einkommen Гјber dem steuerfreien Grundfreibetrag liegen, mГјssen Sie Steuern zahlen. Immerhin: Ihnen steht ein sogenannter Rentenfreibetrag zu.

Seit 1. Januar 2005 ist das AlterseinkГјnftegesetz in Kraft. Demnach gilt bei Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung die nachgelagerte Besteuerung, auch Rentensteuer genannt.

Wie viel Rente Sie tatsächlich versteuern müssen, hängt ausschließlich vom Jahr Ihres Renteneintritts ab:

  • Wer 2005 und frГјher in Rente gegangen ist, muss 50 Prozent seiner Rente versteuern;
  • ab 2006 sind 52 Prozent der Rente steuerpflichtig;
  • ab 2007 sind es 54 Prozent;
  • ab 2010 sind es 60 Prozent;
  • ab 2015 sind es 70 Prozent;

Aktuell mГјssen Rentner also nur einen Teil der Rente versteuern. Der Teil der Rente, der nicht versteuert werden muss, wird Rentenfreibetrag genannt. Das sind 2017 immerhin 26 Prozent der Rente. Der Rentenfreibetrag richtet sich Гјbrigens nur nach dem Jahr Ihres Rentenbeginns.

Im Klartext: Wer bereits 2004 in Rente gegangen ist, hat einen Rentenfreibetrag von 50 Prozent der Jahresbruttorente 2005. Der Rentenfreibetrag ist ein fester Eurobetrag, der in den Folgejahren unverГ¤ndert bleibt – auch wenn die Rente durch Rentenanpassungen steigt.

Auch derВ Bundesfinanzhof (BFH) hГ¤lt die Besteuerung von gesetzlichen Altersrenten fГјr verfassungskonform. In mehreren Urteilen kamen die obersten Richter zu dem Schluss, dassВ durch die Rentenbesteuerung grundsГ¤tzlichВ keine verfassungswidrige Doppelbesteuerung vorliegt.В

Wann muss ich als Rentner eine Steuererklärung abgeben?

Sie als Rentner müssen dann eine Steuererklärung abgeben, wenn Ihre Jahreseinnahmen über dem Grundfreibetrag liegen. Dieser Grundfreibetrag wird vom Gesetzgeber immer mal wieder angepasst, hier eine Übersicht der letzten Jahre:

Wichtig: Jeder Rentner muss eine Steuererklärung abgeben, wenn das Finanzamt ihn dazu auffordert. Anderslautende Mitteilungen des Finanzamts vor 2005 sind durch das Alterseinkünftegesetz hinfällig. Unser Rat: Erhalten Sie eine entsprechende Aufforderung vom Finanzamt, sollten Sie zügig reagieren. Das Finanzamt wird sonst Ihre steuerliche Situation schätzen – und das kann zu empfindlichen Steuernachzahlungen führen. Abhängig von der Höhe der Nachzahlungen kann außerdem ein Verspätungszuschlag oder Zwangsgeld festgesetzt werden.

Einen schnellen Гњberblick gibt Ihnen auch unser Video zum Thema Rente und Steuern:

Welche Steuersätze gelten für mich als Rentner?

In Deutschland wird die Einkommensteuer nach dem progressiven Steuersatz berechnet. FГјr Rentner wie fГјr Arbeitnehmer heiГџt das: Je hГ¶her das Einkommen, desto hГ¶her ist der Steuersatz.В

Sie als alleinstehender Rentner mГјssen keine Einkommensteuer zahlen. Ehepaare in Rente zahlen keine Einkommensteuer bei einem Jahreseinkommen von bis zu 17.640 Euro.

  • 8.821 Euro bis 13.469 Euro Jahreseinkommen

    Sie als alleinstehender Rentner mГјssen mit einer Einkommenssteuer zwischen einem Prozent und 7,2 Prozent rechnen. FГјr Ehepaare in Rente gilt der gleiche Steuersatz bei doppelt so hohem Jahreseinkommen.

  • 13.470 Euro bis 52.881 Euro Jahreseinkommen

    Sie als alleinstehender Rentner zahlen zwischen 7,2 undВ 26,5 Prozent Einkommensteuer. FГјr Ehepaare in Rente gilt der gleiche Steuersatz bei doppelt so hohem Jahreseinkommen.

  • 52.882 Euro bis 250.730 Euro Jahreseinkommen

    Sie als alleinstehender Rentner mГјssen 26,5 bis 38,7 Prozent Einkommensteuer zahlen. FГјr Ehepaare in Rente gilt der gleiche Steuersatz bei doppelt so hohem Jahreseinkommen.В

  • Ab 250.731 Euro Jahreseinkommen

    Sie als alleinstehender Rentner zahlen den Spitzensteuersatz von 45 Prozent. Ehepaare in Rente mГјssten ein Jahreseinkommen von mehr als 501.462 Euro beziehen, um den Spitzensteuersatz von 45 Prozent zu zahlen.

