Berechnung invaliditätsleistung

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Invaliditätsgrad berechnen Gliedertaxe – Unfallversicherung

Published by Angela Baumeister on 21. Juli 2014

Wie hat die Unfallversicherung eigentlich die Invalidität berechnet?

Die Antwort auf diese Frage stellt viele Versicherte vor eine große Herausforderung.

Dabei ist es ganz einfach und eher ein mathematisches „Problem“ als ein versicherungsrechtliches.

In meinem Artikel Invalidität – Entschädigung nach Gliedertaxe bin ich auf den Rechenweg bereits kurz eingegangen. Dieser Artikel soll sich nun ausschließlich und etwas detaillierter mit der Berechnung befassen.

Achtung: Nur weil die Berechnung des Versicherers ggf. richtig ist, heißt das nicht zwingend, dass auch die Einschätzung an sich korrekt ist! In diesem Artikel geht es nur um den Rechenweg an sich.

Sie brauchen folgende Werte, die sich aus Ihren Unterlagen ergeben sollten:

  • Grundsumme des Versicherungsvertrages (bei schwerern Verletzungen auch die Regelungen hinsichtlich Mehrleistung, Progression und/oder Unfallrente)
  • Die Gliedertaxe
  • Das Gutachten mit der Einschätzung des Arztes

Beispiel: Sie haben 100.000,00 € als Grundsumme versichert. Ihr Bein wurde verletzt. Das Bein ist nach Ihrer Gliedertaxe 70% Wert, der Arzt bewertet den Dauerschaden mit 1/10 Bein.

Die Berechnung des Versicherers sieht dann so aus:

Grundsumme (Versicherungssumme): 100.000,00 €

volle Invalidität Bein: 70%

hiervon 1/10 7.000,00 €

1/10 von 70% = 7% (Rechnung 70:10); 7% von 100.000,00 € = 7.000,00 €

Variante mit 80% Beinwert nach Gliedertaxe:

Grundsumme (Versicherungssumme): 100.000,00 €

volle Invalidität Bein: 80%

hiervon 1/10 8.000,00 €

1/10 von 80% = 8% (Rechnung 80:10); 8% von 100.000,00 = € 8.000,00 €

Variante mit 70% Gliedertaxe und Einschränkung um 3/7.

Grundsumme (Versicherungssumme): 100.000,00 €

volle Invalidität Bein: 70%

hiervon 3/7 30.000,00 €

3/7 von 70% = 30% (Rechnung 70×3:7); 30% von 100.000,00 € = 30.000,00 €

Sollten Sie eine Progression versichert haben, finden Sie die Tabelle in Ihren Unfallversicherungsbedingungen. Nachstehend eine Beispieltabelle mit 225er Progression:

In diesem Fall würden Sie bei einem Invaliditätsgrad von 30% eine Entschädigung von 35% erhalten; also 35.000,00 €.

Wenn Ihr Vertrag eine Mehrleistung vorsieht, müssen die Invaliditätsgrade i.d.R. deutlich höher liegen. Gängig sind Verträge mit 2facher Mehrleistung ab 70% und 3facher Mehrleistung ab 90%. In diesen Fällen verdoppelt sich die Grundsumme ab einem Invaliditätsgrad von 70% bzw. verdreifacht sich ab einem Invaliditätsgrad von 90%.

Es gibt aber auch noch andere Varianten (Grenzen).

Grundsumme (Versicherungssumme): 100.000,00 €

Mehrleistung ab 70% 200.000,00 €

volle Invalidität Bein: 80%

hiervon 1/1 160.000,00 €

1/1 von 80% = 80%; 80% von 200.000,00 € = 160.000,00 €

Manche Versicherer stellen ihre Berechnungen auch anders dar. Jeder Versicherer hat da sein eigenes Schema. Nichts desto trotz bleibt die Berechnung bzw. der Rechenweg immer gleich, so dass Sie mit den Zahlen und dem hier aufgezeigten Rechenweg die Berechnung gut nachvollziehen können sollten.

