Aufsichtspflicht altersgrenzen

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Aufsichtspflicht altersgrenzen

Allein daheim – wann kann man Kinder unbeaufsichtigt lassen?

17.11.2016, 10:20 Uhr | Simone Blaß, dpa-tmn, t-online.de, dpa

Allein zuhause: Ab wann können Kinder für eine begrenzte Zeit ohne Eltern zuhause bleiben? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem man seine Kinder auch mal alleine lässt – auf dem Bolzplatz, der Spielwiese oder zu Hause. Doch ab welchem Alter kann und darf man ein Kind überhaupt alleine lassen? Wie ist es mit der Aufsichtspflicht? Auf diese Frage gibt es keine eindeutige Antwort, aber Anhaltspunkte, nach denen Eltern sich richten können.

Grundsätzlich kann man sagen, dass Eltern im Rahmen ihrer Aufsichtspflicht dafür zu sorgen haben, dass das Kind vor Schaden bewahrt wird, aber auch selbst niemandem Schaden zufügt. Die Vorstellung, was einem Kind alles passieren könnte, wenn es unbeaufsichtigt ist oder aber auch, was es alles anstellen könnte, wenn kein Erwachsener in der Nähe ist, treibt so manchen Eltern die Schweißperlen auf die Stirn. Denn je kleiner die Kinder sind, desto mehr sind sie auf unseren Schutz angewiesen.

Aber es ist ebenso wichtig für die kindliche Entwicklung, selbstständig zu werden und dazu gehört eben auch das Erweitern des Radius. Immerhin hat jedes Kind sogar per Gesetz ein Recht darauf. In §1626 BGB heißt es nämlich wortwörtlich: „Bei der Pflege und Erziehung berücksichtigen die Eltern die wachsende Fähigkeit und das wachsende Bedürfnis des Kindes zu selbstständigem verantwortungsbewusstem Handeln.“ Und dazu gehört eben auch, ihnen etwas zuzutrauen.

Es kommt auf die Reife des Kindes an

Wann Eltern ein Kind alleinlassen können, ist ganz unterschiedlich und von der persönlichen Entwicklung abhängig, sagt Maria Große Perdekamp. Sie ist Leiterin der Online-Beratung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke). Es zählen also Verantwortungsbewusstsein und die Fähigkeit, Gefahren abzuwägen.

Entscheidend ist aber auch, wie gut die Eltern während ihrer Abwesenheit erreichbar sind und wie schnell sie notfalls wieder beim Kind sein können. Schließlich ist es ein Unterschied, ob man bei der Freundin zwei Häuser weiter einen Kaffee trinkt oder einen Theaterbesuch in der nächstgrößeren Stadt plant.

Richtwerte bieten einen Anhaltspunkt

Es gibt Richtwerte, die sich durch richterliche Entscheidungen ergeben: Demnach können Eltern ein Kind ab drei Jahren schon einmal für einen kurzen Moment alleine lassen, beispielsweise um etwas aus dem Keller zu holen. Voraussetzung ist, dass typische Gefahrenquellen wie heiße Herdplatten, brennende Kerzen oder geöffnete Fenster für das Kind unzugänglich sind.

Oft könnten Kinder schon im späten Kindergartenalter mal an einem Nachmittag allein bleiben. „Dann ist es wichtig, vorher Regeln zu vermitteln wie: die Tür nicht aufmachen und den Herd nicht einschalten“, sagt Große Perdekamp. Außerdem sollten Mutter oder Vater erreichbar sein und am besten erst mal nicht zu weit weg gehen. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass ein Kind in diesem Alter auf einem Spielplatz, auf dem Gehweg vor dem Haus oder auf einem Sportplatz spielen darf, ohne auf Schritt und Tritt kontrolliert zu werden.

Jüngere Kindergartenkinder sollten nicht alleine zu Hause gelassen werden. Trennungen lösten bei Kleinkindern Angst und Unsicherheit aus, sie sind noch stark auf eine Bezugsperson angewiesen.

Ab dem Schulalter wird der Gesetzgeber großzügiger. Ein siebenjähriges Kind darf man sogar bis zu zwei Stunden alleine lassen – immer vorausgesetzt, die Bedingungen stimmen. Lässt man das Kind allein zu Hause, ist es wichtig, dass man die angekündigte Rückkehrzeit zuverlässig einhält. Außerdem sollten Kinder wissen, wie sie ihre Eltern erreichen können.

