Invaliditätsgrad tabelle

0
145

Gliedertaxe: Definition, Berechnung, Wissenswertes

Zuletzt aktualisiert am 06.10.2017

  • Wissen
  • Ratgeber
  • Gliedertaxe

Die Gliedertaxe ist ein integraler Bestandteil der privaten Unfallversicherung. Über sie bestimmen Versicherungen den Grad der Invalidität eines verunfallten Kunden. Entsprechend beeinflusst die Gliedertaxe unmittelbar die Leistung, die die Versicherung im Schadensfall an den Kunden auszahlt. Sie ist damit einer der wichtigsten Berechnungsfaktoren – zusammen mit der vereinbarten Versicherungssumme und dem Vervielfachungsfaktor Progression.

Inhaltsverzeichnis

Anders als die gesetzliche Unfallversicherung versichert die private Unfallversicherung auch Unfälle, die außerhalb der Arbeitszeit passieren. Über die Gliedertaxe ermittelt das Versicherungsunternehmen den Grad der Invalidität nach einem Unfall des Versicherungsnehmers. Jedem Bereich des Körpers wird dabei ein Invaliditätsgrad in Prozent zugeordnet. Der Versicherer errechnet aus diesem Grad und weiteren Faktoren wie der vereinbarten Versicherungssumme dann die Höhe der einmalig ausgezahlten Invaliditätsleistung.

Beispiel: Im Rahmen Ihrer privaten Unfallversicherung haben Sie eine Versicherungssumme von 100.000 Euro vereinbart. Nach einem Unfall beträgt Ihr Invaliditätsgrad 40 Prozent – entsprechend erhalten Sie von Ihrer Versicherung eine Einmalzahlung von 40.000 Euro.

Gliedertaxe: Beispiel-Tabelle und Ablauf

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat standardisierte Richtwerte für die Gliedertaxe festgelegt. Die zahlreichen, teils gestaffelten Angebote der Versicherer können jedoch nach oben und nach unten abweichen. Die Zeitschrift „Finanztest“ weist in der Ausgabe 12/2011 darauf hin, dass die Gliedertaxe bei einem guten Vertrag unbedingt besser ausfallen sollte als die Musterversion des GDV.

Die folgende Tabelle stellt dar, wie sich die empfohlenen Invaliditätsgrade des GDV zusammensetzen (Stand: 25.03.2014). „Invalide“ bedeutet einen Verlust oder eine vollständige und dauerhafte Funktionsunfähigkeit der Körperteile und Sinnesorgane.

Die Prozentangaben beziehen sich nur auf einen vollständigen Funktionsverlust der aufgeführten Körperbereiche. Sind Gliedmaßen nach einem Unfall teilweise in ihrer Funktion beeinträchtigt, passt das Versicherungsunternehmen den Invaliditätsgrad entsprechend an. Ist der Fuß eines Betroffenen beispielsweise zu 50 Prozent in seiner Funktion geschädigt, liegt ein Invaliditätsgrad von 20 Prozent vor (50 Prozent von 40 Prozent bei vollständigem Funktionsverlust).

Körperteile, die in der Gliedertaxe nicht berücksichtigt sind, können den Invaliditätsgrad ebenso beeinflussen. Hierbei richtet sich die Bemessung danach, inwieweit der Verlust die gesamte physische und psychische Leistung eines Menschen beeinträchtigt. Als Bewertungsgrundlage zieht der zuständige Arzt einen gesunden Menschen gleichen Alters und gleichen Geschlechts heran.

Wer stellt die Invalidität fest?

In der Regel ermitteln der erstbehandelnde Arzt oder der Hausarzt den Invaliditätsgrad. Es kann jedoch vorkommen, dass die Versicherungsgesellschaft einen unabhängigen Gutachter für eine zweite Meinung zurate zieht. Sowohl der Versicherte als auch der Versicherungsnehmer sollten nach den Richtlinien des GDV ein Recht auf eine jährliche Folgeuntersuchung haben.