  • Ein Beispiel: Walter bekommt aktuell 18.000 Euro Rente im Jahr. Weil er 2005 in Rente gegangen ist, muss er 50 Prozent davon versteuern. Das sind 9.000 Euro. Walter und seine Ehefrau haben keine weiteren Einnahmen und liegen damit unter dem jГ¤hrlichen Grundfreibetrag von 17.640 Euro fГјr Ehepaare. Sie mГјssen keine Einkommensteuer zahlen.

    WГ¤re Walter unverheiratet, wГјrde er mit 9.000 Euro zu versteuernder Jahresrente knapp Гјber dem Grundfreibetrag von 8.820 Euro fГјr Singles liegen. FГјr 180В Euro mГјsste Walter Einkommensteuer zahlen, also ungefГ¤hr zwischen einem und 7 Prozent. (Ein Hinweis zu unserem Beispiel: RentenanpassungsbeitrГ¤ge bleiben hier unberГјcksichtigt.)В

    Stirbt die Ehefrau von Walter, so wird ihm im Todesjahr noch der doppelte Grundfreibetrag gewährt. Das gilt auch für das Folgejahr – erst im zweiten Jahr nach dem Tod des Ehepartners wird Walter vom Finanzamt einzeln veranlagt. Für ihn gilt dann nur noch der einfache Grundfreibetrag von 8.820 Euro.

    Dank RentenerhГ¶hung plГ¶tzlich steuerpflichtig – was nun?

    Jedes Jahr zum 1. Juli legt die Bundesregierung die Anpassung der Renten fest. So wurden im vergangenen Jahr 2015 die Renten um etwa 2 Prozent erhГ¶ht. Auch 2016В durften sich die RuhestГ¤ndler freuen: Zum Juli konnten sie mit etwa fГјnf Prozent mehr rechnen – das ist das stГ¤rkste Rentenplus seit 23 Jahren. Einige Rentner fГјrchten nun, dass sie durch die RentenerhГ¶hung plГ¶tzlich Steuern zahlen mГјssen. Doch diese Sorge ist meistens unbegrГјndet.В

    Ein Beispiel: Bernhard ist Single, wohnt in Mannheim und bekommt 1.400 Euro Rente im Monat. Da er vor 2005 in Rente gegangen ist, muss er 50 Prozent seiner Rente versteuern, also 700 Euro. Das sind 8.400 Euro im Jahr. Damit liegt er 2015 eigentlich unter dem Grundfreibetrag von 8.472 Euro. Er muss keine Steuern zahlen. (Ein Hinweis zu unserem Beispiel: RentenanpassungsbeitrГ¤ge bleiben hier unberГјcksichtigt.)В

    Im Sommer 2015 wurden jedoch die Renten für die alten Bundesländer um 2,1 Prozent angehoben (neue Bundesländer 2,5 Prozent). Mit der Rentenerhöhung bekommt Bernhard nun 29,40 Euro mehr, also insgesamt 1.429,40 Euro im Monat. Damit steigt sein Jahreseinkommen auf 16.976,40 Euro:

    Jan. – Juli: 1.400,00 Euro Rente x 6 = 8.400,00 Euro

    Juli – Dez.: 1.429,40 Euro Rente x 6 = 8.576,40 Euro

    8.400,00 Euro + 8.576,40 Euro = 16.976,40 Euro – 8.400 Euro (steuerfreier Teil) = 8.576,40 Euro

    Bernhard übersteigt den Grundfreibetrag 2015 nun um 104,40 Euro. Damit ist er zunächst zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet. Es bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass Bernhard auch Steuern zahlen muss, denn von seinen Jahreseinnahmen kann er jetzt noch beispielsweise Krankheitskosten, Spenden und sogar Werbungskosten abziehen.

    Muss ich als Rentner zusätzliche Einnahmen versteuern?

    Ja, egal ob Sie eine gesetzliche Altersrente oder andere gesetzliche Renten beziehen – auf zusätzliche Einkünfte sind Steuern fällig, sobald Sie mit Ihrem Einkommen als Alleinstehender über 8.652 Euro im Jahr liegen. Wie hoch die Steuern tatsächlich sind, hängt dabei auch von der Art der Einkünfte ab. Denn Einnahmen aus selbständiger oder nicht selbständiger Arbeit, aus Vermietung und Verpachtung, aus privaten Renten oder Kapitaleinnahmen werden steuerlich unterschiedlich behandelt.