Das soziale Netz aktivieren

Am besten ist es, wenn man Nachbarn hat, die man informiert und die für das Kind erreichbar sind, wenn es Hilfe in irgendeiner Form braucht. Gleiches gilt auch für die elterliche Erreichbarkeit per Handy. Das gibt dem alleingelassenen Kind die Sicherheit, dass es sofort Kontakt zu den Eltern herstellen kann, wenn es etwas braucht oder eine Frage hat. Das Kind sollte nicht nur wissen, wo es Rat und Hilfe findet, es sollte ihm auch klar sein, dass es Fremden nicht die Tür öffnen darf und am besten nur dann ans Telefon geht, wenn ihm die Nummer bekannt ist. Alle anderen Gespräche können warten. Zusätzlich sollte man geklärt haben, was gegebenenfalls im Fernsehen angesehen werden darf, um auch hier unliebsame Überraschungen zu vermeiden.

So können Eltern das Alleinsein mit dem Kind üben

Ein guter Tipp ist es, zu testen, wie sich das Kind in bestimmten Situationen verhält: Macht es sofort die Tür auf, wenn es klingelt, oder guckt es zuerst durch den Spion? Kann es die Nachbarn um Hilfe bitten? Wie reagiert es, wenn in der Küche etwas überkocht und sich Rauch entwickelt? Eltern sollten ihre Kind auch fragen, wie es sich fühlt, wenn es alleine ist. Erst wenn ein Kind mit solchen Situation sicher umgeht, kann man es ein Weilchen alleine lassen.

Darf man Kinder mit älteren Geschwistern allein lassen?

Ob es einfacher ist, Geschwister alleine zu lassen, darüber streiten sich die Geister und es kommt sehr auf die jeweiligen Charaktere und den Altersunterschied an. Es kann für kleinere Geschwister sehr tröstlich sein, nicht ganz alleine zu sein und wenn man jemanden zum Spielen und Reden hat, dann geht die Zeit, bis Mama oder Papa wieder da sind, auch schneller vorbei.

„Gut geht es in der Regel mit einem Altersabstand von mindestens fünf Jahren“, meint Große Perdekamp. Die Kinder sollten besser nicht gemeinsam ohne Betreuung bleiben, wenn sie fast gleich alt oder Zwillinge sind, und wenn sie dazu neigen, sich gegenseitig anzustacheln, Unsinn zu machen. Schließlich liegt die Entscheidung, was man den eigenen Kinder zutrauen kann beziehungsweise was ihnen zuzutrauen ist, grundsätzlich in der Verantwortung der Eltern.

Kinder niemals einsperren

Selbstverständlich wird man, bevor man geht, alle Gefahrenquellen nach bestem Wissen und Gewissen ausschließen, die Handynummer zum Beispiel auf Kurzwahl einspeichern und Elektrogeräte wie den Backofen ausschalten. Was man aber nicht machen sollte, ist abschließen, denn diese vermeintliche Schutzmaßnahme kann sich bei einem Feuer zu einer tödlichen Falle entwickeln. In der Regel signalisiert ein Kind übrigens sehr genau, wann es bereit ist und sich zutraut, mal für ein paar Minuten allein daheim zu bleiben. Trotzdem liegt die Hauptgefahr in der Überschätzung der kindlichen Fähigkeiten. Was nicht bedeuten muss, dass unbedingt gleich etwas passiert.

Ängste nicht unterschätzen

Schon allein die Angst, die ein Kind ausstehen muss, das von seinen Eltern allein gelassen wurde, obwohl es noch nicht soweit war, ist Grund genug, sehr behutsam vorzugehen. Zweifelsohne ist es schön, wenn man kleine Erledigungen mal schnell ohne die Kinder machen kann oder auch als Alleinerziehender einen Elternabend in der Schule besucht, ohne dafür extra einen Babysitter bemühen zu müssen. Und es ist auch wichtig für das kindliche Selbstbewusstsein, solche Erfahrungen der Selbstständigkeit zu machen und sich selbst dabei etwas zuzutrauen. Aber man sollte behutsam vorgehen und das Kind langsam daran gewöhnen.

Wichtig ist immer mitzuteilen, dass man geht, wohin man geht, wie man zu erreichen ist und wann man wieder nach Hause kommt.