Grundinvaliditätssumme und Progression

Sind mehrere Gliedmaßen infolge eines Unfalls in ihrer Funktion beeinträchtigt, addiert die Versicherung entsprechend die Invaliditätsgrade der einzelnen Körperbereiche. Mehr als 100 Prozent Invalidität sind allerdings nicht möglich, der Betroffene gilt dann als vollinvalide. Entsprechend heißt die Versicherungssumme bei einer Invalidität von unter 100 Prozent auch Grundinvaliditätssumme.

Sofern der Versicherte dies mit dem Unternehmen vereinbart hat, greift ab einem bestimmten Invaliditätsgrad, im Normalfall ab 26 Prozent, die sogenannte Progression. Durch diesen Faktor lassen sich die Leistungen im Versicherungsfall erhöhen. Meist können Versicherungsnehmer bei Vertragsabschluss zwischen drei Progressionsstaffeln in Höhe von 225, 350 und 500 Prozent wählen.

Beachten Sie in diesem Zusammenhang, dass die Progressionsrate nicht sofort in vollem Umfang greift, sondern abgestuft ist und im Verhältnis zur Invalidität exponentiell steigt. Das bedeutet, dass jeder Prozentpunkt der Invalidität nur mit einem bestimmten Anteil der Progression verrechnet wird, der jedoch über der Invaliditätsrate liegt. Es gibt feste Zuordnungen für jeden einzelnen Invaliditätsgrad zu einem bestimmten Anteil der Invaliditätssumme, die im Schadensfalls ausgezahlt wird. Bei einer Standardprogression von 225 Prozent erhalten Sie als Versicherter entsprechend erst bei einer Vollinvalidität 225 Prozent der Versicherungssumme. Zwischen 25 und 90 Prozent ist die Progression folgendermaßen gestaffelt:

Genauere, nach einzelnen Prozentschritten auf geschlüsselte Tabellen sollten Sie im Schadensfall von Ihrem Versicherer anfordern.

Die Progression ist insbesondere dafür da, Versicherungsnehmer gegen die hohen Kosten, die eine schwere bis sehr schwere Invaliditätmit sich bringt, abzusichern. Rechenbeispiele wie sich die Progression auswirkt, finden Sie im letzten Abschnitt dieses Ratgebers.

Private Unfallversicherung: Tarifhürden Alter, Beruf, Vorerkrankung

Indirekt haben einige weitere Faktoren Einfluss auf die Versicherungssumme und die Versicherungsbeiträge. Denn der Tarif, der Ihnen angeboten wird – und damit auch die Gliedertaxe, die Versicherungssumme sowie die Progression – hängt unter anderem auch davon ab, wie alt Sie sind, welchen Beruf Sie ausüben und ob Vorerkrankungen vorliegen.

Die Tarifangebote der Versicherer sind stark abhängig vom Alter des Versicherungsnehmers. Bei Kindern und Kleinkindern zum Beispiel ist der Bedarf an Kapital im Falle einer Invalidität sehr hoch – immerhin muss die Leistung unter Umständen das ganze Leben lang gezahlt werden. Für Kinder wird häufig zu einer Grundinvaliditätssumme von mindestens 150.000 Euro und zu einer Progression von 225 Prozent geraten.

Ältere Menschen, die eine private Unfallversicherung abschließen wollen, müssen in vielen Fällen Abstriche bei den Konditionen machen – ansonsten besteht die Gefahr, dass Versicherungsanbieter sie als Kunden ablehnen. In einem Test von Stiftung Warentest gewährten nur etwa 50 Prozent der getesteten Anbieter zu, Menschen über 75 Jahren den Abschluss eines Neuvertrags. Es ist zudem möglich, dass Versicherungsunternehmen einen bestehenden Versicherungsvertrag beenden, wenn der Versicherte ein bestimmtes Alter erreicht hat.

Ähnlich wie der Berufsunfähigkeitsversicherung fallen die Versicherungsbeiträge für Menschen mit riskanteren Berufen höher aus als beispielsweise bei Büroangestellten. Außerdem bezahlen Frauen in der Regel etwas weniger als Männer. Einer höheren Gefahrengruppe zugeordnet werden zum Beispiel Handwerker oder LKW-Fahrer.