Sollten Sie sich zusätzlich fragen, ob auch die Einschätzung in Ordnung ist, können Sie den Invaliditätsgrad gerne bei mir prüfen lassen. Stellen Sie hierzu unverbindlich Ihre Kostenanfrage:

Erste Informationen zur Bemessung des Invaliditätsgrades finden Sie in meinem Artikel: Invaliditätsgrad richtig bemessen

Foto: Fotolia @reeel (info-Button)

Foto Abakus: Pixabay von Peggy_Marco

Dann freue ich mich über das Teilen des Beitrages!

13 Comments

Rüdiger seel · 8. Februar 2016 at 12:32

Meine Frau hat Ms ist in der Küche gestürzt und hat sich den Hüftknochen gebrochen. Sie hat jetzt ein künstliches Hüftgelenk. Wird hier ihre Krankheit Invalidität 70 Prozent nun von der Invalidität abgezogen?

Christiane W. · 16. Februar 2017 at 19:55

Hallo…ich hatte im Dez. 2015 ein freizeitunfall.. und hab mir das kreuzband durchgerissen…nach der 1. Op.. wurde es trotz reha usw.nicht so richtig wieder mit strecken und beugen…vor allem Treppen steigen…oder längere Belastung. …sport usw gehen einfach nicht wirklich.im August 2016 war 2.op….wenig Verbesserung. ….jetzt steht im april ein Gutachten an…gibt es da überhaupt eine Chance für einen invaliditätsgrad? Und wieviel ist das in der Norm. .lg christiane

Marina Schmidt · 8. April 2017 at 15:57

Habe eine Sprunggelenksfraktur und eine Unfallversicherung.

Steht mir eine Entschädigung zu??

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Invaliditätsleistung – Kernstück der Unfallversicherung

Nach den Allgemeinen Unfallversicherungs-Bedingungen besteht Invalidität, wenn die körperliche oder geistige Leistungsfähigkeit nach einem Unfall dauerhaft beeinträchtigt ist.

Mit dauerhaft ist hier gemeint, dass die Invalidität voraussichtlich länger als drei Jahre besteht und keine Änderung des Zustandes erwartet werden kann. (AUB 2010 Ziffer 2)

Beachten Sie: Voraussetzungen für die Leistungen ist, dass die Invalidität innerhalb eines Jahres nach dem Unfall eingetreten und innerhalb von 15 Monaten nach dem Unfall von einem Arzt schriftlich festgestellt und an zuständiger Stelle geltend gemacht wurde. (AUB 2010 Ziffer 2.1.1.1)

Anspruch auf Invaliditätsleistung: Herr Lukas wird von einem Auto erfasst und erleidet schwere Verletzungen. Sein rechtes Bein scheint für immer gelähmt. Nach sechsmonatiger Rehabehandlung bescheinigt ihm sein Arzt, dass sein Bein dauerhaft in der Funktionstüchtigkeit eingeschränkt bleiben wird. Herr Lukas hat somit Anspruch auf die Invaliditätsleistung seines Versicherers.

Art und Höhe der Invaliditätsleistung

Besteht Anspruch auf Invaliditätsleistung, wird der Betrag als einmalige Kapitalzahlung ausbezahlt. Grundlage für die Berechnung der Kapitalsumme bilden die Versicherungssumme und der Grad des unfallbedingten Invaliditätsgrades. (AUB 2010 Ziffer 2.1.2.2)

Bei Vollinvalidität d.h. für den Verlust oder völlige Funktionsunfähigkeit verschiedener Körperteile (Arme, Beine, Finger usw.) oder Sinnesorgane (Augen, Geruchs- oder Geschmackssinn) gelten ausschließlich die Invaliditätsgrade, die in der Gliedertaxe festgelegt sind. Bei Teilinvalidität, d.h. Teilverlust oder teilweiser Funktionsbeeinträchtigung, gilt der entsprechende Teil des jeweiligen Prozentsatzes. (AUB 2010 Ziffer 2.1.2.2.1)

Errechnung der Invaliditätsleistung: Laut Gliedertaxe wird z.B. mit Verlust eines Armes ein Invaliditätsgrad von 70% angegeben. Haben Sie eine Invaliditätsgrundsumme von 100.000 € vereinbart, würden Sie im Versicherungsfall (Komplettverlust eines Armes) eine Kapitalleistung von 70.000 € erhalten.