Der Abend ist für viele Kinder emotionaler. Dann sollten sie am besten erst im späten Grundschulalter alleine zu Hause bleiben. Wichtig ist: Auf keinen Fall dürfen Eltern heimlich rausgehen, wenn das Kind schon schläft. Wacht es auf, sucht es die Eltern und wird vielleicht panisch.

Sagt ein Kind, dass es nicht alleine bleiben möchte, sollten Eltern überlegen, was die Gründe dafür sind. Manchmal machen sich Kinder beispielsweise Sorgen und entwickeln dann Trennungsängste. „Und in schwierigen Situationen, beispielsweise nach der Trennung der Eltern oder wenn Oma oder Opa gestorben sind, ist das Kind vielleicht nicht so stabil“ sagt Große Perdekamp. „Eltern sollten dann nicht zu streng oder fordernd sein, das normalisiert sich mit der Zeit wieder.“

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Aufsichtspflicht: Auf was Eltern achten sollten

  • In den Paragraphen §§ 1626 ff. des BGB wird die Aufsichtspflicht als Teil der elterlichen Sorge geregelt. Die Haftung fГјr Kinder findet sich in В§ 832 BGB.
  • Als Eltern sind Sie verpflichtet, darauf zu achten, dass Ihre Kinder keinem anderen, aber auch nicht sich selbst, einen Schaden zufГјgen. Zu diesem Zweck mГјssen vor allem kleine Kinder sehr umfassend beaufsichtigt werden.
  • Die Aufsichtspflicht kГ¶nnen Sie zeitweilig an jemand anderen Гјbertragen. Wichtig ist jedoch, dass dieser in der Lage ist, verantwortungsbewusst mit dem Kind umzugehen.

Kinder immer im Griff zu haben, ist ein Ding der Unmöglichkeit. In jungen Jahren ist der Entdeckungsdrang der Kleinen besonders groß. Da kommt es schnell einmal vor, dass eine Fensterscheibe zu Bruch geht oder die Blumen des Nachbarn nicht allzu lange überleben.

Leider geschieht es fast jedem Elternteil einmal, dass sich ein Kind beim Spielen verletzt. Solange ein Armbruch problemlos verheilt, ist dies eigentlich keine groГџe Sache. Doch wie schaut es mit der Aufsichtspflicht aus?

In unserem Ratgeber bekommen Sie einen Überblick über die wichtigsten Fragen rund um das Thema. Wir klären darüber auf, ab welchem Alter Sie Ihre Kinder alleine lassen dürfen und wie die Aufsichtspflicht rechtlich geregelt ist.

Sie erfahren, wann es erlaubt ist, ein Kind über Nacht alleine zu Hause zu lassen und ob Sie die Aufsichtspflicht übertragen können. Ferner erhalten Sie einen Überblick, wie Fürsorge und Aufsichtspflicht zusammenhängen und wer in der Kita die Aufsichtspflicht wahrnimmt. Für den Fall der Fälle informieren wir Sie über die Haftungsfragen sowie den Sinn einer Haftpflichtversicherung.

1. Der Grundsatz „Eltern haften fГјr ihre Kinder“ gilt nicht immer

Ein weit verbreiteter Irrtum – das Schild entfaltet keine Wirkung!

Um Minderjährige zu schützen, hat der Gesetzgeber beschlossen, die Verantwortung für die Aufsicht an die Eltern zu übertragen. Als Elternteil haben Sie zum einen die Aufgabe, Ihr Kind möglichst freie Entscheidungen treffen zu lassen. Auf der anderen Seite ist es jedoch erforderlich, dass das Kind vor Gefahren geschützt wird. Dies bedeutet selbstverständlich auch, dass die Erziehungsberechtigten dafür zu sorgen haben, dass Ihr Sprössling keinem anderen Schaden zufügt.

In der Praxis lässt sich dies allerdings kaum bewerkstelligen. Sie können nicht jederzeit an der Seite Ihres Kindes stehen, nur um darauf aufzupassen, dass nichts passiert. Dies würde die eigenständige Entwicklung Ihres Kindes gefährden.

Grundsätzlich gilt, dass Sie Ihre Aufsichtspflicht zwar wahrnehmen müssen, aber nicht zwingend für die Handlung Ihrer Kinder haften.