Vorerkrankungen

Menschen, die bei Vertragsabschluss bereits an einer Erkrankung leiden, müssen bei der privaten Unfallversicherung besonders vorsichtig sein. Einerseits können sich die Konditionen bei bestehenden Vorerkrankungen verschlechtern. Zum anderen hat die Gliedertaxe unter Umständen nicht dieselbe Gültigkeit wie bei einer rundum gesunden Person. Wenn ein Versicherter beispielsweise einen Finger verliert, aber zuvor schon an Gicht litt, wird die Versicherung den auszuzahlenden Betrag aller Wahrscheinlichkeit nach herabsetzen.

Ehrliche Angaben machen

Beim Ausfüllen des Vertrags sollten Sie unbedingt ehrlich mit bereits vorhandenen Erkrankungen umgehen. Kommen später Versäumnisse Ihrerseits ans Licht, kann es passieren, dass der Versicherer den Vertrag kündigt.

Gliedertaxe, Progression, Summe: Welcher Faktor ist maßgeblich?

Die Gliedertaxe ist ein wichtiger Bestandteil der Unfallversicherung, die Prozentangaben in der obigen Tabelle sind dabei als absolute Mindestwerte anzusehen. Gute Tarife haben eine verbesserte Gliedertaxe.

Die größte Bedeutung fällt aber der Grundinvaliditätssumme zu. Denn schon eine geringe Invalidität kann den Alltag erheblich erschweren. Entsprechend sollten Sie auch nur Tarife in die engere Auswahl nehmen, die bereits ab einem Prozent Invalidität greifen und überall und zu jeder Zeit gültig sind. Der Verein Bund der Versicherten (BdV) nennt auf seiner Webseite eine Faustformel zur Festsetzung der Grundinvaliditätssumme. Als Berufstätiger (ohne Berufsunfähigkeitsversicherung) sollten Sie die Mindestsumme demnach nach Ihrem Alter und Bruttojahreseinkommen ausrichten.

Eine Progression ist sinnvoll, da sie Sie im Fall einer schweren Invalidität zusätzlich absichert. Da allerdings bei einem Großteil der Behinderungsfälle der Invaliditätsgrad bei unter 50 Prozent liegt, ist auch die Höhe der Grundinvaliditätssumme von Bedeutung. Im Zweifelsfall sollten Sie eine höhere Grundinvaliditätssumme einer hohen Progression vorzuziehen. In den meisten Fällen gilt eine Progression von 225 oder 350 Prozent als empfehlenswert. Letztendlich ist die Höhe der Progression auch eine Kostenfrage: Bei einer Invalidität von über 25 Prozent steigt zwar die Höhe der Leistungen durch den Einschluss einer Progression deutlich, allerdings erhöhen sich mit einer größeren Progression auch die Versicherungsbeiträge.

Wichtige und unwichtige Zusatzoptionen

Die Versicherungsunternehmen haben zahlreiche zusätzliche Leistungen im Angebot. Relevant ist im Normalfall meist nur die Leistung im Todesfall. Diese sollte nach Möglichkeit etwa 10.000 Euro betragen. Von einer Unfallrente und insbesondere von der Beitragsrückgewähr raten Versicherten- und Verbraucherschutzverbände in der Regel ab. Die Unfallrente wird zumeist erst ab einer Invalidität von 50 Prozent ausgezahlt – darunter gehen Versicherte komplett leer aus. Zudem werden nach einem Unfall oftmals schnell hohe Summen benötigt.

Bei Modellen mit Beitragsrückgewähr sichern die Versicherer dem Kunden zu, sie würden beim Ausbleiben eines Unfalls die Beiträge mit Zinsen zurückzahlen. Was attraktiv klingt, erweist sich laut dem Nachrichtenmagazin „Focus“ zufolge jedoch meist als Irreführung. Der Kunde kauft bei Vertragsabschluss nämlich zwei Versicherungen statt einer: die normale Unfallversicherung und eine Kapitallebensversicherung. Nicht nur steigen die Beiträge dadurch auf das Zwei- bis Dreifache, die versprochene Zahlung erhält der Kunde auch erst nach sehr langer Laufzeit – und muss sie dann noch versteuern.