    Welche Steuervorteile gibt es fГјr Rentner?

    Unabhängig davon, ob Sie Ihre Rente finanziell aufbessern wollen oder neu in Rente gehen, in den kommenden Jahren müssen immer mehr Ruheständler auf Ihre Rente Steuern zahlen. Doch genau wie Arbeitnehmer können auch Sie als Rentner Ihr zu versteuerndes Einkommen senken, etwa mit sogenannten Freibeträgen. Hier ein Überblick über die wichtigsten Steuervorteile für Rentner:

    Dazu gehören zum Beispiel Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung oder auch zur privaten Haftpflichtversicherung und Spenden. Mehr dazu in unserem Steuer ABC Was sind Sonderausgaben?.

  • AuГџergewГ¶hnliche Belastungen

    Dazu gehören zum Beispiel Arzt- und Medikamentenrechnungen, Krankheits-, Pflegeheim- oder Beerdigungskosten. Mehr dazu in unserem Steuer ABC Was sind außergewöhnliche Belastungen?.

  • Werbungskosten

    Dazu gehören zum Beispiel Gewerkschaftsbeiträge oder Kosten für einen Renten- oder Versicherungsberater. Mehr dazu in unserem Steuer-Tipp Rentner können Werbungskosten von der Steuer absetzen.

  • Behinderten-Pauschbetrag

    Steuerlich entlastende Freibeträge gibt es auch speziell für behinderte Rentner. Der Behinderten-Pauschbetrag deckt alle regelmäßigen Kosten ab, die typisch für die Behinderung sind. Dazu gehören zum Beispiel Kosten für Medikamente oder für den erhöhten Wäschebedarf. Die Höhe des Pauschbetrages richtet sich nach dem Grad der Behinderung. Mehr dazu in unserem Steuer ABC Was ist der Behinderten-Pauschbetrag?.

  • Altersentlastungsbetrag

    Rentner, die über 64 Jahre alt sind, können mit dem Altersentlastungsbetrag Ihr zu versteuerndes Einkommen um gegebenenfalls maximal 1.900 Euro im Jahr senken. Wie hoch der Altersentlastungsbetrag für Sie ausfällt, hängt von Ihrem Geburtsjahr ab. Haben Sie zum Beispiel im Jahr 2009 Ihren 64. Geburtstag gefeiert, erhalten Sie einen Altersentlastungsbetrag von maximal 1.520 Euro. Eine Übersicht dazu können Sie hier einsehen: Einkommenssteuergesetz (EStG) § 24 Altersentlastungsbetrag. Wichtig: Für alle, die nach dem 1. Januar 1975 geboren sind, entfällt der Altersentlastungsbetrag.

    Wenn Sie als Rentner die volle Rente beziehen und einen Minijob – auch 450-Euro-Job genannt – ausГјben, mГјssen Sie darauf keine Steuern zahlen. Anders kann das aussehen, wenn es um einen sozialversicherungspflichtigen Nebenberuf geht. Alle Details dazu erfahren Sie in unserem Artikel Rente und Nebenjob: Was ist steuerlich zu beachten?.

    Zahle ich als Rentner auch Soli und Kirchensteuer?

    Ja, wie alle übrigen Steuerzahler in Deutschland kommen 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag und 8 bis 9 Prozent Kirchensteuer zur Einkommensteuer hinzu. Weitere Details zu Kirchensteuer und Soli erhalten Sie in unserem Überblick Das wird Arbeitnehmern vom Lohn abgezogen.

    Betrifft die Rentenbesteuerung nur die gesetzliche Rente?

    Nein, die Rentenbesteuerung gilt nicht nur für Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung, sondern auch Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit und die Hinterbliebenenrente. Schlechte Nachrichten auch für private Altersvorsorgler: Auch die Riester-Rente oder die betriebliche Altersvorsorge (bAV) ist im Rentenalter voll steuerpflichtig und wird mit dem persönlichen Steuersatz versteuert.

    Sie als Rentner können etliche Steuervorteile nutzen. Sollten Sie Unterstützung dabei brauchen, können Sie sich über unsere Beratersuche eine Beraterin oder einen Berater auswählen und im persönlichen Gespräch beraten lassen.

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    Haben Sie Fragen zur Mitgliedschaft? Unsere Mitarbeiter sind gerne fГјr Sie da: 06321 96 39 96 9

    Источники: http://mobil.n-tv.de/ratgeber/Wie-kann-man-Kirchensteuer-sparen-article19038846.html, http://www.kirche-und-geld.de/fragen-zur-kirchensteuer.php, http://www.vlh.de/krankheit-vorsorge/altersbezuege/wann-muss-ich-als-rentner-steuern-zahlen-und-wie-viel.html

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