2. Eltern können sich bei der Aufsichtspflicht an gängigen Gerichtsentscheidungen orientieren

Die Rechtsprechung hat einige Fallgruppen entwickelt, die Eltern Anhaltspunkte liefert, wie und in welchem Umfang ein Kind bereits selbst fГјr sein Handeln verantwortlich ist:

Die Rechtsprechung zur Aufsichtspflicht

  • Bis zu einem Alter von sieben Jahren werden Kinder gem. В§ 828 Abs. 1 BGB als nicht deliktsfГ¤hig angesehen. Das bedeutet konkret, dass den Kleinen ihr jeweiliges Verhalten nicht zugerechnet werden kann. Wirft beispielsweise ein SechsjГ¤hriger einen Stein auf den PKW des Nachbarn, ist das Kind nicht fГјr den Schaden verantwortlich. Wenn Sie nicht wegen einer Verletzung der Aufsichtspflicht haften, geht der GeschГ¤digte leer aus. Je nachdem, welche Versicherung er selbst besitzt, kommt diese fГјr seinen Schaden auf.
  • Im StraГџenverkehr gelten Kinder bis zum vollendeten zehnten Lebenjahr als deliktsunfГ¤hig.
  • Bei kleineren Kindern ist eine nahezu lГјckenlose Aufsicht erforderlich. Spielen Kinder im Alter von vier oder fГјnf Jahren im Garten, reicht es, alle 15 bis 20 Minuten nach dem Rechten zu schauen, um der elterlichen Aufsichtspflicht nachzukommen. Je Г¤lter das Kind ist, desto eher kГ¶nnen Sie es alleine lassen. Sobald ein Kind zur Schule geht, kГ¶nnen Sie Гјberlegen, es alleine Fahrrad fahren zu lassen oder den Heimweg zurГјckzulegen. Sie sollten allerdings sicher sein, dass Ihr SprГ¶ssling sicher fahren kann. Der Schulweg sollte auch nicht allzu weit sein.

Tipp:SchlieГџen Sie eine private Haftpflichtversicherung ab, um sich und Ihre Kinder zu schГјtzen. Achten Sie darauf, dass Ihre Kinder, egal in welchem Alter sie sich befinden, mitversichert sind. So beugen Sie fГјr den Fall vor, dass Sie fГјr einen Schaden Ihres Kindes verantwortlich gemacht werden oder aber Ihr Kind selbst haften soll.

3. Eine Vernachlässigung der Aufsichtspflicht kann zivil- und strafrechtliche Konsequenzen haben

Bei Verletzung der Aufsichtspflicht drohen Konsequenzen

Im Prinzip leitet sich die Definition der Aufsichtspflicht aus den Grundsätzen der elterlichen Sorge ab. Diese ist in den §§ 1626 ff. des BGB näher geregelt.

Als Eltern mГјssen Sie dafГјr sorgen, dass Ihr Kind sich zum einen frei entwickeln kann, auf der anderen Seite jedoch keinen Schaden anrichtet. Dies ist nicht immer leicht zu bewerkstelligen. Manche Eltern werden Гјbervorsichtig und andere wiederum erlauben Ihren Liebsten zu viele Freiheiten. Die Aufsichtspflicht ist nicht an starre Altersgrenzen gebunden.

Es kann daher nicht beantwortet werden, bis zu welchem Alter die Aufsichtspflicht der Eltern reicht. Dies hängt vor allem von der individuellen Reife des Kindes ab.

Lassen Sie Ihre Kinder nicht unbeaufsichtigt!

Kommt es dennoch einmal vor, dass ein Schaden entsteht, greift В§ 832 BGB. Die gesetzliche Aufsichtspflicht sieht vor, dass Sie jemandem, der durch das Verhalten Ihres Kindes einen Schaden erlitten hat, diesen ersetzen mГјssen.

Allerdings kommt ein Ersatzanspruch nicht infrage, wenn Sie Ihrer Aufsichtspflicht nachgekommen sind.

Um Ihrer Aufsichtspflicht zu genügen, können Sie Ihr Kind, besonders dann, wenn es schon älter ist, auch aus den Augen lassen.

Die Aufsichtspflicht gilt auch im Internet

Nicht selten kommt es vor, dass Kinder illegale Downloads starten. Kommt es zu einer Abmahnung, ist der Ärger vorprogammiert. Belehren Eltern Ihre Kinder über strafrechtliche Konsequenzen und eine legale Nutzung des Internets, sind Sie nicht für die permanente Überwachung zuständig. Erst wenn Sie konkrete Anhaltspunkte für illegale Aktivitäten haben, müssen Sie die Nutzung begrenzen und kontrollieren. Leider ist die ordentliche Belehrung des eigenen Nachwuchses oft schwer nachzuweisen.