Anbieter-Leistungen vergleichen

Wie bei jeder Versicherung kann ein Vergleich auch bei der privaten Unfallversicherung mit Gliedertaxe deutliche Preisunterschiede offenbaren. Gut vergleichen können Sie Gliedertaxen und Progressionen zum Beispiel, indem Sie die Leistungen verschiedener Anbieter für dasselbe Körperteil anschauen.

Private Unfallversicherung und Gliedertaxe: Fallbeispiele

Im Rechenbeispiel wird von den folgenden Daten eines potenziellen Versicherungskunden ausgegangen. Die Gliedertaxe entspricht den Richtlinien des GDV.

Folgendermaßen sähe die Leistung der Versicherung unter verschiedenen Gesichtspunkten aus:

Gehör auf einem Ohr (30 %)

Gehör auf einem Ohr (30 %)

Gehör auf einem Ohr (30 %)

Gehör auf einem Ohr (30 %)

Gehör auf einem Ohr (30 %)

Gehör auf einem Ohr (30 %)

Gehör auf einem Ohr (30 %)

Gehör auf einem Ohr (30 %)

Gehör auf einem Ohr (30 %)

Gehör auf einem Ohr (30 %)

Gehör auf einem Ohr (30 %)

Gehör auf einem Ohr (30 %)

Die Höhe der Versicherungssumme und die Progression haben also deutlich Auswirkungen auf die Leistung. Schon die kurze Beispielrechnung zeigt, dass die Leistungsunterschiede je nach vereinbarter Versicherungssumme teils enorm sind. Während ein Kunde mit 35-prozentiger Invalidität bei einer Deckungssumme von 100.000 Euro Leistungen in Höhe von 35.000 Euro erhält, sind es bei einer Versicherungssumme von 150.000 Euro auf 52.500 Euro – also 17.500 Euro mehr. Durch die Progression erhöhen sich die Beträge entsprechend weiter, auf 55.000 Euro respektive 82.500 Euro. Bei einer Versicherungssumme von 200.000 Euro, Vollinvalidität und einer Progression von 400 Prozent würde der beispielhafte Versicherungsnehmer eine Einmalzahlung von 800.000 Euro erhalten.

An den GDV-Richtlinien orientieren

Achten Sie beim Abschluss einer Unfallversicherung als Erstes auf eine ausreichende Versicherungssumme. Je höher, desto besser. Eine Progression kann die Leistung der Versicherung im Schadensfall exorbitant erhöhen – vor allem bei einem hohen Grad der Invalidität. Sie sollte daher der zweite Punkt auf Ihrer Checkliste für die Unfallversicherung sein.

Wichtig: Je früher die Progression greift, desto besser. Die zugrundeliegende Gliedertaxe sollte mindestens auf dem Niveau der GDV-Richtlinien sein. Extraoptionen sind bis auf die Todesfallleistung vernachlässigbar.

Lesen Sie mehr dazu

Jahresarbeitsentgeltgrenze

Krankenkasse wechseln und Beiträge sparen

Über FinanceScout24

Über FinanceScout24
Folgen Sie uns

Europaweit der größte Online-Automarkt

Der Marktführer: Die Nr. 1 rund um Immobilien

Gliedertaxe und Invaliditätsgrad in der Unfallversicherung!

Eine private Unfallversicherung schützt einen vor den Folgen eines schweren Unfalls. Denn in der Regel müssen Betroffene nach einem Unfall ihr Leben umgestalten. Und das kann mitunter zehntausende Euro kosten.