Hinweis zur Gliedertaxe: Eine genaue Beschreibung, weitere Berechnungsmodelle sowie Bemessungen des Invaliditätsgrades finden sie unter: Gliedertaxe.

Liegen nach einem Unfall Verletzungen anderer Körperteile oder Sinnesorgane wie Hirnverletzungen vor, richtet sich der Invaliditätsgrad danach, inwieweit die normale körperliche oder geistige Leistungsfähigkeit insgesamt beeinträchtigt ist. Dabei werden ausschließlich medizinische Gesichtspunkte d.h. ärztliche Gutachten berücksichtigt. (AUB 2010 Ziffer 2.1.2.2.2)

Benötigte Invaliditätsgrundsumme – heute an Morgen denken und die Zukunft vor den finanziellen Folgen eines Unfalls absichern

Bei der Höhe der Invalidität gilt die Faustregel, dass die Kapitalzahlung bei 100prozentiger Invalidität das 2 bis 3-fache Ihres Jahresbruttogehaltes entsprechen sollte. In jedem Falle sollte die Versicherungssumme mindestens 100.000 € betragen.

Merke: Die Empfehlungen der benötigten Invaliditätsgrundsumme sind natürlich nur theoretische Richtwerte. In der Praxis richtet sich die Höhe der benötigten Kapitalsumme nach Alter des Versicherten, Lebensstandard und den persönlichen Familienverhältnissen. Letztlich sollte jeder selbst entscheiden, wie viel Kapital er für Lebensunterhalt, Lebensfortführung oder Absicherung der Familie benötigt.

Merke: Ebenfalls ist die benötigte Invaliditätsgrundsumme vom Alter der Versicherungsperson abhängig. So benötigt eine junge Person im Laufe des Lebens wohl mehr Geld als eine ältere.

Das könnte Sie auch interessieren: Unter Bedarfsermittlung finden Sie noch einmal alle wichtigen Aspekte für die Bedarfsermittlung bei einer Unfallversicherung kompakt zusammengefasst.

Unser Tipp: Erfahrungsgemäß steigt der Kapitalbedarf bei höheren Invaliditätsgraden überproportional an. Entscheiden Sie sich daher für eine Unfallversicherung mit Progression. Ab einem bestimmten Invaliditätsgrad erhöht sich durch die vereinbarte Progression die Leistung Ihres Versicherers und Sie erhalten eine höhere Invaliditätssumme.

Beispiel 1 für den Invaliditätsanpruch nach der Gliedertaxe

Versicherungsfall: Herr Sander ist im Falle einer Invalidität mit 100.000 € versichert. Nach einem Unfall mit einer Motorsäge verliert er einen Daumen und die Funktionsfähigkeit des Mittelfingers ist zur Hälfte gemindert. Zusätzlich sägt er sich in das linke Bein. In einer Operation muss das Bein ab dem Knie abgenommen werden.

Nach der Gliedertaxe errechnet sich folgender Invaliditätsgrad:

Beispiel 2 für den Invaliditätsanpruch nach der Gliedertaxe

Versicherungsfall: Franz Klein ist mit 150.000 Euro versichert. In der Sylvesternacht hantiert er mit Feuerwerkskörpern. Aus Unachtsamkeit explodiert ein Feuerwerkskörper und Franz verliert beide Augen. Zusätzlich verliert er durch die laute Explosion das Gehör auf dem rechten Ohr.

Nach der Gliedertaxe errechnet sich folgender Invaliditätsgrad:

Beachten Sie: Nach den Allgemeinen Unfallversicherungs-Bedingungen werden die verschiedenen Invaliditätsgrade aufsummiert. Mehr als 100% Invaliditätsgrad werden jedoch nicht berücksichtigt. (AUB 2010 Ziffer 2.1.2.2.4)

Da Franz Klein im Falle einer Invalidität mit 150.000 € versichert ist, kann diese Summe den Wert von 100% auch nicht übersteigen. Demnach hätte Franz Klein Anspruch auf die komplette Versicherungssumme von 150.000 €.