Im Strafgesetzbuch, dem StGB, findet sich keine direkte Verletzung der Aufsichtspflicht. Erfolgt jedoch eine Anzeige wegen der Verletzung der Aufsichtspflicht, wird geprГјft, ob der Straftatbestand des В§ 171 StGB verwirklicht wurde.

Dieser Paragraph beschreibt allerdings primär eine Verletzung der Fürsorge- und sonstigen Erziehungspflichten. Wird einmalig die Aufsichtspflicht verletzt, fällt dies nur in extrem seltenen Fällen unter den Straftatbestand.

Es sollen vielmehr Fälle erfasst werden, in denen ein Erziehungsberechtigter oder ein anderer Sorgeberechtigter seine Pflichten gegenüber dem Kind dauerhaft grob verletzt.

In der Regel kommt es bei einer einmaligen Verletzung der Aufsichtspflicht der Eltern nur zu zivilrechtlichen Konsequenzen. Da es im Rahmen der Aufsichtspflicht keine starren Altersgrenzen gibt, können auch Kinder mit sieben oder acht Jahren alleine zu Hause bleiben. Probieren Sie dies allerdings vorsichtig aus, um Ihr Kind nicht zu überfordern.

4. Die Möglichkeit der Übertragung der Aufsichtspflicht auf einen Erzieher

Die Aufsichtspflicht für Kinder liegt zwar im Grundsatz bei den Eltern, jedoch können Sie diese auch anderen Personen übertragen. Sie trifft den Erzieher, wenn sich das Kind in der Kita befindet. Die Aufsichtspflicht in der Kita U3 ist dabei strenger als bei Vier- oder Fünfjährigen.

Die Гњbertragung der Aufsichtspflicht auf einen Erzieher

Kommt es im Kindergarten zu einer Aufsichtspflichtverletzung, stellt sich die Frage nach der Verantwortlichkeit. Im Grundsatz liegt die Aufsichtspflicht im Hort, Kindergarten oder der Kita bei dem Leiter der Einrichtung. Die Eltern Гјbertragen diese meist per Vertrag an die jeweilige Einrichtung.

Wichtig ist, dass die Leitung sicherstellt, dass die Erzieher oder Erzieherinnen der Aufsichtspflicht gewachsen sind. Neue Kollegen müssen unterstützt und fachgerecht eingearbeitet werden. Die Gruppengröße darf nicht zu hoch sein, um sie bewältigen zu können. Im Kindergarten-Außengelände muss die Aufsicht ebenfalls gewahrt sein. Dies bestätigt der Bundesgerichtshof in seiner Entscheidung vom 13.12.2012.

Eine gesteigerte Aufsichtspflicht gilt bei einem Kindergarten-Ausflug. Es müssen stets genügend Betreuer zur Verfügung stehen, um mit der Situation umgehen zu können. Als Eltern sind Sie, wenn Sie Ihre Kinder abgegeben haben, von der Aufsichtspflicht befreit. Bleiben Sie jedoch telefonisch erreichbar, um bei Problemen als Ansprechpartner da zu sein.

Die Aufsichtspflicht fГјr den Schlafraum der Kita ist ebenfalls zu beachten. Wenn die Kinder in der Krippe schlafen, ist die Aufsichtspflicht allerdings nicht einheitlich geregelt. Es mГјssen daher keine exakten Zeitintervalle eingehalten werden.

Achtung:Die Aufsichtspflicht im Schwimmbad obliegt allerdings nicht – wie viele glauben – dem Bademeister, sondern Ihnen. Haben Sie beispielsweise die Aufsichtspflicht fГјr eine 13-JГ¤hrige und trauen Sie ihr zu, alleine ins Schwimmbad zu gehen, verletzten Sie damit nicht Ihre Pflichten.

5. Die wichtigsten Aspekte der FГјrsorge – und Aufsichtspflicht im Blick behalten

Hier finden Sie einen kurzen Гњberblick Гјber die relevanten Bereiche, die unter die Aufsichts- oder aber die FГјrsorgepflicht fallen:

6. Meist zahlt die private Haftpflichtversicherung für die Schäden Ihrer Jüngsten

Eine private Haftpflichtversicherung macht Sinn!