Gerade der behindertengerechte Umbau der eigenen vier Wände ist oftmals mit immensen Ausgaben verbunden. Gut für diejenigen, die sich über eine private Unfallversicherung entsprechend abgesichert haben. Doch wie bemisst sich eigentlich die Leistung in der Unfallversicherung? Beziehungsweise wie ermittelt der Unfallversicherer die Höhe der Auszahlung im Leistungsfall? Hierbei greifen die Versicherer auf die sogenannte Gliedertaxe zurück und ermitteln darüber einen Invaliditätsgrad. Zusätzlich stellt ein Arzt die schwere der Invalidität fest. Wie das genau funktioniert und was es mit der Gliedertaxe sowie dem Invaliditätsgrad in der privaten Unfallversicherung auf sich hat, erklären wir in diesem Beitrag.

Wie sich die Versicherungssumme zusammensetzt!

Wer eine private Unfallversicherung abschließt, muss dabei am Anfang über die Höhe der Versicherungssumme entscheiden. Diese gibt an, wie hoch die maximale Leistung im Falle einer hundertprozentigen Invalidität ist.

Wichtig zu wissen ist noch, dass sich die Versicherungssumme oftmals aus einer Grundsumme mit einer Progression zusammensetzt. Beispielsweise vereinbart man mit dem Versicherer eine Grundsumme von 100.000 € und einer Progression von 350 Prozent. Dann würde der Kunde bei einem Invaliditätsgrad von 100 % rund 350.000 € von seiner Unfallversicherung erhalten.

Grundsumme und Progression richtig auswählen

Als Faustformel können Verbraucher 2 – 3 Bruttojahresgehälter bei der Grundsumme ansetzten und diese mit einer Progression von 350 % kombinieren. Damit sind die meisten gut abgesichert.

In vielen Fällen erreichen die Versicherten aufgrund der minderen Schwere der Unfälle keinen Invaliditätsgrad von Hundertprozent. Verschiedenen Studien der Versicherer zufolge weisen die meisten Kunden nach einem Unfall einen Invaliditätsgrad von 25 bis zu 65 Prozent oder weniger auf.

Dann leisten die Unfallversicherungen anteilig, ausgehend von der Versicherungssumme, je nach festgestelltem Grad der Invalidität. Doch wie wird dieser in der Praxis genau festgestellt?

Jetzt Unfallversicherung vergleichen und sparen!

  • Über 150 Tarifevarianten
  • Kostenlos & unverbindlich

Die Gliedertaxe als Basis der Leistung

Dafür haben die privaten Unfallversicherer die sogenannte Gliedertaxe als Basis für die Leistung in der Unfallversicherung eingeführt. Diese zeigt oftmals in Form einer Tabelle in den Versicherungsbedingungen auf, wie hoch der Invaliditätsgrad bei Verlust oder Funktionsunfähigkeit einzelner Körperteile und Sinnesorganen eingestuft wird.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (kurz GDV) gibt an seine Mitglieder über die sogenannten Allgemeinen Unfallversicherungsbedingungen (kurz AUB) eine Empfehlung für die Gliedertaxe heraus. Diese können die Unfallversicherer übernehmen und entsprechend für ihre Kunden anpassen.

Beispiel Tabelle Gliedertaxe AUB Stand 2014:

Wenn nun beispielsweise jemand durch einen Unfall seinen linken Arm komplett verliert, würde der Versicherer 70 % Invaliditätsgrad laut der oberen Standard-Gliedertaxe feststellen.

Das bedeutet, dass bei einer Grundsumme von 100.000 € insgesamt 70.000 € zu Auszahlung kämen. Bei einer Progression von 350 % erhöht sich der Invaliditätsgrad auf 200 % und somit würden 200.000 € (Basis sind die 100.000 € Grundsumm) fällig werden.

Berechnung bei Teilverlust oder teilweiser Funktionsunfähigkeit

In der Leistungspraxis kommt es sehr oft vor, dass lediglich eine teilweise Funktionsbeeinträchtigung durch einen Unfall hervorgerufen wird. Wenn beispielsweise durch eine Schnittverletzung nicht der komplette Arm verloren, sondern nur Nerven verletzt wurden die ihn teilweise funktionsunfähig machen, erhält der Versicherte nicht den vollständigen Invaliditätsgrad anerkannt.