Das könnte Sie auch interessieren: Vollinvalidität und Teilinvalidität – Wann werden Invaliditätssummen komplett ausbezahlt

Invalidität Kompakt

  • Invalidität = Einschränkung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit nach einem Unfall.
  • Unterteilt sich in Voll- und Teilinvalidität
  • Muss innerhalb von 15 Monaten nach einem Unfall geltend gemacht werden.
  • Die Höhe des Anspruchs auf Invaliditätsleistung ist in der Gliedertaxe festegelegt.
Unfallversicherung kompakt

Informationen und Wissenswertes über die Unfallversicherung. Die private Unfallversicherung zusammengefasst.

Gliedertaxe: Definition, Berechnung, Wissenswertes

Zuletzt aktualisiert am 06.10.2017

  • Wissen
  • Ratgeber
  • Gliedertaxe

Die Gliedertaxe ist ein integraler Bestandteil der privaten Unfallversicherung. Über sie bestimmen Versicherungen den Grad der Invalidität eines verunfallten Kunden. Entsprechend beeinflusst die Gliedertaxe unmittelbar die Leistung, die die Versicherung im Schadensfall an den Kunden auszahlt. Sie ist damit einer der wichtigsten Berechnungsfaktoren – zusammen mit der vereinbarten Versicherungssumme und dem Vervielfachungsfaktor Progression.

Inhaltsverzeichnis

Anders als die gesetzliche Unfallversicherung versichert die private Unfallversicherung auch Unfälle, die außerhalb der Arbeitszeit passieren. Über die Gliedertaxe ermittelt das Versicherungsunternehmen den Grad der Invalidität nach einem Unfall des Versicherungsnehmers. Jedem Bereich des Körpers wird dabei ein Invaliditätsgrad in Prozent zugeordnet. Der Versicherer errechnet aus diesem Grad und weiteren Faktoren wie der vereinbarten Versicherungssumme dann die Höhe der einmalig ausgezahlten Invaliditätsleistung.

Beispiel: Im Rahmen Ihrer privaten Unfallversicherung haben Sie eine Versicherungssumme von 100.000 Euro vereinbart. Nach einem Unfall beträgt Ihr Invaliditätsgrad 40 Prozent – entsprechend erhalten Sie von Ihrer Versicherung eine Einmalzahlung von 40.000 Euro.

Gliedertaxe: Beispiel-Tabelle und Ablauf

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat standardisierte Richtwerte für die Gliedertaxe festgelegt. Die zahlreichen, teils gestaffelten Angebote der Versicherer können jedoch nach oben und nach unten abweichen. Die Zeitschrift „Finanztest“ weist in der Ausgabe 12/2011 darauf hin, dass die Gliedertaxe bei einem guten Vertrag unbedingt besser ausfallen sollte als die Musterversion des GDV.

Die folgende Tabelle stellt dar, wie sich die empfohlenen Invaliditätsgrade des GDV zusammensetzen (Stand: 25.03.2014). „Invalide“ bedeutet einen Verlust oder eine vollständige und dauerhafte Funktionsunfähigkeit der Körperteile und Sinnesorgane.

Die Prozentangaben beziehen sich nur auf einen vollständigen Funktionsverlust der aufgeführten Körperbereiche. Sind Gliedmaßen nach einem Unfall teilweise in ihrer Funktion beeinträchtigt, passt das Versicherungsunternehmen den Invaliditätsgrad entsprechend an. Ist der Fuß eines Betroffenen beispielsweise zu 50 Prozent in seiner Funktion geschädigt, liegt ein Invaliditätsgrad von 20 Prozent vor (50 Prozent von 40 Prozent bei vollständigem Funktionsverlust).

Körperteile, die in der Gliedertaxe nicht berücksichtigt sind, können den Invaliditätsgrad ebenso beeinflussen. Hierbei richtet sich die Bemessung danach, inwieweit der Verlust die gesamte physische und psychische Leistung eines Menschen beeinträchtigt. Als Bewertungsgrundlage zieht der zuständige Arzt einen gesunden Menschen gleichen Alters und gleichen Geschlechts heran.