Sobald Sie als Eltern Ihre Aufsichtspflicht verletzen, müssen Sie für die entstehenden Schäden eintreten. Da dies schnell teuer werden kann, empfiehlt sich der Abschluss einer Haftpflichtversicherung.

Haben Sie jedoch nichts falsch gemacht und Ihr sechsjähriges Kind hat dennoch einen Schaden verursacht, zahlen weder Sie noch Ihre Versicherung.

Der Geschädigte muss seine Kosten selbst tragen. Deliktsunfähige, also unter sieben Jahre alte Kinder, können mitversichert werden, um dieses Ergebnis zu vermeiden.

Kommt es dazu, dass Ihr Kind vorsätzlich einen Schaden verursacht, weigert sich die Versicherung unter Umständen zu zahlen. In diesem Fall haftet Ihr Spross selbst. Die Voraussetzung ist allerdings, dass das Kind die Tragweite seines Handeln einsehen konnte.

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Aufsichtspflicht: Was Eltern wissen müssen

„Eltern haften für ihre Kinder“. Wirklich? Wie ist das mit der Aufsichtspflicht geregelt? Wann haften wir tatsächlich für unsere Kinder? Wie müssen wir uns verhalten, um der Aufsichtspflicht zu genügen?

Fürsorgepflicht der Eltern gegen Entdeckungsdrang der Kinder

Kinder sind neugierig und spontan. Sie wollen die Welt entdecken und alles ausprobieren. Sie hecken Streiche aus und vergessen beim Spielen manchmal alles um sich herum. Das kann ins Auge gehen: Etwa wenn ein Kind nach einem kumpelhaften Schubser unsanft auf dem Boden landet und sich den Arm bricht, wenn der Ball nicht ins Tor, sondern in Nachbars Fensterscheibe fliegt oder wenn beim Spielen Autos zerkratzt werden. Solche Malheurs sind schnell passiert – und ebenso schnell wird oft der Vorwurf erhoben, die Eltern hätten ihre Aufsichtspflicht vernachlässigt. Was genau hat es damit auf sich? Müssen Eltern ihre Kinder permanent im Blick haben? Wann können sie für Missgeschicke und Streiche ihrer Sprösslinge haftbar gemacht werden? Und welche Konsequenzen kann es haben, wenn sie im entscheidenden Moment nicht vor Ort sind?

Die elterliche Aufsichtspflicht

All dies regelt die elterliche Aufsichtspflicht. Sie ist ein Teil der in § 1631 BGB geregelten Personensorge und der elterlichen Fürsorgepflicht, die ganz allgemein das Recht und die Pflicht von Eltern umfasst, ihre Kinder zu pflegen, zu erziehen und zu beaufsichtigen. Die Aufsichtspflicht verfolgt grundsätzlich zwei Ziele: Minderjährige sollen vor Schäden bewahrt werden, die sie sich selbst oder die ihnen Dritte zufügen können. Andersherum sollen aber auch Dritte vor Schäden, die ihnen durch die „Gefahrenquelle Kind“ drohen können, geschützt werden.

Eine Verletzung der Aufsichtspflicht kann sowohl strafrechtlich wie zivilrechtlich weit reichende Konsequenzen nach sich ziehen. Verursacht ein Kind einen Schaden oder verletzt es sich, müssen die Eltern beweisen, dass sie ihre Aufsichtspflicht korrekt erfüllt haben. Bei Unfällen tritt zwar zunächst die Krankenversicherung ein, doch die erhebt Regressansprüche, wenn Eltern ihrer Aufsichtspflicht nicht nachgekommen sind. Hüten die Großeltern, Freunde oder eine Tagesmutter das Kind, übernehmen sie damit automatisch auch die Aufsichtspflicht. Das gilt auch beim Kindergeburtstag: Die Eltern des Geburtstagskindes haften nicht nur für den eigenen Sprössling, sondern auch für die kleinen Gäste.