Hier wird durch ein medizinisches Gutachten, welches durch einen Arzt angefertigt wird, festgehalten, wie stark die Funktionsunfähigkeit in Prozent tatsächlich ist. Wenn dabei beispielsweise festgestellt wird, dass der Arm nur zu 20 Prozent beeinträchtigt ist, werden laut unserem Beispiel 20 % von 70 % (siehe Gliedertaxe oben) = 14 % Invaliditätsgrad ermittelt. Genau aus diesem und auch aus weiteren Gründen ist bei der Feststellung des Invaliditätsgrads auch immer ein Arzt beteiligt.

Wichtig ist die dauerhafte Invalidität

Versicherte haben nur Anspruch auf eine Leistung, wenn der Invaliditätsgrad voraussichtlich dauerhaft ist. Dauerhaft bedeutet in der Unfallversicherung, dass die Invalidität länger als drei Jahre bestehen wird.

Worauf Verbraucher bei der Auswahl der Unfallversicherung achten sollten!

Die Gliedertaxe ist, wie wir gesehen haben entscheidend für die Höhe der Leistung. In den guten Tarifen weichen die Versicherer von der Standard-Gliedertaxe ab. Und zwar zum positiven für den Kunden. Deshalb ist es vor dem Abschluss einer Unfallversicherung sehr wichtig, dass man die Gliedertaxe der einzelnen Anbieter vergleicht.

Über unseren Vergleichsrechner können Verbraucher die einzelnen Gliedertaxen der Anbieter gegenüberstellen.

Auch wird hier aufgezeigt, um wieviel Prozent die jeweilige Gliedertaxe eine bessere Leistung im Vergleich zur Vorgabe des GDV (Standard Gliedertaxe) vorsieht. Damit lassen sich besonders gute Tarife filtern. Wenn man sich die einzelnen Anbieter im Vergleich ansieht, stellt man schnell fest wo die Unterschiede in Bezug auf die Gliedertaxe liegen.

Beispiel Mehrleistung

In unserem Beispiel mit drei Anbietern, kann man die Unterschiede bei einer Grundsumme von 100.000 € mit einer Progression von 350 % genau erkennen.

Da die Progression erst ab einem Invaliditätsgrad von 25 % greift, fällt der Unterschied vor allem beim Verlust des Daumens auf. Hier sieht man, wie wichtig eine gute Gliedertaxe im Leistungsfall ist. Denn unter Umständen kommt der Versicherte sonst nicht einmal in den Genuss der Progression.

Tarife sollten möglichst hohe Erstattungen vorsehen

Je größer die Abweichung zur Standard Gliedertaxe ist, desto besser ist es. Die Höhe der Erstattungen über die Gliedertaxe ist im Vergleich der Anbieter ein wichtiges Kriterium.

Invaliditätsgrad wird auch durch Ärzte festgestellt

Die Gliedertaxe wird in der Praxis zu 80 % herangezogen. Dennoch ist es wichtig, dass der Kunde seine Invalidität durch einen Arzt feststellen lässt. Das verlangt auch der Unfallversicherer in seinen Bedingungen. Auch ist es nicht immer möglich, dass eine Invalidität auf Grundlage der Gliedertaxe festgestellt werden kann.

Wer beispielsweise eine Invalidität durch eine schwere Kopfverletzung erlitten hat, wird rein über die Gliedertaxe keinen Invaliditätsgrad festlegen können. Hier muss ein Arzt ein Gutachten mit einem entsprechenden Grad der Invalidität für den Versicherer erstellen. Dabei orientiert sich dieser an gesunden Personen die im selben Alter sind wie der Verletzte.

Bei einer teilweisen Funktionsbeeinträchtigung muss ebenfalls der Arzt entscheiden, zu wieviel Prozent diese Einschränkung vorliegt. Wichtig ist für den Kunden immer, dass er die Fristen für die Geltendmachung der Leistungen nicht versäumt.

Wichtige Fristen für die Geltendmachung der Leistung

Je nach Anbieter muss innerhalb von 12 – 15 Monaten nach dem Unfall die Invalidität beim Anbieter angezeigt werden. Wer diese Frist versäumt, kann keine Leistung mehr abrufen. Man sollte Tarife wählen, die möglichst lange Meldefristen vorsehen.