Wer stellt die Invalidität fest?

In der Regel ermitteln der erstbehandelnde Arzt oder der Hausarzt den Invaliditätsgrad. Es kann jedoch vorkommen, dass die Versicherungsgesellschaft einen unabhängigen Gutachter für eine zweite Meinung zurate zieht. Sowohl der Versicherte als auch der Versicherungsnehmer sollten nach den Richtlinien des GDV ein Recht auf eine jährliche Folgeuntersuchung haben.

Grundinvaliditätssumme und Progression

Sind mehrere Gliedmaßen infolge eines Unfalls in ihrer Funktion beeinträchtigt, addiert die Versicherung entsprechend die Invaliditätsgrade der einzelnen Körperbereiche. Mehr als 100 Prozent Invalidität sind allerdings nicht möglich, der Betroffene gilt dann als vollinvalide. Entsprechend heißt die Versicherungssumme bei einer Invalidität von unter 100 Prozent auch Grundinvaliditätssumme.

Sofern der Versicherte dies mit dem Unternehmen vereinbart hat, greift ab einem bestimmten Invaliditätsgrad, im Normalfall ab 26 Prozent, die sogenannte Progression. Durch diesen Faktor lassen sich die Leistungen im Versicherungsfall erhöhen. Meist können Versicherungsnehmer bei Vertragsabschluss zwischen drei Progressionsstaffeln in Höhe von 225, 350 und 500 Prozent wählen.

Beachten Sie in diesem Zusammenhang, dass die Progressionsrate nicht sofort in vollem Umfang greift, sondern abgestuft ist und im Verhältnis zur Invalidität exponentiell steigt. Das bedeutet, dass jeder Prozentpunkt der Invalidität nur mit einem bestimmten Anteil der Progression verrechnet wird, der jedoch über der Invaliditätsrate liegt. Es gibt feste Zuordnungen für jeden einzelnen Invaliditätsgrad zu einem bestimmten Anteil der Invaliditätssumme, die im Schadensfalls ausgezahlt wird. Bei einer Standardprogression von 225 Prozent erhalten Sie als Versicherter entsprechend erst bei einer Vollinvalidität 225 Prozent der Versicherungssumme. Zwischen 25 und 90 Prozent ist die Progression folgendermaßen gestaffelt:

Genauere, nach einzelnen Prozentschritten auf geschlüsselte Tabellen sollten Sie im Schadensfall von Ihrem Versicherer anfordern.

Die Progression ist insbesondere dafür da, Versicherungsnehmer gegen die hohen Kosten, die eine schwere bis sehr schwere Invaliditätmit sich bringt, abzusichern. Rechenbeispiele wie sich die Progression auswirkt, finden Sie im letzten Abschnitt dieses Ratgebers.

Private Unfallversicherung: Tarifhürden Alter, Beruf, Vorerkrankung

Indirekt haben einige weitere Faktoren Einfluss auf die Versicherungssumme und die Versicherungsbeiträge. Denn der Tarif, der Ihnen angeboten wird – und damit auch die Gliedertaxe, die Versicherungssumme sowie die Progression – hängt unter anderem auch davon ab, wie alt Sie sind, welchen Beruf Sie ausüben und ob Vorerkrankungen vorliegen.

Die Tarifangebote der Versicherer sind stark abhängig vom Alter des Versicherungsnehmers. Bei Kindern und Kleinkindern zum Beispiel ist der Bedarf an Kapital im Falle einer Invalidität sehr hoch – immerhin muss die Leistung unter Umständen das ganze Leben lang gezahlt werden. Für Kinder wird häufig zu einer Grundinvaliditätssumme von mindestens 150.000 Euro und zu einer Progression von 225 Prozent geraten.