Auch Kinder können für Schäden haftbar gemacht werden

Doch nicht immer haften automatisch die Eltern für ihre Kinder. Ab dem vollendeten siebten bzw. im Straßenverkehr ab dem zehnten Lebensjahr können auch die Kinder selbst haftbar gemacht werden, wenn sie die entsprechende Reife besitzen. In diesem Sinne entschied ein Gericht zum Beispiel nach einem Unfall, der durch einen elfjährigen Fahrradfahrer verursacht wurde. Der Junge fuhr entgegen der Fahrtrichtung auf einem Fahrradweg, überquerte offenbar ohne sich umzuschauen eine Querstraße und kollidierte mit einer Frau, die nicht rechtzeitig bremsen konnte. Die Frau verletzte sich und forderte Schmerzensgeld. Wurde die Aufsichtspflicht durch die Eltern verletzt? Nein, denn ein Elfjähriger müsse beim Fahrradfahren nicht permanent unter Aufsicht stehen, entschied das Gericht. Deshalb haften die Eltern in diesem Fall nicht. Ist er selbst für den Unfall verantwortlich? Ja, denn er war mit 11 Jahren nicht mehr berechtigt, auf dem Gehweg zu fahren, und hätte die Vorfahrt beachten müssen. Laut Gericht besitze er in seinem Alter die nötige Reife, um sein Fehlverhalten einschätzen zu können. Der Junge haftet deshalb allein für den Unfall.

Eine Haftpflichtversicherung ist unabdingbar

Eltern sollten unbedingt eine Privathaftpflichtversicherung für die ganze Familie abschließen. Der Versicherungsschutz sollte „deliktunfähige Kinder“ einschließen. Deliktunfähig sind grundsätzlich Kinder bis zum siebten Lebensjahr. Bis zu diesem Alter gehen der Gesetzgeber und die Versicherer davon aus, dass Kinder nicht in der Lage sind, die Konsequenzen ihres Handelns so weit zu überblicken, dass sie dafür verantwortlich gemacht werden können. Im Straßenverkehr gilt das bis zehn Jahre. Kinder über sieben Jahre haften nur, soweit sie die notwendige Reife und Einsichtsfähigkeit besitzen. Schießt also ein Fünfjähriger einen Fußball in eine Scheibe, geht der Geschädigte leer aus – es sei denn die Eltern oder eine andere Aufsichtsperson haben ihre Aufsichtspflicht vernachlässigt. Dann tritt bei Fahrlässigkeit die Haftpflichtversicherung für den Schaden ein.

Aufsicht: Eltern im Dilemma

Eltern haben grundsätzlich Sorge dafür zu tragen, dass ihre Kinder weder Schäden anrichten noch selbst zu Schaden kommen. Doch wie soll ein Kind selbständig werden und Verantwortung für das eigene Verhalten übernehmen können, wenn Vater und Mutter es auf Schritt und Tritt verfolgen? Das Aufsichtsrecht stellt Eltern vor ein Dilemma: Einerseits müssen sie ihren Sprösslingen Freiräume gewähren, damit diese lernen, mit Risiken und Gefahren umzugehen. Andererseits müssen sie ihre Kinder und Außenstehende vor möglichen Schäden schützen. Und selbst die fürsorglichsten Eltern können ihre Augen nicht überall haben. Wie viel Kontrolle ist also nötig, wie viel ist angemessen? Wie sehen die gesetzlichen Richtlinien aus?

Es kommt immer auf den Einzelfall an

Das Dilemma der Eltern ist dem Gesetzgeber durchaus bewusst. So heißt es in § 1626 BGB, Absatz 2: „Bei der Pflege und Erziehung berücksichtigen die Eltern die wachsende Fähigkeit des Kindes zu selbständigem und verantwortungsbewusstem Handeln.“ Doch konkrete Regeln für den Inhalt und den Umfang der elterlichen Aufsichtspflicht gibt es nicht. Was sie ihren Kindern erlauben und verbieten, hängt von ihrem Augenmaß ab. Maßgeblich dafür sind das Alter, der Entwicklungsstand und die Charaktereigenschaften des Kindes. Ist es in der Lage, Gefahren zu erkennen und einzuschätzen? Befolgt es Anweisungen oder setzt es sich gerne mal darüber hinweg und spielt trotz Verbot am nahe gelegenen Baggersee oder auf der Straße? Ein Dreijähriger muss anders beaufsichtigt werden als ein Neunjähriger, eine wilde Hummel, die immer zu Streichen aufgelegt ist, anders als ein kleiner Musterknabe. Im Straßenverkehr oder beim Spielen in der Nähe einer Baustelle gelten andere „Spielregeln“ als auf dem Spielplatz.