Berechnung Invaliditätsgrad bei mehreren Körperteilen

Was passiert eigentlich wenn mehrere Körperteile oder Sinnesorgane durch einen Unfall beeinträchtigt sind? Wie berechnet sich dann die Leistung in der Unfallversicherung? In der Praxis werden die einzelnen dauerhaft beeinträchtigten Körperteile und Sinnesorgane folgendermaßen zusammengerechnet:

Unser Musterkunde Herr Müller ist mit einer Versicherungssumme (Grundsumme) von 150.000 € ohne Progression versichert. Bei einem Verkehrsunfall verletzt er sich das rechte Bein, die linke Hand und die linke große Zehe. Das rechte Bein ist laut dem Arzt zu 80 % beeinträchtigt. Die linke Hand zu 50 % und die große Zehe musste amputiert werden.

Berechnung laut Standard-Gliedertaxe:

  • Rechtes Bein zu 80 % beeinträchtigt von 70 % = 56 %
  • Linke Hand zu 50 % beeinträchtigt von 55 % = 27,5 %
  • Linke große Zehe zu 100 % beeinträchtigt wegen Amputation von 5 % = 5 %
  • Invaliditätsgrad gesamt: 56 % + 27,5 % + 5 % = 88,5 % von 150.000 €

Der Versicherte erhält nach dieser Berechnung 132.750 € (88,5 % von 150.000 €) als Einmalleistung von seiner Unfallversicherung ausbezahlt. Wenn der Tarif eine entsprechende Progression aufweisen würde, wäre die Auszahlung entsprechend höher.

Invaliditätsgrad kann 100 % nicht übersteigen

In der Praxis werden die einzelnen beeinträchtigten Körperteile zusammengerechnet. Allerdings kann eine Invalidität maximal 100 Prozent betragen und nicht mehr.

Zusammenfassung

Die Gliedertaxe gibt als Basis für die Auszahlung der Leistung einen Richtwert für die dauerhafte Beeinträchtigung eines Körperteils in Form eines Invaliditätsgrads vor. Der Invaliditätsgrad muss immer noch von einem Arzt bestätigt werden. Das wird zum einen von den Anbietern verlangt und ist zum anderen deshalb wichtig, weil teilweise keine 100-prozentige Funktionseinschränkung vorliegt.

Für Verbraucher ist es wichtig Tarife zu wählen, die eine möglichst gute Gliedertaxe aufweisen. Im Vergleich sollte darauf geachtet werden, dass möglichst hohe positive Abweichungen zur Standard-Gliedertaxe bestehen. Das ist in der Unfallversicherung zwar nicht das einzige Vergleichskriterium, allerdings ein sehr Wichtiges.

Wichtig zu wissen ist noch, dass auch bei der Berechnung des Invaliditätsgrads durch die Addition einzelner Körperteile sowie Sinnesorgane niemals eine Invalidität von über 100 % hervorgerufen werden kann.

Wer die Gliedertaxe der einzelnen Anbieter vergleichen möchte, kann dies über unseren Vergleichsrechner ganz einfach machen. Hier können Verbraucher kostenlos und unverbindlich die Tarife der privaten Unfallversicherung vergleichen. Auf Wunsch kann der passende Tarif direkt online beantragt werden.

Jetzt Unfallversicherung vergleichen und sparen!

  • Über 150 Tarifevarianten
  • Kostenlos & unverbindlich

Weitere interessante Themen:

Eine private Unfallversicherung sieht unterschiedliche Leistungen vor. Der gesamte Leistungsumfang ist immer abhängig vom gewählten Tarif. Wir berichten darüber, welche.

Viele Unfallversicherungstarife sind mit einer Progression ausgestattet. Einfach gesagt, erhöht diese ab einem bestimmten Invaliditätsgrad die versicherte Leistung. Denn.

Kundenbewertungen

Ihr Ansprechpartner

Experte für Versicherungen und Finanzen

Gliedertaxe: Wieviel ist ein Körperteil wert?