Ältere Menschen, die eine private Unfallversicherung abschließen wollen, müssen in vielen Fällen Abstriche bei den Konditionen machen – ansonsten besteht die Gefahr, dass Versicherungsanbieter sie als Kunden ablehnen. In einem Test von Stiftung Warentest gewährten nur etwa 50 Prozent der getesteten Anbieter zu, Menschen über 75 Jahren den Abschluss eines Neuvertrags. Es ist zudem möglich, dass Versicherungsunternehmen einen bestehenden Versicherungsvertrag beenden, wenn der Versicherte ein bestimmtes Alter erreicht hat.

Ähnlich wie der Berufsunfähigkeitsversicherung fallen die Versicherungsbeiträge für Menschen mit riskanteren Berufen höher aus als beispielsweise bei Büroangestellten. Außerdem bezahlen Frauen in der Regel etwas weniger als Männer. Einer höheren Gefahrengruppe zugeordnet werden zum Beispiel Handwerker oder LKW-Fahrer.

Vorerkrankungen

Menschen, die bei Vertragsabschluss bereits an einer Erkrankung leiden, müssen bei der privaten Unfallversicherung besonders vorsichtig sein. Einerseits können sich die Konditionen bei bestehenden Vorerkrankungen verschlechtern. Zum anderen hat die Gliedertaxe unter Umständen nicht dieselbe Gültigkeit wie bei einer rundum gesunden Person. Wenn ein Versicherter beispielsweise einen Finger verliert, aber zuvor schon an Gicht litt, wird die Versicherung den auszuzahlenden Betrag aller Wahrscheinlichkeit nach herabsetzen.

Ehrliche Angaben machen

Beim Ausfüllen des Vertrags sollten Sie unbedingt ehrlich mit bereits vorhandenen Erkrankungen umgehen. Kommen später Versäumnisse Ihrerseits ans Licht, kann es passieren, dass der Versicherer den Vertrag kündigt.

Gliedertaxe, Progression, Summe: Welcher Faktor ist maßgeblich?

Die Gliedertaxe ist ein wichtiger Bestandteil der Unfallversicherung, die Prozentangaben in der obigen Tabelle sind dabei als absolute Mindestwerte anzusehen. Gute Tarife haben eine verbesserte Gliedertaxe.

Die größte Bedeutung fällt aber der Grundinvaliditätssumme zu. Denn schon eine geringe Invalidität kann den Alltag erheblich erschweren. Entsprechend sollten Sie auch nur Tarife in die engere Auswahl nehmen, die bereits ab einem Prozent Invalidität greifen und überall und zu jeder Zeit gültig sind. Der Verein Bund der Versicherten (BdV) nennt auf seiner Webseite eine Faustformel zur Festsetzung der Grundinvaliditätssumme. Als Berufstätiger (ohne Berufsunfähigkeitsversicherung) sollten Sie die Mindestsumme demnach nach Ihrem Alter und Bruttojahreseinkommen ausrichten.

Eine Progression ist sinnvoll, da sie Sie im Fall einer schweren Invalidität zusätzlich absichert. Da allerdings bei einem Großteil der Behinderungsfälle der Invaliditätsgrad bei unter 50 Prozent liegt, ist auch die Höhe der Grundinvaliditätssumme von Bedeutung. Im Zweifelsfall sollten Sie eine höhere Grundinvaliditätssumme einer hohen Progression vorzuziehen. In den meisten Fällen gilt eine Progression von 225 oder 350 Prozent als empfehlenswert. Letztendlich ist die Höhe der Progression auch eine Kostenfrage: Bei einer Invalidität von über 25 Prozent steigt zwar die Höhe der Leistungen durch den Einschluss einer Progression deutlich, allerdings erhöhen sich mit einer größeren Progression auch die Versicherungsbeiträge.

Wichtige und unwichtige Zusatzoptionen

Die Versicherungsunternehmen haben zahlreiche zusätzliche Leistungen im Angebot. Relevant ist im Normalfall meist nur die Leistung im Todesfall. Diese sollte nach Möglichkeit etwa 10.000 Euro betragen. Von einer Unfallrente und insbesondere von der Beitragsrückgewähr raten Versicherten- und Verbraucherschutzverbände in der Regel ab. Die Unfallrente wird zumeist erst ab einer Invalidität von 50 Prozent ausgezahlt – darunter gehen Versicherte komplett leer aus. Zudem werden nach einem Unfall oftmals schnell hohe Summen benötigt.