Die Herausforderung für Eltern liegt also darin, abzuwägen, welche Gefahren ihrem Kind konkret drohen bzw. von ihm ausgehen können. Denn nur sie kennen seinen Entwicklungsstand und wissen, was es schon kann und womit es möglicherweise noch überfordert ist. Um ihrer Aufsichtspflicht nachzukommen, sollten sie ihr Kind auf jeden Fall über mögliche Risiken beim Spiel, beim Sport oder im Straßenverkehr aufklären und klare Regeln vereinbaren. Je nach Alter, Einsichtsfähigkeit und besonderen Umständen müssen diese Informationen wiederholt, Ermahnungen ausgesprochen oder Situationen – zum Beispiel das Verhalten auf dem Schulweg – eingeübt werden. Selbstverständlich sollten Eltern auch sicher sein, dass ihr Kind die Anweisungen verstanden hat und sie befolgt. Ist es noch zu klein oder setzt es sich häufig über Verbote hinweg, müssen die Eltern jederzeit in der Lage sein, einzugreifen.

Gerichtsurteile als Orientierungshilfe

Das bedeutet aber nicht, dass das Kind permanent beaufsichtigt werden muss. Je nach Alter und Situation genügt es, gelegentlich oder auch nur stichprobenartig zu kontrollieren, wo das Kind gerade spielt und was es treibt. Ein Beispiel aus der Rechtssprechung verdeutlicht, was damit gemeint ist: Zwei Jungen, einer sieben, einer fünf Jahre alt, zerkratzten auf einem Parkplatz mehrere Autos. Der Parkplatz befand sich direkt neben einem Spielplatz. Die Eltern hatten die Kinder dort alleine spielen lassen und sie aufgefordert, den Platz nicht zu verlassen. Zwei Geschädigte verklagten die Eltern wegen Verletzung ihrer Aufsichtspflicht auf Schadensersatz. Das Gericht wies die Klagen gegen die Eltern des Siebenjährigen ab. Der Junge sei zuvor nicht durch Streiche und aggressives Verhalten aufgefallen, deshalb sei es in Ordnung, wenn seine Eltern ihn bis zu zwei Stunden unbeaufsichtigt spielen lassen. Anders das Urteil im Fall des Fünfjährigen: In diesem Alter sei ein Kontrollabstand von 15 bis 30 Minuten geboten, entschied das Gericht.

Ab wann dürfen Kinder alleine zu Hause bleiben?

Diese und andere Fälle aus der Rechtspraxis geben zumindest eine ungefähre Richtlinie: Kleinkinder dürfen niemals unbeaufsichtigt bleiben. Bei Vierjährigen sollten die Eltern etwa alle 15 Minuten nach dem Rechten sehen – vorausgesetzt sie spielen auf einem sicheren Gelände und nicht etwa in unmittelbarer Nähe einer stark befahrenen Straße oder eines Sees; bei Sechsjährigen verlängert sich das Überwachungsintervall auf rund 30 Minuten. Auch dürfen sie nach vorheriger Unterweisung kleinere, ungefährliche Strecken mit dem Fahrrad zurücklegen. Ab diesem Alter können Eltern auch damit beginnen, ihr Kind allein zu Hause zu lassen, anfangs natürlich nur für wenige Minuten. Wenn das klappt, können die Zeiträume Schritt für Schritt ausgedehnt werden. Sicherheitshalber sollten Eltern immer telefonisch für das Kind erreichbar sein. Was gar nicht geht: Kinder während der Abwesenheit im Haus einschließen.

Bei Sieben- bis Achtjährigen, die von ihren Eltern ausreichend über Tun und Lassen belehrt wurden und ihre Anweisungen in der Regel befolgen, ist eine regelmäßige Kontrolle nicht mehr erforderlich. In diesem Alter müssen Kinder ihre Umgebung auch ohne elterliche Aufsicht spielerisch erkunden können, befand der Bundesgerichtshof in einem Urteil vom 24.03.2009 (Az. VI ZR 199/09). Denn andernfalls würde der Lernprozess im Umgang mit Gefahren gehemmt.

Doch wie gesagt: Es kommt immer auf den Einzelfall an.

Источники: http://www.t-online.de/leben/familie/schulkind-und-jugendliche/id_43632270/aufsichtspflicht-wann-koennen-kinder-allein-zuhause-bleiben-.html, http://www.kita.de/wissen/aufsichtspflicht/, http://m.urbia.de/magazin/recht-und-finanzen/was-eltern-ueber-die-aufsichtspflicht-wissen-muessen

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