Der Grad der Behinderung nach einem Unfall ist ausschlaggebend für die Leistungen der Versicherungsgesellschaft. Verliert ein Motorradfahrer bei einem Unfall ein Bein, ist der Invaliditätsgrad höher als die abgeschnittene Fingerkuppe des Hobbybastlers. Und bei höherer Invalidität gibt es auch mehr Leistung.

GroГџe Zehe fГјnf Prozent, Finger zehn Prozent, Arm 70 Prozent

• Arm bis oberhalb des Ellenbogengelenks 65 Prozent

• Arm unterhalb des Ellenbogengelenks 60 Prozent

• Hand 55 Prozent • Daumen 20 Prozent

• Zeigefinger 10 Prozent

• anderer Finger 5 Prozent

• Bein über der Mitte des Oberschenkels 70 Prozent

• Bein bis zur Mitte des Oberschenkels 60 Prozent

• Bein bis unterhalb des Knies 50 Prozent

• Bein bis zur Mitte des Unterschenkels 45 Prozent

• Fuß 40 Prozent

• große Zehe 5 Prozent

• andere Zehe 2 Prozent

• Auge 50 Prozent

• Gehör auf einem Ohr 30 Prozent

• Geruchssinn 10 Prozent

• Geschmackssinn 5 Prozent

Wie berechnet die Unfallversicherung die Leistungen nach Gliedertaxe?

Kompletter Verlust: Sie schlagen sich beim Holzhacken den Daumen ab. Dann erhalten Sie bei einer Gliedertaxe von 20 Prozent und einer Versicherungssumme vom 100.000 Euro eine einmalige Leistung von 20.000 Euro.

Teilweise Schädigung oder Funktionsstörung, durch Arztgutachten bestätigt. Sie verletzten sich am Knie und können das Gelenk nicht mehr abknicken. Der Arzt bestätigt eine dauerhafte Schädigung des Körperteils von 10 Prozent. Bei einer Gliedertaxe von 70 und einer Versicherungssumme von 100.000 bekommt man 7.000 Euro.

Progression: Haben Sie einen Vertrag mit Progression abgeschlossen, verhält es sich anders. Progression bedeutet mehr Invalidität – mehr Leistung. Beispiel: Versicherungssumme 100.000 Euro, Progression 225 Prozent. Bei einer Vollinvalidität erhalten Sie nicht 100.000 Euro, sondern 225.000 Euro. Wichtig zu wissen: Rein statistisch haben viele Unfälle weniger als 25 Prozent bleibende Funktionsstörungen. Für den Bereich 1 – 25 kommt die Versicherung mit Progression nicht auf. Die Staffelungen der Progression wirken sich deutlich auf die monatlichen Beiträge aus. Möchten Sie für alle Fälle die Progression im Vertrag mit aufnehmen, müssen Sie die höheren Beiträge in Kauf nehmen.

Ab wann erkennt die Unfallversicherung überhaupt eine Invalidität an?

Unfall, Invalidität – aber kein Geld: Wann die Unfallversicherung nicht leistet

Dazu gehört neben Drogenrausch oder Alkoholeinfluss auch nicht selbstverschuldete körperliche Zustände wie kreislaufbedingte Ohnmachten, Epilepsie oder Schlaganfall. Erleidet die Hausfrau beim Fensterputzen eine Ohnmacht und fällt von der Leiter, leistet die private Unfallversicherung nicht für bleibende Schäden des Unglücks.

Kann ein Versicherter nach einem Überfall seinen Beruf nicht mehr ausüben, deckt die Unfallversicherung nicht den finanziellen Ausfall durch die Berufsunfähigkeit. Hier greift nur die Berufsunfähigkeitsversicherung.

Источники: http://www.financescout24.de/wissen/ratgeber/gliedertaxe, http://www.onverso.de/unfallversicherung/gliedertaxe-invaliditaetsgrad/, http://www.check-unfallversicherung.com/gliedertaxe.php

Teilen
Vorheriger ArtikelWas ist vandalismus
Nächster ArtikelRürup renten

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here