Bei Modellen mit Beitragsrückgewähr sichern die Versicherer dem Kunden zu, sie würden beim Ausbleiben eines Unfalls die Beiträge mit Zinsen zurückzahlen. Was attraktiv klingt, erweist sich laut dem Nachrichtenmagazin „Focus“ zufolge jedoch meist als Irreführung. Der Kunde kauft bei Vertragsabschluss nämlich zwei Versicherungen statt einer: die normale Unfallversicherung und eine Kapitallebensversicherung. Nicht nur steigen die Beiträge dadurch auf das Zwei- bis Dreifache, die versprochene Zahlung erhält der Kunde auch erst nach sehr langer Laufzeit – und muss sie dann noch versteuern.

Anbieter-Leistungen vergleichen

Wie bei jeder Versicherung kann ein Vergleich auch bei der privaten Unfallversicherung mit Gliedertaxe deutliche Preisunterschiede offenbaren. Gut vergleichen können Sie Gliedertaxen und Progressionen zum Beispiel, indem Sie die Leistungen verschiedener Anbieter für dasselbe Körperteil anschauen.

Private Unfallversicherung und Gliedertaxe: Fallbeispiele

Im Rechenbeispiel wird von den folgenden Daten eines potenziellen Versicherungskunden ausgegangen. Die Gliedertaxe entspricht den Richtlinien des GDV.

Folgendermaßen sähe die Leistung der Versicherung unter verschiedenen Gesichtspunkten aus:

Gehör auf einem Ohr (30 %)

Gehör auf einem Ohr (30 %)

Gehör auf einem Ohr (30 %)

Gehör auf einem Ohr (30 %)

Gehör auf einem Ohr (30 %)

Gehör auf einem Ohr (30 %)

Gehör auf einem Ohr (30 %)

Gehör auf einem Ohr (30 %)

Gehör auf einem Ohr (30 %)

Gehör auf einem Ohr (30 %)

Gehör auf einem Ohr (30 %)

Gehör auf einem Ohr (30 %)

Die Höhe der Versicherungssumme und die Progression haben also deutlich Auswirkungen auf die Leistung. Schon die kurze Beispielrechnung zeigt, dass die Leistungsunterschiede je nach vereinbarter Versicherungssumme teils enorm sind. Während ein Kunde mit 35-prozentiger Invalidität bei einer Deckungssumme von 100.000 Euro Leistungen in Höhe von 35.000 Euro erhält, sind es bei einer Versicherungssumme von 150.000 Euro auf 52.500 Euro – also 17.500 Euro mehr. Durch die Progression erhöhen sich die Beträge entsprechend weiter, auf 55.000 Euro respektive 82.500 Euro. Bei einer Versicherungssumme von 200.000 Euro, Vollinvalidität und einer Progression von 400 Prozent würde der beispielhafte Versicherungsnehmer eine Einmalzahlung von 800.000 Euro erhalten.

An den GDV-Richtlinien orientieren

Achten Sie beim Abschluss einer Unfallversicherung als Erstes auf eine ausreichende Versicherungssumme. Je höher, desto besser. Eine Progression kann die Leistung der Versicherung im Schadensfall exorbitant erhöhen – vor allem bei einem hohen Grad der Invalidität. Sie sollte daher der zweite Punkt auf Ihrer Checkliste für die Unfallversicherung sein.

Wichtig: Je früher die Progression greift, desto besser. Die zugrundeliegende Gliedertaxe sollte mindestens auf dem Niveau der GDV-Richtlinien sein. Extraoptionen sind bis auf die Todesfallleistung vernachlässigbar.

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Источники: http://www.versicherungsberaterin.net/invaliditaetsgrad-berechnen-gliedertaxeunfallversicherung/, http://www.unfallversicherung-kompakt.de/leistungen/invaliditaet, http://www.financescout24.de/wissen/ratgeber/gliedertaxe

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